Collage: de Guzmán, da Costa, Fernandes und Hütter
Jonathan de Guzmán, Danny da Costa, Gelson Fernandes und Adi Hütter (v. li.) Bild © imago/Collage: hessenschau.de

Eintracht Frankfurt kann zwar erneut nicht gewinnen, besteht dafür aber gegen Mönchengladbach gegen das nächste Top-Team der Bundesliga. Sorgen machen nicht die Leistung, sondern wachsende Personalprobleme. Eine Zusammenfassung in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt ist am 22. Spieltag der Fußball-Bundesliga vom fünften auf den siebten Tabellenplatz abgerutscht und hat damit die Europa-League-Ränge verlassen. Das 1:1 (1:0) gegen Borussia Mönchengladbach war in der Liga bereits das vierte Unentschieden in Folge. Danny da Costa hatte den Pokalsieger kurz vor der Pause in Führung gebracht (45. Spielminute), in der Schlussphase glich Denis Zakaria für die Gäste aus (82.).

52 Stunden reichen gerade so

52 Stunden – diesen Zeitraum hatte Frankfurts Trainer Adi Hütter nach der Rückkehr aus der Ukraine bis zum Anpfiff der Partie gegen die Borussia ausgemacht. Ein Zeitraum, in dem Dinge geschehen, für die normalerweise eine ganze Woche Zeit ist: Regeneration, Analyse, Vorbereitung. Weitere 90 Minuten später ist klar: 52 Stunden können dafür durchaus reichen – aber auch nur gerade so. Praktisch über die gesamte erste Halbzeit hinweg war sicht- und spürbar, dass es den Hessen nach dem 2:2 im Europa-League-Sechzehntelfinale bei Schachtar Donezk nur drei Tage zuvor an geistiger und körperlicher Frische fehlte.

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Probleme in der eigenen Spieleröffnung ermöglichten Gladbach immer wieder gute Umschaltmomente, die ein wuchtiges Offensivquartett um Zakaria, Patrick Herrmann, Lars Stindl und Thorgan Hazard zu guten Chancen brachte. Die besten vergaben Hazard per Flachschuss (8.) und Zakaria, der an einem starken Reflex von Frankfurts Torwart Kevin Trapp scheiterte (25.). Seine Vorderleute benötigten derweil den ersten Durchgang, um sich auf das Spiel der Gäste einzustellen und um selbst nach der Europapokal-Reise wieder auf dem Bundesliga-Rasen anzukommen.

Ein Tor zum Bierhol-Zeitpunkt

Zum psychologisch wichtigen Bierhol-Zeitpunkt kurz vor der Halbzeitpause, man muss es so sagen, stellte da Costa den Spielverlauf mit seinem Tor auf den Kopf. Während manch ein Fan seinen Platz bereits verlassen haben dürfte, um möglichst stressfrei für flüssigen Nachschub zu sorgen, sorgte der Defensivspieler in bester Stürmer-Manier sowie mit Wucht und Willen für die etwas überraschende Eintracht-Führung. Ein Treffer, der da Costa und Co. mit einem sichtlich gesteigerten Selbstvertrauen durch weite Phasen der zweiten 45 Minuten trug. Die Hessen kamen nun zu mehr Spielanteilen und Möglichkeiten.

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Stepanovic und Basler im heimspiel!

Ist Eintracht Frankfurt auf dem Weg zu einem Top-Team der Bundesliga? Darüber sprechen Trainerlegende Dragoslav Stepanovic und Ex-Nationalspieler Mario Basler am Montag ab 23.15 Uhr im heimspiel! des hr-fernsehens.

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Allen voran Filip Kostic kurbelte das Offensivspiel über die linke Seite an, hätte in der 55. Minute selbst auf 2:0 erhöhen können und erhielt zehn Minuten später für eine sehenswerte Seitenverlagerung lauten Szenenapplaus. Momente, die Martin Hinteregger zu einem Irrtum verleiteten: "Ich hatte nie das Gefühl, dass noch ein Tor fallen könnte", sagte der Neuzugang hinterher. Fiel es aber. Zakaria nutzte den Freiraum, zu dem ihn die Frankfurter Jonathan de Guzmán, Makoto Hasebe und da Costa in zentraler Position eingeladen hatten. Aus Beobachter-Sicht ein verdienter Ausgleich, weil die Borussia – auch nach den Erkenntnissen der ersten Halbzeit – immer für einen gefährlichen Angriff gut war. Aus hessischer Profi-Sicht ist der Spielverlauf aber auch "schon etwas bitter", wie da Costa zu Protokoll gab.

Leichte Rotation und ein Bundesliga-Debüt

Die Aufstellung vom Donezk-Spiel hatte Hütter noch mit einer "leichten Rotation" begründet – und gewählt, um am Sonntag erneut leicht rotieren und auf einen ausgeruhten Sébastien Haller zurückgreifen zu können. Ein Plan, der nur bedingt aufging. Ja: Gegen spielerisch starke Gladbacher war Haller wie schon so oft in dieser Saison Anspielstation bei langen Bällen nach vorne. Dort agierte er wahlweise als Vorlagengeber, wie bei seinem versuchten Zuspiel auf Mijat Gacinovic (29.), oder selbst als Chancenkreierer, wie bei seinem versuchten Kopfball acht Minuten später.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found da Costa: "Es ist nicht so, als hätten wir gegen Fallobst gespielt."

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Weil ihm aber beides nicht mit der gewohnten Durchschlagskraft gelang, kam Haller im hessenschau.de-Spielerzeugnis bis Montagmorgen auf eine Durchschnittsnote von nur 3,8. Kurz vor dem Abpfiff wurde der Franzose ausgewechselt – für Gonçalo Paciência, der nach seinem Wechsel im Sommer und einer langen Meniskusverletzung sein Bundesliga-Debüt feierte. "In der Bundesliga zu spielen ist ein gutes Gefühl, auf das ich lange gewartet habe – auch wenn es nicht viel Zeit war", sagte er hinterher. "Ich versuche, jeden Moment zu genießen."

Die Eichhörnchen-Taktik

2:2 in Bremen, 1:1 gegen Dortmund, 0:0 in Leipzig, 2:2 bei Schachtar Donezk, 1:1 gegen Gladbach – wettbewerbsübergreifend hat die Eintracht nun fünf Mal in Serie unentschieden gespielt. In der Liga bedeutet das, auch wegen der Ergebnisse der Konkurrenz, ein Abrutschen vom fünften auf den siebten Tabellenplatz. Unzufrieden ist in Frankfurt allerdings niemand so richtig, immerhin bot der Spielplan im Februar ausschließlich Duelle mit Top-Clubs.

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"Ich bin ein Trainer, der wahnsinnig gerne gewinnt", gab Hütter nach dem Borussia-Match zu. Er schob aber auch hinterher: "Wir sind momentan mit einer Eichhörnchen-Taktik unterwegs." Der Waldbewohner ernährt sich dem Volksmund zufolge bekanntermaßen zwar mühsam, verhungern muss er bisweilen aber nicht. Und wer weiß, ob die vier jüngsten Bundesliga-Punkte nicht vielleicht doch eine gute Grundlage sind. Ab Ende Februar jedenfalls warten auf Frankfurt mit Hannover, Düsseldorf, Nürnberg und Stuttgart vermeintlich einfachere Aufgaben.

Personal-Probleme zur Unzeit

Vorher steht allerdings das wichtige Europapokal-Rückspiel gegen Donezk an – und die Klärung einer ebenso elementaren Frage: Wer läuft am Donnerstag (18.55 Uhr) im defensiven Mittelfeld auf? Dortmund-Leihgabe Sebastian Rode fehlte am Sonntag wegen Wadenproblemen, und Coach Hütter deutete bereits an, dass es auch mit Blick auf die Schachtar-Partie eng werden könnte. Hinzu kommt der drohende Ausfall von Kapitän Gelson Fernandes.

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zum Video Hütter: "Muskuläre Probleme bei Rode und Fernandes"

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Der Schweizer musste gegen Gladbach nach 78 Minuten mit Schmerzen im rechten Oberschenkel ausgewechselt werden. "Ich muss sicher ein MRT machen", sagte er anschließend. "Ich bin kein Doktor, aber ich kenne meinen Körper und habe kein gutes Gefühl." In einer der bislang wichtigsten Wochen der gesamten Saison gibt es personell sicher bessere Voraussetzungen.

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Eintracht Frankfurt - Borussia Mönchengladbach 1:1 (1:0)

Frankfurt: Trapp - N'Dicka, Hasebe, Hinteregger - Kostic, Fernandes (77. Willems), De Guzmán, Da Costa - Gacinovic  - Haller (89. Paciencia), Rebic (84. Jovic)  

Gladbach: Sommer - Johnson, Ginter, Elvedi, Wendt - Neuhaus (67. Drmic), Kramer (77. Strobl), Zakaria - Hazard, Stindl, Herrmann (68. Plea)

Tore: 1:0 Da Costa (45.), 1:1 Zakaria (82.)

Gelbe Karten: Hasebe, De Guzmán, Gacinovic / Kramer

Schiedsrichter: Aytekin (Oberasbach)
Zuschauer: 51.500 (ausverkauft)

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