Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt muss sich nach dem Theater um den Abschied von Fredi Bobic wieder aufs Sportliche konzentrieren. Die Aufgaben und Ziele sind groß. Wie gefährlich die Situation ist, zeigen aber die Vergangenheit und ein aktueller Konkurrent.

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hs
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Der Sieg im Bundesliga-Spitzenspiel gegen den FC Bayern: vergessen. Die Keilerei samt Niederlage bei Werder Bremen: vergessen. Die Euphorie im Rennen um die Champions League: irgendwie verflogen. Die Themen und die Stimmungslage haben sich bei Eintracht Frankfurt innerhalb weniger Tage komplett geändert. Die Angriffslust der vergangenen Wochen wurde vom nahenden Abschied von Sportvorstand Fredi Bobic rüde ausgebremst. Das anstehende Heimspiel gegen den VfB Stuttgart am Samstag (15.30 Uhr) ist zu einer Randnotiz verkommen.

"Dass es jetzt Turbulenzen gibt, ist leider so", fasste der scheidende Frankfurter Boss Bobic die aktuelle Situation in der ARD zusammen. Heißt: Die bislang so heile Eintracht-Welt ist ein wenig ins Wanken geraten. Die Unruhe hinter den Kulissen kommt zur Unzeit und gefährdet die großen Ziele.

Die Eintracht darf sich nicht ablenken lassen

Klar ist: Die Eintracht hat die Qualität, um sich in der Bundesliga-Spitzengruppe zu etablieren, und trotz der Pleite in Bremen auch rechnerisch weiter gute Chancen auf die Königsklasse. Trainer Adi Hütter und die Mannschaft müssen die Störgeräusche aber ausblenden und aktiv gegensteuern. "Wir haben den vollen Fokus auf Stuttgart", meldete sich Führungsspieler Kevin Trapp am Dienstag zu Wort. Doch das ist leichter gesagt als getan.

Die Trennungs-Entscheidung von Bobic löst bei den Hessen zwar bei Weitem nicht so ein Erdbeben aus wie die Wechsel-Ankündigung von Niko Kovac im Saisonendspurt der Spielzeit 2017/18 zum FC Bayern. Ganz ruckelfrei laufen die Diskussionen um das Ende der Bobic-Ära aber auch nicht ab. "Die Gespräche sind gegenwärtig noch nicht abgeschlossen", kanzelte Aufsichtsratschef Philip Holzer das Vorpreschen von Bobic am Dienstag erst einmal ab. Die Chefetage ist derzeit, vorsichtig ausgedrückt, zumindest irritiert.

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Mahnende Beispiele: Kovac und Rose

Und dass solche Nebenkriegsschauplätze schnell auch Auswirkungen auf das Leistungslevel der Spieler haben können, weiß – oder wusste – auch Bobic. Als vor rund drei Jahren der Flirt zwischen dem FC Bayern und Eintracht-Coach Kovac öffentlich wurde, kritisierte Bobic dieses Vorgehen noch scharf. "Es stehen sehr viele wichtige Spiele für Eintracht Frankfurt an, wir können sehr viel erreichen. In dieser Phase ist dieser Zeitpunkt für Eintracht Frankfurt kein sehr glücklicher." Zwei Sätze, die auch im Jahr 2021 aktueller denn je sind und damit die Frankfurter Alarmglocken schrillen lassen sollten.

Im Frühling 2018 verlor die Eintracht nach Kovacs Outing in der Bundesliga nämlich vier von fünf Partien und rutschte von Platz fünf auf Platz acht ab. Ähnlich läuft es gerade in Gladbach, wo die Borussia nach der Abschieds-Beichte von Noch-Trainer Marco Rose vier Niederlagen am Stück kassierte, aus dem DFB-Pokal flog und auch in der Champions League vor dem Aus steht. Droht der Eintracht also ein ähnliches Schicksal? Noch möchte man sagen: nicht unbedingt.

Bobic spielt mit offenen Karten

Rein emotional war die Verbindung zwischen Bobic und der Eintracht nie so eng wie zwischen Kovac und der Eintracht oder wie beim Gladbacher Beispiel wie zwischen Rose und der Borussia. Für Bobic war die Station in Frankfurt, das hat er stets betont, ein Job. Diesen Job hat er gut bis sehr gut erledigt, menschlich enttäuschte Fans wird er aber wohl ebenso wenig zurücklassen wie eine konsternierte Mannschaft. Hinzu kommt, dass Hütter und sein Team, die in dieser Saison ohnehin bestens harmonieren, durch die Turbulenzen vielleicht sogar noch näher zusammenrücken könnten. Jetzt erst recht.

Klar ist: Die Situation ist gefährlich und könnte der Eintracht, die im Rennen um die vorderen Plätze auf ein funktionierendes Gebilde angewiesen ist, entscheidende Punkte kosten. Dass aber selbst bei größten Differenzen ein Happy End nicht ausgeschlossen ist, beweist der historische Pokalsieg unter Kovac. Der Kroate verabschiedete sich mit einer Trophäe und machte damit die Unstimmigkeiten vergessen. Sollte Bobic einen Champions-League-Teilnehmer an seinen Nachfolger übergeben, wäre der Mini-Rosenkrieg wohl ebenfalls schnell vergessen.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 01.03.21