Die Eintracht-Spieler im Trainingslager in Florida

Eintracht Frankfurt spielt in der Rückrunde gegen den Abstieg? Das Trainingslager in den USA ist verschwendete Zeit? Nicht unbedingt! Unter den Sonnenstrahlen Floridas könnte ab sofort alles besser werden.

Hier sind fünf Gründe für einen möglichen Eintracht-Aufschwung in der Rückrunde:

1. Gute Laune dank Tapetenwechsel 

Wer den Kopf freibekommen will, muss einfach mal raus. Etwas anderes sehen. Am besten weit weg von den Problemen daheim. Eintracht Frankfurt hat diese Art Lebensweisheit beherzigt und sich selbst mit dem Trainingslager in den USA einen Tapetenwechsel deluxe auferlegt. Nach rund zehn Stunden Flugzeit ist die jüngste Sieglos-Serie von sieben Bundesliga-Spielen zwar sicher nicht aus der Welt, aber zumindest für ein paar Tage weit genug weg, um konzentriert an einem Ende der sportlichen Talfahrt arbeiten zu können.

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Kevin Trapp im Interview
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Wie gut solch ein Tapetenwechsel tun kann, ist beispielsweise an Sebastian Rode zu sehen: Der Mittelfeldspieler tauchte schon am Frankfurter Flughafen mit einem Lächeln auf und legte es auch während des Fluges nicht ab. Am Ende der ersten Trainingseinheit sprangen sich die beiden Kumpels Timothy Chandler und Gonçalo Paciência hochmotiviert in die Arme. Reisestrapazen sehen anders aus.

2. Bessere Bedingungen gibt es kaum

Es mag eine Fußballer-Plattitüde sein, in diesem Fall aber trifft sie definitiv zu: In der IMG Academy in Bradenton, Florida finden die Hessen außergewöhnlich gute Bedingungen vor. Das betrifft zum einen das Wetter: Bei Sonnenschein und einem Plus von bis zu 27 Grad Celsius im Vergleich zum Frankfurter Schmuddelwetter lässt es sich natürlich deutlich angenehmer trainieren - und gut fürs Gemüt ist die Wärme auch noch. Zum anderen aber atmet die Academy, die eine knappe Autostunde südlich von Floridas drittgrößter Stadt Tampa liegt, Sport. Und sie atmet Fußball.

Aus mehr als einer Handvoll Trainingsplätze kann sich Coach Adi Hütter theoretisch jeden Tag aufs Neue einen aussuchen. Oder eben die Längen der Laufrunden knackiger gestalten. Das ist dann wohl auch das beste Gegenmittel für mögliche Urlaubsgefühle, die am Golf von Mexiko schon mal aufkommen können.

3. Kommunikation wird großgeschrieben

Ein anderes Gesicht zeigen. Taktisch variabler werden. Und vor allem: Die Gründe für die sportliche Erfolglosigkeit der zweiten Hinrunden-Hälfte analysieren. Das war und ist die Vorgabe von Hütter und Co. für die Winterpause sowie für den Start in die Rückrunde am 18. Januar (auswärts bei der TSG Hoffenheim). Der Schlüssel für eine zielführende Analyse: reden, viel und miteinander. Wie groß Trainerteam und sportliche Leitung Kommunikation in diesen Tagen schreiben, demonstrierten sie bereits während der ersten Trainingseinheit.

Hütter, seine Assistenten Christian Peintinger und Armin Reutershahn sowie Sportdirektor Bruno Hübner und Sportvorstand Fredi Bobic standen im Prinzip immer beieinander, waren im Gespräch, tauschten sich aus. Nach der Einheit blieb eine Gruppe um Paciência und Filip Kostic für einen kurzen Talk auf dem Rasen sitzen. Der angekündigte Prozess der Selbstreflexion scheint bei Eintracht Frankfurt voll eingesetzt zu haben.

4.  Ein Teamplayer greift wieder an 

Neben Rode und dem länger gesperrten Kapitän David Abraham wurde im Kader der Frankfurter zuletzt insbesondere ein Führungsspieler schmerzlich vermisst: Kevin Trapp. Der Torhüter wurde während seiner Ende September erlittenen Schulterverletzung zwar bemerkenswert gut vom mittlerweile ebenfalls verletzten Frederik Rönnow vertreten, seine Leaderqualitäten aber kann die Eintracht spätestens mit Rückrundenbeginn sehr gut gebrauchen.

Im Trainingslager will Trapp nun den Grundstein für ein Comeback im ersten Pflichtspiel des neuen Jahres legen. "Das könnte funktionieren, ich fühle mich topfit", sagte er. "Aber wir machen uns keinen Druck, was das angeht. Ich werde jetzt peu à peu ins Mannschaftstraining integriert. Wir werden sehen, wie weit ich am 18. Januar bin."

5. Der Florida-Effekt ist durchaus messbar 

Zu guter letzt noch eine Kleinigkeit, die aber vor allem die Kritiker der Frankfurter USA-Reise, die ihre Mannschaft aufgrund der kürzeren Anreise lieber in Spanien oder der Türkei gesehen hätte, beruhigen dürfte: Ein zumindest kurzfristig positiver Florida-Effekt auf den sportlichen Erfolg der Eintracht ist durchaus messbar. Schon im vergangenen Jahr hatten die Hessen ihr Wintertrainingslager in der IMG Academy abgehalten, zum Start in die Rückrunde gab es kurz darauf einen 3:1-Heimsieg gegen Freiburg - und erst im April die nächsten Niederlagen. Jetlag funktioniert eigentlich anders.