Eintracht Frankfurt gegen RB Leipzig.
Im Hinspiel trennten sich RB und die Eintracht mit 1:1. Bild © Imago Images

Wenn am Samstag die Eintracht bei RB Leipzig gastiert, kommt es zum Duell der großen Gegensätze - zumindest auf den ersten Blick. Beide Vereine haben aber auch einiges gemeinsam.

Videobeitrag
hr-Sportreporter Joscha Bartlitz

Video

zum Video Gell, da guckste - die Eintracht-Analyse

Ende des Videobeitrags

Eigentlich könnten die Unterschiede nicht viel größer sein. Auf der einen Seite Eintracht Frankfurt: Traditionsverein aus Hessen, Meister 1959, Bundesliga-Gründungsmitglied. Auf der anderen Seite RB Leipzig: gegründet 2009, erst seit 2016 in der Bundesliga, finanziert von einem Brause-Unternehmen. Gibt es am Samstag (15.30 Uhr) also ein Duell der Gegensätze? Nicht nur. Denn die Eintracht und Leipzig eint aktuell mehr, als auf den ersten Blick ersichtlich ist. Ein Vergleich.

Die Trainer

Eintracht-Coach Adi Hütter und Ralf Rangnick verbindet eine gemeinsame Zeit in Salzburg. In der Saison 2014/2015 stand der heutige Frankfurter Trainer bei Red Bull an der Seitenlinie, der heutige Leipziger Coach war damals noch Sportdirektor in Salzburg und bei den Sachsen. Noch heute trägt Hütter eine Menge der RB-DNA in sich - und lässt seine Mannschaft danach spielen. Hohes Pressing, Offensiv-Denken, schnelles Umschalten: Die Eintracht und RB Leipzig haben dank ihrer Trainer eine ähnliche fußballerische Herangehensweise.

Videobeitrag
Adi Hütter in der PK

Video

zum Video Hütter: "Top-Leistung gegen Top-Team."

Ende des Videobeitrags

Das Kapitel Hütter und RB endete übrigens nicht gerade geräuschlos. Nach nur einem Jahr war Schluss in Salzburg. "Ich sehe mich in Zukunft nicht als Ausbildungstrainer", betonte Hütter bei seinem Abschied damals. Der personelle Aderlass - auch vorangetrieben von Rangnick - war dem Fußballlehrer zu viel. Aber auch im Abschied gibt es eine Gemeinsamkeit: Für den heutigen Leipziger Trainer war 2015 ebenfalls Schluss in Salzburg. Seitdem gilt bei Rangnick die volle Konzentration auf die Sachsen.

Die Spielidee und die Spieler

Wer einen Blick durch die Reihen der Spieler der Eintracht und bei RB wirft, erkennt beim genaueren Hinsehen, dass nicht nur die Spielidee der beiden Vereine sich ähnelt. Auch die Akteure, die sie umsetzen sollen, sind von ähnlichem Kaliber. Sébastien Haller und Yussuf Poulsen, Timo Werner und Luka Jovic, Marcel Sabitzer und Ante Rebic oder Diego Demme und Sebastian Rode: ähnliche Spielertypen mit ähnlichen Aufgaben auf dem Platz.

Ein Zielspieler in der Spitze - Haller bei der Eintracht, Poulsen in Leipzig -, dazu torgefährliche Akteure daneben. Dieses Prinzip macht die Eintracht mit 40 Toren zur viertstärksten Offensive der Liga, Leipzig mit nur zwei Treffern weniger zur fünftstärksten. Rode und Demme agieren dazu als spielstarke Abräumer vor der Abwehr.

Die Transferpolitik

Klar, mit den Summen, die RB in neue Spieler investieren kann, kann die Eintracht nicht mithalten. Und dennoch ist das Einkaufsprinzip in manchen Punkten ähnlich. Wie die Leipziger bedient sich auch die Eintracht nun schon seit längerem im europäischen Umland und hält Ausschau nach entwicklungsfähigen Talenten. Evan N'Dicka und Luka Jovic dienen hier als Paradebeispiele.

Videobeitrag
Pierre Littbarski 2

Video

zum Video Littbarski: "Einkaufspolitik hat richtig gut funktioniert"

Ende des Videobeitrags

RB verfolgt diese Transferpolitik schon länger. Yussuf Poulsen, Ibrahima Konaté und Matheus Cunha fanden so den Weg nach Leipzig. Auch Emil Forsberg wurde einst in den Untiefen der schwedischen Liga entdeckt. Heute ist er ähnlich wie Rebic ein europäisches Schwergewicht.

Das Umfeld

Ein paar Ähnlichkeiten gibt es also. Diese betreffen jedoch beinahe ausschließlich das Team und nicht den Verein an sich. Hier bleiben die Unterschiede eklatant, es prallen zwei Welten aufeinander: Tradition gegen Kommerz. Während in Frankfurt über die Jahre eine gewachsene Fan-Kultur entstanden ist und das Stadion in dieser Saison nahezu immer ausverkauft ist, wird bei Leipzig oft auf die "Event-Fan-Kultur" geschimpft.

Das führt im Stadion in Sachen Zuschauerzahl zu manchen Schwankungen. Aktuellstes Beispiel: Zum DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Wolfsburg fanden sich gerade einmal gut 20.000 Zuschauer in der halbleeren Leipziger Arena ein. In Frankfurt undenkbar. Die drei Europa-League-Spiele in der Hinrunde waren binnen weniger Stunden ausverkauft, auch auswärts ist der Gästeblock immer voll.

Die Struktur

Zwei weitere Zahlen machen den großen Unterschied der beiden Vereine aber noch deutlicher: 920 und 67.500. Die Frankfurter befinden sich bei der Summe der Mitglieder in anderen Sphären als die Sachsen. Wobei bei RB von den 920 Mitgliedern überhaupt nur 17 stimmberechtigt sind.

Das Umfeld in Frankfurt hat im Verein also eine gewichtige Stimme. Dazu kommt, dass Eintracht-Präsident Peter Fischer neben der sportlichen Leitung um Fredi Bobic, Bruno Hübner und Adi Hütter sehr präsent ist, zu vielen Themen Stellung bezieht. In Leipzig hingegen sind nur Geschäftsführer Oliver Mintzlaff und Sportdirektor und Trainer Rangnick das Gesicht des Vereins. Mitbestimmung von außen ist hier nicht wirklich erwünscht.

Videobeitrag
spät

Video

zum Video Fischer: "Es war ein geiles Jahr"

Ende des Videobeitrags