Bratwurst Walter vorm Stadion von Eintracht Frankfurt

Die von vielen Fans von Eintracht Frankfurt seit den 60er-Jahren geliebte und bei jedem Heimspiel besuchte Imbissbude "Bratwurst-Walter" ist Geschichte. Schuld sind Corona und die Geisterspiele, Hoffnung gibt es nicht.

Es gehörte zu einem Heimspiel-Besuch bei Eintracht Frankfurt wie das Singen der Hymne oder das Grölen der Aufstellung: Ein kurzer Stopp bei "Bratwurst-Walter", einer Imbissbude in der Nähe des Haupteingangs, war für viele Fußball-Fans jahrelang Pflicht. Mit der Straßenbahn in Richtung Stadion, dann schnell eine Wurst oder ein Fischbrötchen auf die Hand und bei Pils vom Fass, gerne serviert auf einem Tablett, über die kommenden 90 Minuten philosophieren.

Senf und Ketchup standen stets auf der Theke, mehrere Hundert Anhänger von Heim- und Gastverein standen in größeren und kleineren Gruppen rund um die Stehtische oder an der Leitplanke. Dann schnell noch ein Bier auf die Hand, kurz Austreten und ab in die Fankurve, huch ist das schon spät. Doch damit ist jetzt Schluss. "Leider müssen wir euch mitteilen, dass wir mit sofortiger Wirkung schließen", verkündete Besitzer Stefan Schlegel am Freitag bei Facebook die traurige Nachricht.

Keine Zuschauer, keine Einnahmen

Die Gründe für das Aus der Traditions-Wurstbude, die seit Beginn der Bundesliga im Jahr 1963 Eintracht-Fans mit Gegrilltem und Gezapftem versorgte, liegen auf der Hand. "Geisterspiele und Corona", fasste Schlegel die missliche Lage im Gespräch mit dem hr-sport zusammen. Erst wochenlang gar keine Spiele, dann Spiele ohne Zuschauer. Hungrige und durstige Fußballfreunde, die sich sonst im Zweiwochen-Rhythmus über die Speisen und Getränke hermachten: Fehlanzeige. "Irgendwann geht es dann einfach nicht mehr."

Für Schlegel, der "Bratwurst-Walter" vor zwei Jahren von seinem Vater als Nebengewerbe übernahm und damit die Familien-Tradition fortsetzte, ist der wirtschaftliche Schaden inzwischen einfach zu groß geworden. Die Pacht für den Stellplatz wurde wie jedes Jahr im Voraus bezahlt, die Miete für Equipment und Ausstattung macht auch während einer Pandemie keine Pause. "Das ist das große Corona-Übel", so Schlegel. Laufende Kosten, fehlende Unterstützung und keine Perspektive führten letztlich zum Entschluss, die Wurstbraterei ruhen zu lassen. Der Grill bleibt für immer aus.

Schlegel will keine Spenden

Vom Land hätte Schlegel, wie es das Corona-Hilfspaket vorsieht, zwar einen Kredit bekommen können, um zumindest einen Teil der Einnahme-Ausfälle zu decken. Langfristig muss "Bratwurst-Walter" aber die weiße Fahne hissen. "So viele Würste, um das Geld wieder reinzubekommen, hätte ich aber gar nicht verkaufen können." Schulden fressen Imbissstand.

Hoffnung auf eine Kehrtwende, auch das betont Schlegel, gibt es nicht. Seine Stammkunden, die meisten davon Fanclubs, wurden bereits vor der offiziellen Mitteilung über das Ende der Bratwurst-Ära informiert. Der Abschied schmerzt, aber steht fest. "Ich bitte darum, jetzt keine Rettungs-Aktionen zu starten", so Schlegel. Spenden will er nicht annehmen, die Entscheidung sei nicht mehr rückgängig zu machen. "Das ist beschlossene Sache." Viele Fans der Eintracht werden sich zukünftig ein neues Warmmach-Ritual suchen müssen.