Kamada Ilsanker

Eintracht Frankfurt erkämpft sich zum Auftakt in die Topspiel-Wochen einen Punkt in Leipzig. Sorgen macht die Verletztenmisere, Hoffnung die Kratzen-Beißen-Spucken-Mentalität. Die Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Eintracht-Spiel in Leipzig

Adi Hütter
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Eintracht Frankfurt hat RB Leipzig am Sonntag einen Punkt abgeknöpft und 1:1 gespielt. Den Führungstreffer für die Leipziger erzielte Emil Forsberg (47. Minute). Daichi Kamada traf zum Ausgleich (61.).

1. Jetzt bitte keine Verletztenmisere

Der Spieltag ging nicht gut los für Eintracht Frankfurt. Mit Erik Durm (Zerrung des tiefen Hüftbeugers) und Martin Hinteregger (Oberschenkelprobleme) fehlten den Hessen gleich zwei Stammspieler gegen die Leipziger Energy-Drink-Außenstelle. Bitter ist das in beiden Fällen. Im Falle Hinteregger, weil er die Hessen als absoluter Abwehrchef durch die Saison führt. Im Falle von Durm, weil sich mit Almamy Touré bereits in der Vorwoche ein Rechtsaußen der Hessen verletzt hat – und den Hessen langsam aber sich die Optionen auf der Position ausgehen. Gegen Leipzig etwa versuchte sich Daichi Kamada auf Rechts, eine Notlösung.

Durm wird vermutlich zwei bis drei Wochen ausfallen, für Touré ist die Saison gelaufen. Und Hinteregger? "Wir wissen es noch nicht genau. Er hatte ein Ziehen im Oberschenkel und das war erstmal eine reine Vorsichtsmaßnahme. Wir machen morgen ein MRT", so Sportdirektor Bruno Hübner nach der Partie. Für alle, die es mit der Eintracht halten, heißt die Devise am Montag also: Daumen drücken.

2. Hinteregger oder Ilsanker? Hauptsache österreichischer Abwehrchef

Hintereggers Ausfall konnte einem vor der Partie Angst und Bange machen, schließlich suchen die Leipziger ihr Heil ausgesprochen oft durchs Zentrum, einen Hinti in Topform, der den Laden zusammenhält, kann man da gut gebrauchen. Eintracht-Trainer Hütter ersetzte Hinteregger nicht durch Makoto Hasebe, den er auf der Sechs beließ. Sondern durch Stefan Ilsanker.

Und der? Brauchte ein paar Minuten, um sich zu akklimatisieren, machte seine Sache dann aber äußerst souverän. Mehr noch: Die paar krachenden Grätschen, die er einstreute, dürfte man noch im sächsischen Umland gehört haben. Zudem war Ilse der schnellste Mann auf dem Platz – und das gegen die wieselflinken Sprinter von RB. Chapeau.

3. Wenig Fußball, viel Kampf

Ob sich seine Mitspieler ein Beispiel an Ilsankers knüppelharter Zweikampfführung nahmen, ist schwer zu sagen. Klar war aber: nach 15 schwierigen Minuten zu Beginn ackerte sich die Eintracht in die Partie. Das blieb spielerisch oft ein bisschen dünne, aber immerhin kämpferisch passte die Leistung. Der ein oder andere Leipziger wird den Montag auf der Massageliege verbringen, um sich die Hämatome behandeln zu lassen.

Und nur so geht es, zumal gegen Topteams der Liga. Denn bei aller feinen Klinge, die die Eintracht dank Younes, Kamada und Co. immer mal aufs Feld zaubert: Die Basis muss das Kämpferische sein, der Weg führt nur nach Europa, wenn gekratzt, gebissen, gespuckt und dann auch Fußball gespielt wird. Oder wie es Ilsanker ausdrückte: "Wir haben uns hohe Ziele gesteckt. Wenn wir weiter so kämpfen und ein bisschen besser Fußball spielen, erreichen wir sie auch."

4. Kamada kann’s gegen die Großen

Apropos Feine Klinge: Matchwinner, wenn es so etwas bei einem Unentschieden überhaupt gibt, war Eintrachts Kamada. Dabei wirkte Kamada lange glücklos und auf seiner ungewohnten Position oft ein wenig ratlos. Vor allem zu Beginn streute der Japaner diverse Fehlpässe und Ballverluste ein. Aber: Als es drauf ankam, war er da.

Sebastian Rode steckte schön auf André Silva durch, der Portugiese legte von der Grundlinie zurück und Kamada setzte den Ball halb artistisch, halb glücklich ins lange Eck. Das vierte Saisontor des Japaners, der vor allem gegen die Topteams weiß, wo die Kiste steht: Drei seiner vier Treffer erzielte er gegen Borussia Dortmund, Bayern München und nun RB Leipzig.

5. Die erste Hürde ist genommen

Und damit kann er gerne weitermachen. Denn nach der Niederlage von Bayer Leverkusen sind die Hessen zwar weiterhin dick im Geschäft um die internationalen Plätze. Vor allem im April wird das Programm aber knackig. So stehen nach dem Spiel gegen Union Berlin am kommenden Wochenende im April die Partien gegen Dortmund, Wolfsburg, Gladbach und Leverkusen an.

"Wir wissen, dass wir auf der Zielgerade die eine oder andere hohe Hürde besiegen müssen“, sagte Hütter vor dem Leipzig-Spiel. Die erste davon ist genommen, die Aussichten weiterhin gut. Neun Spieltage vor Schluss haben die Hessen alles selbst in der Hand. Oder im Falle von Kamada: Auf dem Fuß.

Weitere Informationen

RB Leipzig - Eintracht Frankfurt 1:1 (0:0)

Leipzig: Gulacsi - Mukiele, Upamecano (28.Klostermann) , Orban, Halstenberg - Haidara (86. Adams), Sabitzer - Kluivert (75. Olmo), Forsberg (86. Hwan), Sörloth - Poulsen (75. Nkunku)

Frankfurt: Trapp - Tuta, Ilsanker, N'Dicka - Hasebe, Rode - Kamada, Sow, Younes (72. Barkok), Kostic - Silva (72. Jovic)

Tore: 1:0 Forsberg (47.), 1:1 Kamada (61.)

Gelbe Karten: Kluivert, Trainer Nagelsmann/Tuta, Younes (jeweils 5./gesperrt), N'Dicka
Schiedsrichter: Zwayer (Berlin)

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Sendung: heimspiel! bundesliga, hr-fernsehen, 14.03.2021, 22.55 Uhr