Eintracht Frankfurt bejubelt den Treffer von Sebastian Rode gegen Bremen.

Gegen Werder Bremen zeigt Eintracht Frankfurt eine starke Partie, scheitert aber an sich selbst. Hoffnung machen die neue Schaltzentrale und einer, der bislang höchstens Ergänzungsspieler war. Und dann wäre da noch der Trubel um Andreas Möller. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht PK
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Eintracht Frankfurt hat trotz drückender Überlegenheit nur 2:2 gegen Werder Bremen gespielt. Vor der Länderspielpause stehen die Hessen nun mit elf Punkten auf Platz neun.

1. Der Nebenkriegsschauplatz

Das Spiel hatte noch gar nicht begonnen, da war bereits Alarm im Frankfurter Stadtwald. Um das Stadion herum hatten Teile der Fans zahlreiche Anti-Andreas-Möller-Plakate aufgeklebt, in der Fankurve wurde ein Banner ausgerollt, das Möller als Verräter schmähte, stilsicher begleitet von Anti-Möller-Gesängen. Die Eintracht, sie scheint neben der Geschäftsstelle eine weitere neue Baustelle zu haben: die Besetzung der Leitung des Nachwuchsleistungszentrums mit dem ungeliebten verlorenen Sohn Möller.

Was ärgerlich ist, denn mit ein wenig mehr Diplomatie hätten alle Beteiligten dafür sorgen können, dass aus dem Thema erst gar keines wird. Die Fans, deren Ablehnung überzogen scheint. Fredi Bobic, der sich von Beginn an extrem unversöhnlich positionierte, anstatt die Personalie durch ein wenig Fingerspitzengefühl zu entschärfen. Und schließlich Möller, von dem man überhaupt noch gar nichts gehört hat. So scheinen die Fronten bereits vor Möllers Amtsantritt derart verhärtet, dass dem Verein ein unschöner, dauerhafter Nebenkriegsschauplatz droht. Profitieren wird davon niemand.

2. Die Chancenverwertung

Ebenfalls viel Alarm war während der 90 Minuten im Bremer Strafraum. Dumm nur, dass sich die Frankfurter Offensivkräfte an diesem Abend wahrscheinlich sogar schwer getan hätten, zuhause ihre Verwandten zu treffen. Daichi Kamada vergab gleich drei glänzende Chancen, Silva ließ zwei Kopfballgelegenheiten aus, auch Goncalo Paciencia zielte nicht genau genug. Am Ende standen 25 Torschüsse zu Buche, bereits zur Pause hätten die Hessen mit drei Toren führen müssen. Hätte, Wenn und Aber sind im Fußball aber die undankbarsten Mitspieler.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Rode: "Chancenverwertung war ein bisschen mangelhaft"

Sebastian Rode
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Teil des Problems sind auch die oft viel zu ungenauen Flanken. Unfassbare 36 Mal brachten die Frankfurter Außenspieler den Ball in die Mitte, der Ertrag: überschaubar. Vor allem bei Danny da Costa hat man oft das Gefühl, er prügele die Bälle einfach mit den besten Wünschen gen Sechzehner, und wenn der Ball dann im Seitenaus oder hinter dem Tor landet, dann ist das eben so. Nun hat die Eintracht dank Länderspielpause zwei Wochen Zeit, an den sogenannten Feinheiten zu arbeiten. Und wer weiß, vielleicht reicht die Zeit ja für eine Extraeinheit Flanken.

3. Touré wird zur Verstärkung

Bei derart vielen ins Nichts segelnden Flanken klingt es fast wie Ironie, dass ausgerechnet Almamy Touré mit der beste Spieler auf dem Platz war. Der Franzose, bislang eher einer aus der zweiten Reihe, hat sich in Abwesenheit von Kapitän David Abraham zum Stammspieler gemausert und zeigte gegen Werder sein bislang bestes Spiel für die Hessen.

In der Defensive präsentierte sich Touré aufmerksam und konsequent, in der Offensive setzte er immer wieder Akzente. Mehr noch: Mit elf Flanken war Touré sogar der gefährlichste Außenspieler der Eintracht, und das als nomineller Innenverteidiger. Zwar brachten auch seine Hereingaben letztlich zu wenig Ertrag, sie segelten aber immerhin sehr viel ambitionierter und mit weniger Streuung in den Strafraum als jene seiner Kollegen. Kopfballungeheuer Bas Dost, der mit muskulären Problemen fehlte, dürfte sich auf der Tribüne die Finger geleckt haben.

4. Die neue Herzkammer

"Wie mit einer Freundin", nannte Mittelfeldspieler Djibril Sow das Zusammenspiel mit seinem Partner im zentralen Mittelfeld, Sebastian Rode. "Am Anfang braucht es ein bisschen, aber dann lernt man sich kennen." Über das Kennenlernen scheinen die beiden nun hinaus, es wird ernst. Sow und Rode ergänzten sich gegen Werder in der Schaltzentrale bestens und dirigierten das Spiel gemeinsam, ohne an defensiver Ordnung einzubüßen.

Eine wichtige Erkenntnis für Adi Hütter, schließlich sind sich Sow und Rode vom Spielertyp her nicht unähnlich und es schien nicht ganz klar, ob sie miteinander können oder nicht doch jeweils einen Mann fürs Grobe wie Gelson Fernandes neben sich brauchen. Dass das nicht der Fall ist, eröffnet der Eintracht spielerisch ganz neue Möglichkeiten. Klare Sache: Rode und Sow, it's a match.

5. Die Richtung stimmt

Letzten Endes dürfte sich das Remis wie eine Niederlage anfühlen, denn wer gegen derart biedere Bremer in der 89. Minute führt und dann trotzdem noch den Ausgleich kassiert, muss sich an die eigene Nase fassen. So sah es auch Pechvogel Makoto Hasebe, der den späten Elfmeter für Werder verursachte. "Beim langen Ball vor dem 2:2 müssen wir besser verteidigen. Dann habe ich mich im Zweikampf verschätzt, das tut mir sehr leid für die Mannschaft."

Eine Mannschaft, die ansonsten viel richtig machte. Anders als in den letzten Spielen verschliefen die Hessen die Anfangsphase nicht, präsentierten sich engagiert, hellwach und spielerisch stark. Umso ärgerlicher, dass im "stärksten Spiel der Saison" (Hütter) nur ein Punkt heraussprang. In einer arg engen Liga haben die Hessen gegen Augsburg und nun gegen Bremen sehr, sehr unnötig Punkte liegen lassen. Die Wahrheit ist aber auch: Die Richtung der Hessen stimmt, viele Rädchen griffen gegen Bremen ineinander. Oder wie es Hütter ausdrückte: "Die Entwicklung des Teams gefällt mir."