Daichi Kamada von Eintracht Frankfurt

Daichi Kamada hat die Leihe nach Belgien erkennbar gut getan, zurück bei Eintracht Frankfurt präsentiert sich der Japaner selbstbewusst und spielfreudig - und könnte ein internes Problem lösen.

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Adi Hütter still Kamada Trainingslager
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Mit Vorbereitungsgewinnern ist es ja so eine Sache. Im Sommer 2018 raunte es durch den Frankfurter Stadtwald, der junge Marijan Cavar mache erstaunliche Fortschritte und könne zur Überraschung der Saison werden. Im Jahr davor machte ein gewisser Max Besuschkow mit starken Trainingsleistungen auf sich aufmerksam. Das Ende vom Lied: Als die Saison losging, spielte keiner von beiden.

Nun ist die Saisonvorbereitung ja gerade erst eine gute Woche alt, für einen, den vor dem Auftakt nur die wenigsten auf dem Zettel hatten, hat die Zeit aber bereits gereicht, sich in den Fokus zu spielen: Daichi Kamada. Der Japaner, der 2017 für geschätzte 1,6 Millionen Euro von Sagan Tosu zur Eintracht kam, lief in der Pokalsieger-Saison 2017/18 zwar mit, wurde anschließend aber für eine Saison nach Belgien verliehen, um Spielpraxis zu bekommen und sich das körperliche Rüstzeug für die Bundesliga draufzuschaffen. Dass das direkt so gut funktioniert, haben aber wahrscheinlich nicht einmal die größten Optimisten rund um die Eintracht gedacht.

"Bei ihm sieht man, was Selbstvertrauen ausmacht"

Denn beim VV St. Truiden stieg der 22-Jährige ansatzlos zum Leistungsträger auf. In 36 Spielen war Kamada an stolzen 25 Treffern (16 Tore/neun Vorlagen) direkt beteiligt, allein in der Liga traf er zwölfmal ins Schwarze. Dementsprechend begeistert zeigte sich St. Truiden-Trainer Marc Brys über seinen Leihspieler: "Er hat ein gutes Positionsspiel, technische Qualitäten und kann sowohl mit dem linken als auch mit rechten Fuß gut dribbeln. Das macht ihn unberechenbar", findet Brys, der die technischen Qualitäten des Japaners "über dem Niveau" der Liga sah. Auch wegen Kamada schloss St. Truiden auf einem guten siebten Rang ab.

Zurück in Deutschland macht der 22-Jährige nun da weiter, wo er in Belgien aufgehört hat. In den Trainingsspielen präsentiert er sich spielfreudig und steht mit einem ganz anderen Selbstverständnis auf dem Platz. "Für mich ist es ein ganz anderes Bild als letztes Jahr", staunte sein alter neuer Trainer Adi Hütter. "Die Saison in Belgien hat ihm sehr gut getan. Er präsentiert sich ganz anders, ist physisch in einer besseren Verfassung und hat eine ganz andere Ausstrahlung. Bei ihm sieht man, was Selbstvertrauen ausmacht. Deswegen möchte ich ihn auf jeden Fall noch weiter beobachten. Er gibt hier ein gutes Bild ab." Körperlich macht Kamada noch immer den Eindruck eines halben Hemds. Die breite Brust ist allerdings nicht zu übersehen.

"Ich bin sehr überrascht über seine gute Entwicklung"

Auch Landsmann Makoto Hasebe ist vom Auftreten des jungen Japaners angetan. "Ich bin auch sehr überrascht über seine gute Entwicklung", sagte Hasebe unlängst dem hr-sport über Kamada, der auch im heillos vergeigten Testspiel gegen Bern (1:5) einer der wenigen Spieler war, der nicht vollends neben der Spur war. "Ich denke, er schafft es diese Saison in der Bundesliga bei der Eintracht", ist sich Hasebe sicher.

Und so könnte mit Kamada tatsächlich ein interner Neuzugang das kreative Vakuum füllen, das die Hessen rund um die Zehnerposition noch aufweisen. Die bisherigen Mittelfeld-Neuzugänge Djibril Sow und Dominik Kohr sind eher dynamische Box-to-Box-Spieler, ein technisch starker Kreativkopf im letzten Drittel geht den Hessen bislang noch ab. In Kamada könnten sie aber genau so einen bereits in ihren Reihen haben.

Wie geht es mit Kamada weiter?

Beim VV St. Truiden wurde Kamada zumeist als offensiver Mittelfeldspieler oder hängende Spitze eingesetzt. Und bei der Eintracht? Kamadas Vorgänger Besuschkow ist mittlerweile bei Jahn Regensburg in der zweiten Liga angekommen. Cavar trägt zwar noch das Leibchen mit dem Adler, soll aber baldmöglichst abgegeben werden. Gut möglich, dass dem aktuellen Gewinner der Vorbereitung ein solches Schicksal erspart bleibt.