Fanproteste per Ostereier
Aufräumarbeiten, nachdem die Eintracht-Fans aus Protest Ostereier aufs Feld warfen Bild © Imago Images

Montagsproteste, müde Hessen und schwächelnde Stürmer: Beim VfL Wolfsburg entführt Eintracht Frankfurt einen Punkt. Der ist entweder zu wenig – oder Gold wert. Eine Analyse in fünf Punkten.

Eintracht Frankfurt hat den Big Point im Kampf um die Königsklasse verpasst und in Wolfsburg 1:1 gespielt. Die Führung der Hessen durch den eingewechselten Jonathan de Guzman in der 78. Minute glich John Anthony Brooks in der 90. Minute aus.

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Die PK nach dem Eintracht-Spiel in Wolfsburg

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Montagsprotest

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Oli Mayer

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In einer spielerisch eher mauen ersten Hälfte war es den Eintracht-Fans vorbehalten, etwas Farbe ins Spiel zu bringen. Gemäß dem Motto "Montagsspiele gehen uns auf die Eier" warfen sie hunderte bunte Ostereier aufs Spielfeld, um erneut gegen die ungeliebte Anstoßzeit am Montagabend zu protestieren.

Nachdem die Ordner und einige Spieler den Platz von den Eiern gesäubert hatten, ging der Protest in einen Stimmungsboykott über, dem sich auch die Wolfsburger Fans anschlossen. Was eine gespenstische Stimmung im Stadion zur Folge hatte. "Man hat im Grunde eine Stecknadel fallen hören", sagte VfL-Trainer Bruno Labbadia nach dem Spiel. Böse Zungen könnten behaupten, dass das bei Wolfsburger Heimspielen ja öfter mal so sei. Dennoch hatte Labbadia Recht, als er sagte: "Es fehlte irgendwas." Er meinte damit die Stimmung von den Rängen, hätte aber genauso gut über die mangelnden Ideen auf beiden Seiten sprechen können.

Schwächelnde Büffel

Im Zuge des Eier-Fanprotests hatte auch Eintracht-Stürmer Luka Jovic seine beste Szene, als er ein paar erfreuten Kindern in der ersten Reihe ein paar Ostereier zuwarf. Ansonsten war vom Serben, wie schon am Donnerstag gegen Benfica Lissabon, nicht allzu viel zu sehen. Kaum Ballaktionen, kaum Torgefahr – es bleibt zu hoffen, dass Jovic einfach ein wenig müde und nicht auf dem Weg in eine veritable Formkrise ist.

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Eintracht-Keeper Kevin Trapp

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trapp: "Erst einmal überwiegt die Enttäuschung"

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Denn auch die anderen Büffel schwächeln aktuell. Sebastien Haller ist nach wie vor an der Bauchmuskulatur verletzt, wann der Franzose zurückkehrt, ist immer noch offen. Ante Rebic saß leicht angeschlagen vom Benifca-Spiel in Wolfsburg zunächst auf der Bank. Und Goncalo Paciencia vergab gleich drei gute Möglichkeiten in seiner Paradedisziplin, dem Kopfballspiel. Es wäre wünschenswert für die Hessen, wenn die Stürmer zeitnah zurück in die Spur und zu ihrer Sensationsform aus den letzten Monaten fänden. Ein paar Tore dürften nämlich noch benötigt werden, will  man den vierten Platz halten.

Entspannung in der Defensive

Immerhin entspannt sich die personelle Lage in anderen Mannschaftsteilen. Nach monatelanger Verletzungspause stand Lucas Torro wieder in der Anfangsformation und zeigte, dass man sich auf ihn verlassen kann. Auf der eher spärlich besetzten Frankfurter Sechser-Position kann das noch viel wert sein.

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Fan-Schalte

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Ebenso bestätigte Innenverteidiger Simon Falette seine starke Form. Falette war aufgrund diverser Ausfälle seiner Kollegen gegen Benfica in die Startelf gespült worden und machte seine Sache so ordentlich, dass er nun in Wolfsburg sogar den Vorzug vor Evan N’Dicka bekam. Und erneut eine solide Leistung ablieferte. Zumindest in der Defensive also kann Trainer Adi Hütter aus dem Vollen schöpfen.

Last-Minute-Schläfrigkeit

Allein: Auch Falette konnte das späte Gegentor nicht verhindern, viel eher machte der gesamte Frankfurter Defensivverbund beim 1:1-Ausgleich durch Anthony Brooks gemeinsame Sache.

Ante Rebic verlor den Ball, Filip Kostic ging nicht hinterher, Makoto Hasebe rückte zu früh raus, David Abraham entschied sich leichtfertig für die Grätsche gegen den durchgebrochenen Felix Klaus und in der Mitte war niemand mit Brooks mitgelaufen, obschon Brooks jetzt keiner ist, den man mal leicht übersehen kann. Eine Fehlerkette der Hessen, die den späten Ausgleich letztlich möglich machte – und möglicherweise der Müdigkeit nach dem "Mammutprogramm" (Adi Hütter) geschuldet war.

Punkt gewonnen oder zwei verloren?

Auch deswegen war die Stimmung bei den Hessen zwiegespalten. Ärger über den späten Ausgleich auf der einen, Freude über einen Punkt auf der anderen Seite, schließlich lieferten die Hessen über weite Strecken eine matte Vorstellung ab, ohne mit gänzlich leeren Händen nach Hause zu fahren. "Natürlich tut es weh, wenn man so kurz vor Schluss noch den Ausgleich kassiert", sagte Danny da Costa nach Abpfiff. "Aber über die gesamte Spieldauer gesehen, geht der Punkt schon in Ordnung. Der Punkt kann am Ende noch Gold wert sein."

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da costa

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found da Costa: "Körperlich noch auf einem guten Level"

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Ähnlich sah es Hütter: "Wir wären froh gewesen, wenn wir es über die Zeit gebracht hätten. Der Ausgleich war natürlich ärgerlich, aber absolut verdient." Und so waren es am Ende die Wolfsburger, die sich eher über den Punkt ärgerten als die Hessen: "Frankfurt war mausetot von dem Spiel am Donnerstag. Das hätten wir einfach gewinnen müssen", sagte Wolfsburgs Maximilian Arnold. Aber so ist das nunmal im Fußball: Totgesagte leben länger.