Eintracht VfB

Eintracht Frankfurt spielt auch beim VfB Stuttgart nur Remis, eine Saison im grauen Mittelmaß droht. Das liegt auch an der mutlosen Aufstellung des Trainers. Immerhin macht ein Eigengewächs Lust auf mehr. Die Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Eintracht-Spiel gegen Stuttgart

Adi Hütter nach dem Spiel gegen Stuttgart
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Eintracht Frankfurt hat beim VfB Stuttgart 2:2-Unentschieden gespielt. Zur Pause hatte Stuttgart nach Treffern von Nicolas Gonzalez (17. Minute/ Foulelfmeter) und Gonzalo Castro (37.) hochverdient mit 2:0 geführt. André Silva (61.) und David Abraham (75.) trafen nach der Pause zum Endstand.

1. Never change a losing team?

Eintracht VfB

Das Spiel gegen Bremen schien eigentlich genug Hinweise auf die Eintracht-Startelf gegen Stuttgart gegeben zu haben. In einer schwachen ersten Halbzeit beim 1:1 gegen Werder in der Vorwoche empfahlen sich gleich mehrere Spieler für einen Bankplatz gegen Stuttgart, während sich andere, namentlich Aymen Barkok und Amin Younes, in einer starken zweiten Hälfte nachdrücklich für einen Startplatz empfahlen.

Dumm nur: Eintracht-Coach Adi Hütter sah das anscheinend anders, ließ Barkok und Younes zunächst draußen und setzte wieder einmal auf Spieler, von denen nur er noch weiß, warum er sie immer wieder von Beginn an spielen lässt. Steven Zuber ist nach wie vor keine nachhaltige Verstärkung für die Offensive, im zentralen Mittelfeld durfte Stefan Ilsanker nach diversen schwachen Vorstellungen trotzdem wieder von Beginn an ran. Was folgte war – Überraschung – eine erneute schwache erste Halbzeit.

2. Angsthasenfußball im Land der Büffel

Und sowieso: Was war das eigentlich für eine defensive Herangehensweise bei einem Aufsteiger? Nach dem Ausfall von Sebastian Rode brachte Hütter Ilsanker und Dominik Kohr gemeinsam im zentralen Mittelfeld, die spielerische Niveau war entsprechend. Auch dass Zuber und erneut Almamy Touré anstatt der offensiveren Younes und Barkok auf den Flügeln beginnen durften, sprach nicht unbedingt dafür, dass die Hessen ihr Heil in der Offensive suchen würden.

Aber warum eigentlich nicht? Der VfB spielt eine solide Saison, zittern muss man vor den Schwaben aber auch nicht. Und zur Erinnerung: In Stuttgart wurde einst die Büffelherde geboren, beim VfB brachte Hütter vor zwei Jahren Sebastien Haller, Ante Rebic und Luka Jovic zum ersten Mal gemeinsam. Der Dreiersturm überfuhr erst den VfB und pflügte fortan durch die Liga. Klar, solche Ausnahmespieler hat Hütter nicht mehr. Aber für einen Trainer, der stets Mut von seinen Spielern fordert, beweist er aktuell selbst erstaunlich wenig davon.

3. Tourés Bärendienst

Nicht dass es etwas an der lausigen Vorstellung der Eintracht in der ersten Hälfte geändert hätte, aber nach einer Viertelstunde den unnötigsten Elfmeter der Welt zu kassieren, hilft halt auch nicht unbedingt. Nachdem Touré völlig ohne Not Nicolas Gonzalez per Schubser zu Fall brachte, konnte der VfB nach knapp einer Viertelstunde schon in Führung gehen. Gegen ein Team, das durch fixes Umschalten und schnelle Konter zum Erfolg kommt, ist ein früher Rückstand exakt das, was man nicht will.

Umso ärgerlicher, weil man bei Touré in dieser Saison das Gefühl hatte, seine Leichtsinnigkeiten würden endlich auf ein erträgliches Maß reduziert. So aber bleibt es dabei: Touré könnte ein überdurchschnittlicher Bundesligaspieler sein, wären da nicht immer und immer wieder diese vollkommen unnötigen Aussetzer.

4. Barkok macht Hoffnung auf Rechts

Nach der Pause trat die Eintracht sehr viel engagierter auf und war zeitweise deutlich überlegen, insbesondere der eingewechselte Aymen Barkok tat sich dabei hervor. Vor dem 1:2 tanzte er gleich zwei Stuttgarter aus, sein überraschender Richtungswechsel vor dem Rückpass auf Silva war ein echtes Schmankerl. Wenig später trat Barkok dann eine wunderbare Ecke, die David Abraham per Kopf zum Ausgleich veredelte. So wurde Barkok zum besten Mann auf dem Platz und zum Frankfurter Matchwinner.

Umso drängender die Frage, warum Barkok nach guter Vorstellung gegen Bremen und nun herausragender Leistung gegen Stuttgart nicht auf Rechtsaußen Stamm spielt. Die rechte Schiene ist erwiesenermaßen die Problemposition der Hessen. Touré ist zu wechselhaft, Danny da Costa außen vor und Timothy Chandler allerhöchstens eine Ergänzung. Hütter sagte auf der Pressekonferenz vor der Partie, er sehe Barkok eher auf der Acht oder Zehn. Das sollte er dringend noch einmal überdenken.

5. Richtung? Welche Richtung?

Schon das Spiel gegen Werder Bremen wurde als richtungsweisend ausgerufen, nach dem Remis war das Spiel gegen die punktgleichen Tabellennachbarn aus Stuttgart erneut richtungsweisend. Und nun? Scheint die Richtung der Hessen klar: Es gibt keine. Nach drei Unentschieden und einer Niederlage aus den letzten vier Spielen tritt die Eintracht tabellarisch auf der Stelle, eine Saison im grauen Mittelmaß droht. Was umso bitterer ist, bedenkt man, was mit ein bisschen mehr Mut, Einstellung und Leidenschaft möglich wäre.