Daichi Kamada war der Mann des ruhenden Balles bei der Eintracht.

Eintracht Frankfurt meistert den schwierigen Spagat, nimmt den Schwung aus der Champions League mit zum VfB Stuttgart und klopft oben an. Im Fokus stehen die Standardsituationen und Daichi Kamada. Die Analyse in fünf Punkten.

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Die komplette Eintracht-PK nach dem Spiel in Stuttgart

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Im Stile einer Spitzenmannschaft hat sich Eintracht Frankfurt am Samstag beim VfB Stuttgart präsentiert und einen enorm wichtigen Auswärtsdreier eingefahren. Vor einer Woche nach war die Stimmung nach einer Niederlage gegen den VfL Wolfsburg im Stadtwald arg getrübt. Sieben Tage später stehen der historisch erste Champions-League-Erfolg der Vereinshistorie in Marseille und ein abgezockter 3:1-Sieg bei den Schwaben.

1. Eintracht kann hohe Intensität voll mitgehen

Obwohl die Hessen nach dem Sieg in Marseille schwere Beine hatten, präsentierte sich das Team gut erholt. Trainer Oliver Glasner lobte: "Wir sind sechs Kilometer mehr gelaufen als Stuttgart – und das vier Tage nach diesem intensiven Spiel in Marseille. Das war genau das, was wir uns vorgenommen haben." Die Mannschaft der Eintracht steht sinnbildlich für den Begriff der Mentalität. Fehler von Mitspielern wurden ausgebügelt, die Frankfurter verteidigten kompakt und hochkonzentriert.

Auch der Anschlusstreffer durch Tiago Tomas in der Schlussphase brachte das Gebilde nicht ins Wanken. Torhüter Kevin Trapp, der zweimal stark parierte, stellte fest: "Wenn wir die Schritte gehen, die weh tun, dann können wir viel erreichen." Gegen Stuttgart haben die Frankfurter dem Gegner auch zum Abschluss der zweiten englischen Woche in der Schlussphase keinen Platz gelassen.

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Eintracht Frankfurt holt drei Punkte in Stuttgart

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2. Zauberfuß Kamada in herausragender Verfassung

Glasner hatte bereits vor dem Spiel in Stuttgart gesagt: "Daichi Kamada ist sehr wichtig für uns, deshalb spielt er auch jede Partie." In Stuttgart war der Japaner erneut Schlüsselspieler und Matchwinner. Seine ruhenden Bälle entschieden die Begegnung im Schwabenländle. Nach sechs Minuten köpfte Kapitän Sebastian Rode den Freistoß-Abpraller zum frühen 1:0 ein, im zweiten Durchgang flog der Freistoß diesmal - leicht abgefälscht - direkt ins VfB-Tor (55.).

Und als die Eintracht in der Schlussphase doch noch zittern musste, fand Kamadas präziser Eckball den Kopf von Kristijan Jakic (88.). Keine Frage: Der 25-Jährige befindet sich aktuell in der Form seines Lebens. Jeweils vier Tore und Assists hat er in der Liga bereits auf sein Konto geschaufelt, die Pokalpartie in Magdeburg entschied er mit einem Doppelpack. Kamada steht allerdings nicht nur für die feine Klinge. Der Nationalspieler geht weite Weg, lief in Stuttgart 11,58 Kilometer. So ist er auch in Zukunft nicht aus der Startelf wegzudenken.

3. Kapitän Rode und der "alte Hase" geben Halt

Der Körper von Sebastian Rode gerät bei drei Partien pro Woche dann und wann an seine Grenzen. Doch wenn der Kapitän auf dem Platz steht, hilft er seiner Mannschaft. Der 31-Jährige ging in Stuttgart sofort voran, erzielte die frühe Führung. Rode hat für zwei Treffer und eine Vorlage bislang nur 285 Bundesliga-Minuten benötigt. Er gewann beim VfB zudem herausragende 71 Prozent seiner Zweikämpfe. Nach kurzer Verletzungspause ist der Führungsspieler sofort voll zurück.

Neben Rode sorgt der erfahrenste Spieler auf dem Feld für Stabilität. "Das war ein Sieg der Qualität und Mentalität", freute sich Makoto Hasebe nach Abpfiff. Der Eintracht-Oldie strahlt so viel Ruhe auf dem Feld aus wie kein zweiter Profi in den Reihen der Hessen. 25 seiner 30 - teils auch riskanten - Pässe fanden die Mitspieler. Hasebe setzt seinen Körper in Zweikämpfen oftmals äußerst geschickt ein, er schließt dank seiner Antizipation Lücken und steht da, wo er stehen muss. Die beiden jungen Innenverteidiger Tuta und Evan N'Dicka profitieren enorm von dessen Erfahrung. Mit 38 Jahren geht Hasebe weiterhin unermüdlich und vorbildlich voran - und ist so auch für Glasner kaum zu ersetzen.

4. Überragende Auswärtsbilanz

Ob in DFB-Pokal, Königsklasse oder Bundesliga: Die Eintracht fühlt sich in der Fremde richtig wohl. In fünf Pflichtspielen in anderen Stadien gab es vier Siege und ein Remis. Bereits in der vergangenen Saison belegten die Frankfurter in der Auswärtstabelle Rang sechs, ihnen gelangen in der Europa League teils herausragende Siege in Antwerpen, Piräus, Sevilla, Barcelona und London.

In Stuttgart traf die Eintracht stets zum richtigen Zeitpunkt. "Wir waren gleich voll im Spiel. Es ist so gelaufen, wie wir uns das vorgestellt haben", analysierte Trapp. Zuerst ein frühes Tor, dann der Ausbau der Führung in der Drangphase der Gastgeber - und am Ende, als Stuttgart alles nach vorne warf, landete der Ball erneut im Gehäuse des VfB. Es ist eine Kombination aus Spielglück und der Tatsache, dass die Eintracht dann nicht das Spiel machen muss.

5. Eintracht klopft an die Spitzengruppe an

Gelingt es Glasner, die Eintracht auch bei Heimspielen in die Spur zu bringen und Lösungen gegen tiefstehende Kontrahenten zu präsentieren, könnten sich die Hessen möglicherweise bald schon ganz oben festsetzen. Nach sieben Partien mit elf Punkten haben die Frankfurter die Champions-League-Ränge im Blick.

Das Team hat sich auf nationaler Ebene merklich stabilisiert, konnte drei der vergangenen vier Ligapartien mit einem Torverhältnis von 11:5 für sich entscheiden. Nach sieben Spieltagen kann die Eintracht vor der Länderspielpause daher ein positives Fazit ziehen. Im Pokal weitergekommen, in der Champions League einen wichtigen Sieg gefeiert und in der Liga auf dem Weg zur dringend benötigten Konstanz. Nach dem Regentag vor einer Woche hat sich die Sonne zum richtigen Zeitpunkt vor dem letzten Break in diesem Jahr herausgekämpft.

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Highlights: Frankfurt - Stuttgart

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