Fredi Bobic (v.li.) und Adi Hütter können sich noch länger über die Expertise von Chefscout Ben Manga freuen.
Fredi Bobic (v.li.) und Adi Hütter können sich noch länger über die Expertise von Chefscout Ben Manga freuen. Bild © Imago Images

Mit der Vertragsverlängerung von Chefscout Ben Manga hat Eintracht Frankfurt ein wichtiges Signal für die Zukunft gesetzt. Die Langfrist-Kaderplanung ist gesichert, kurzfristig drängt bei den Hessen derweil die Zeit.

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So einfach war das mit der Vertragsverlängerung von Ben Manga offenbar nicht, wie Fredi Bobic mit einem Augenzwinkern verriet. "Ben ist ja Kraft seines Amtes so viel unterwegs, dass es fast schon schwierig war, einen Termin zu finden", teilte der Sportvorstand mit. Irgendwann konnte er den umtriebigen Chefscout aber doch abfangen – und ihn zu einer vorzeitigen Verlängerung seines Arbeitsvertrags bis Ende Juni 2023 bewegen.

Klar, der erhoffte 15-Tore-Mittelstürmer war es nicht, den die Eintracht da am Dienstag langfristig unter Vertrag nahm, und auch kein neuer, alter Trapp beziehungsweise der gewünschte Innenverteidiger. Mit seinen 45 Jahren wäre Manga vermutlich auch zu alt, um dem Bundesligisten auf dem Platz zu helfen. In Sachen Kaderplanung ist der in Äquatorialguinea geborene und im Rheinland aufgewachsene Scout aber unbezahlbar.

Riesiges Transferplus in der Ära Manga

Seit Manga 2016 erstmals einen Vertrag bei der Eintracht unterschrieb, gingen Spieler im Stadtwald ein und aus, von denen man im Club jahrelang nicht mal hatte träumen dürfen. Ein paar Beispiele: Sébastien Haller kam als No-Name vor zwei Jahren aus Utrecht nach Frankfurt und verabschiedete sich als Stürmer von internationalem Format und für eine Entschädigung von rund 50 Millionen Euro in Richtung West Ham.

Als die Eintracht ebenfalls vor zwei Jahren den 19-jährigen Luka Jovic aus der Reserve von Benfica Lissabon holte, wunderte sich der eine oder andere. Dann schoss der Serbe halb Europa kurz und klein und darf sich seit diesem Sommer "königlich" nennen. Real Madrid knallte für seine Dienste 60 Millionen Euro auf den Tresen. Man könnte Chef-Scout Manga also gut und gern als den Schatzgräber der Eintacht bezeichnen – ohne die Leistungen von Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner schmälern zu wollen.

Um die Erfolgsbilanz nun abzukürzen: Die Transfers von Ante Rebic, Kevin-Prince Boateng, Martin Hinteregger sowie Sebastian Rode beziehungsweise Kevin Trapp in ihrer zweiten Frankfurter Dienstzeit fielen auch in die Frankfurter Manga-Phase. Natürlich auch weniger erfolgreiche Spieler wie Chico Geraldes oder Liverpools Leihspieler Allan, doch diese Missverständnisse kosteten Frankfurt im Vergleich zu den eingenommenen Summen höchstens ein Trinkgeld.

Ein Sack voll Arbeit

"Ich freue mich, weiter für die Eintracht arbeiten zu dürfen", ließ Manga kurz und knapp mitteilen. "Es macht mir großen Spaß." Viele Worte wollte der ehemalige Scout von Hoffenheim und Stuttgart nicht verlieren. Überraschend ist das nicht, denn in der nahen Zukunft gibt es für Manga und Co. viel zu tun.

Nach den schwerwiegenden Abgängen von Haller und Rebic beziehungsweise den Leihspielern Trapp, Rode und Hinteregger klaffen noch große Lücken im Frankfurter Kader für die am Donnerstag in der Europa League beginnende Pflichtspielrunde.

Boateng und Philipp könnten für Abhilfe im Sturm sorgen

Kevin-Prince Boateng im Trikot von Sassuolo Calcio
Kevin-Prince Boateng könnte zeitnah nach Frankfurt zurückkehren. Bild © Imago Images

Am meisten drückt der Schuh im Angriff, wo mit Goncalo Paciencia, Ante Rebic und Dejan Joveljic derzeit nur drei Spieler zur Verfügung stehen. Da passt es gut, dass die anvisierte Rückkehr von Boateng offenbar bevorsteht. Bereits zum Start des Trainingslagers in Windischgarsten, so berichtete die Frankfurter Rundschau am Mittwoch, könnte der "verlorene Sohn" zur Mannschaft stoßen – falls sich die Eintracht mit US Sassuolo auf eine annehmbare Ablösesumme für den 32-Jährigen einigen kann.

Daneben bemühen sich die Hessen um eine Verpflichtung des Dortmunder Reservisten Maximilian Philipp. Für den 25-jährigen Angreifer müsste die Eintracht aber sicher mehr als zehn Millionen Euro auf den Tisch legen. Im Gegensatz zu Sebastian Rode, den der Vizemeister wohl für eine knappe Entschädigung von etwa zwei Millionen Euro nach Frankfurt ziehen lässt, sieht BVB-Manager Michael Zorc in der Causa Philipp nämlich mehr Chancen auf Cash: "Es gibt sicherlich mehr als eine Anfrage für ihn", sagte Zorc den Ruhrnachrichten.

Auch Vallejo wieder ein Thema?

Jesús Vallejo
Jesus Vallejo schaffte in Frankfurt den Durchbruch. Bild © picture-alliance/dpa

In der Abwehr sind die Frankfurter nominell zwar gut aufgestellt, hier soll aber noch mehr Qualität her. Nun, da sich der erhoffte Transfer von Martin Hinteregger immer schwieriger gestaltet, scheint auch Jesus Vallejo wieder in den Fokus des Bundesligisten zu rücken. Das berichten mehrere Medien übereinstimmend.

Vallejo, der 2016/17 auf Leihbasis in Frankfurt spielte, steht in der Innenverteidiger-Hierarchie bei Real Madrid nur auf Rang fünf und soll den Verein laut Marca verlassen. Nicht nur hinter dieser Personalie steht selbstredend ein großes Fragezeichen. Mit einer erneuten Verpflichtung des Spaniers würde sich für Talentsucher und Talentspieler übrigens ein Kreis schließen. Vallejo war einer der ersten Spieler, die Manga als Scout nach Frankfurt lotste.