Timothy Chandler jubelt über sein Last-Minute-Tor

Eintracht Frankfurt holt einen glücklichen Punkt in Düsseldorf. Die Leistung und das Offensivspiel bereiten aber trotz des geglückten Rückrundenstarts Grund zur Sorge. Die Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Eintracht-Spiel in Düsseldorf

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Die Frankfurter Eintracht hat beim Tabellenletzten Fortuna Düsseldorf einen späten Punkt geholt. Kaan Ayhan hatte die Gastgeber beim 1:1 (0:0) in der 78. Minute in Führung gebracht. Den Ausgleich erzielte Timothy Chandler (90.+3).

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht Frankfurt am Tag nach dem 1:1 in Düsseldorf

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1. Spätes Frankfurter VAR-Glück

Man kann ja vom Videobeweis halten, was man will. Aber am Samstagnachmittag war der Videoschiedsrichter quasi Eintracht Frankfurts bester Mann. Zunächst nahm Schiri Frank Willenborg nach Kontakt aus Köln das vermeintliche 1:0 der Fortunen durch Nana Ampomah zurück, der beim Pass von Valon Berisha allenfalls mit den Haarspitzen im Abseits gestanden hatte.

Wichtiger noch dann das Eingreifen des VAR in der 93. Minute. Ein letzter Freistoß der Eintracht segelte erst zu Andre Silva, dessen Hereingabe Timothy Chandler fand, der abstaubte und sogleich protestierend zum Linienrichter lief, der auf Abseits entschieden hatte. Eine Fehlentscheidung, die der Videoschiri korrigierte. Und damit für Frankfurter Jubel über einen Last-Minute-Punkt sorgte.

2. Eine unterirdische Leistung

Verdient war der späte Ausgleich, so ehrlich muss man sein, absolut nicht. Denn was die Hessen über 90 Minuten beim Tabellenletzten aus Düsseldorf anboten, grenzte teilweise an Arbeitsverweigerung. Selten hat man in den letzten Jahren eine derart ideenlose, blutleere Frankfurter Mannschaft gesehen. Kein Spielwitz, keine Leidenschaft, kein Dagegenhalten, die Körpersprache eines Knabenchores: Bei Fortuna Düsselorf, ihrerseits eine der biedersten Mannschaften der Liga und vor dem Remis nicht umsonst Tabellenletzter, muss man es erst einmal schaffen, so harmlos zu sein.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trapp: "Das war zu wenig"

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"Hut ab vor Düsseldorf, dass sie in ihrer Situation so einen Fußball spielen. Man hätte fast meinen können, dass die Situation umgekehrt ist – dass wir Letzter sind", sagte ein sichtlich angefressener Kevin Trapp nach dem Spiel. Und traf damit den Nagel auf den Kopf. "Unsere Körpersprache und das Auftreten war einfach zu wenig. Wir dürfen so nicht auftreten."

3. Das Offensivspiel lahmt

Vor allem die offensive Ideenlosigkeit gibt Anlass zur Sorge. Zahllose Fehlpässe, lange Bälle ins Nichts, eine unsichtbare Kreativzentrale: Gegen die Fortuna war das Offensivspiel der Hessen ein echtes Lehrstück dafür, wie man es nicht macht. Das gilt für den zu Recht zur Pause ausgetauschten, völlig körperlos spielenden Daichi Kamada. Vor allem aber für die rechte Außenbahn, auf der sich offensiv wahlweise Timothy Chandler oder Danny Da Costa abmühten.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Frankfurter Last-Second-Remis in Düsseldorf

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Beide sind ausgebildete Defensivspieler, was man auf dem Platz leider merkt. Da Costa und Chandler schlugen je eine Flanke, im Vergleich zu den sieben des ebenfalls eher blassen Filip Kostic. Was noch schwerer wiegt: Man hatte zu keiner Zeit das Gefühl, dass die Aushilfs-Rechtsaußen wirklich wissen, was sie zu tun haben oder von den Mitspielern gesucht werden. So war die rechte offensive Außenbahn der Hessen am Samstag ein einziges Vakuum. Kurios, dass es dann ausgerechnet Chandler war, der in der 93. Minute zum Ausgleich abstaubte. Sein bereits zweiter Rückrundentreffer, der allerdings nicht darüber hinwegtäuschen sollte, dass Chandler auf Rechtsaußen ansonsten überfordert wirkt.

4. Warum wurde kein Rechtaußen verpflichtet?

Umso unverständlicher das Agieren der Frankfurter Verantwortlichen auf dem Transfermarkt. Spätestens seit der im Trainingslager eingebübten Systemumstellung war klar, dass dem Kader ein gelernter Rechtsaußen fehlt. Warum Fredi Bobic und Co. mit Stefan Ilsanker lieber einen Sechser holten, wird ihr Geheimnis bleiben.

Nun fehlt den Hessen auf einer entscheidenden Position schlichtweg das Personal. Und was passiert eigentlich, wenn sich Kostic mal verletzten oder gesperrt fehlen sollte? Wird dann die linke Seite ebenso notdürftig geflickt? In Düsseldorf brachte Hütter als letzte offensive Option Erik Durm ins Spiel. Ein gelernter Linksverteidiger, der in der Jugend mal Stürmer war. Na dann.

5. Trotz der Leistung: Eintracht startet Mini-Serie

Und doch: Was letztlich zählt, ist die Tabelle. Und da stehen die Hessen nach sieben Punkten aus drei Spielen auf Platz zehn und haben den Abstand auf den Relegationsrang auf acht Punkte ausgebaut. Ein mehr als ordentlicher Rückrundenauftakt, auch wenn er sich nach der  Nicht-Leistung in Düsseldorf aktuell vielleicht nicht so anfühlt.

Bleibt zu hoffen, dass sich Trapps Worte nach dem Spiel bewahrheiten. "Es wird immer solche Tage geben. Aber wir müssen kapieren, dass das von unserer Seite zu wenig war. Das Gute ist, dass wir am Dienstag das nächste Spiel haben und das hier schnell vergessen können."