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Auch Eintracht-Stürmer Luka Jovic konnte in Leipzig keine Akzente setzen. Bild © Imago

Eintracht Frankfurt hat RB Leipzig einen Punkt abgetrotzt. Dabei fehlte der Hütter-Elf ein Plan B und die Durchschlagskraft der Abteilung Offensive. Eine Analyse in fünf Punkten.

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Die Frankfurter Eintracht hat RB Leipzig einen Punkt abgerungen und steht weiter auf Rang fünf. Dabei spielten sich die Leipziger vor allen in der zweiten Halbzeit eine Vielzahl von Chancen heraus, gingen damit aber nur allzu fahrlässig um.

Kein Plan B

Eigentlich hatte die Frankfurter Eintracht gegen RB Leipzig einen Plan – eigentlich. "Natürlich haben wir zu viele lange Bälle gespielt, aber wir wollten Leipzigs erste Pressinglinie überspielen", sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter. Einzig, der Plan ging nicht auf. Denn jene langen Bälle erwiesen sich gegen das Team von Trainer Ralf Rangnick nicht als Mittel der Wahl. So lieferte sich die Eintracht nur in der Anfangsphase einen Kampf auf Augenhöhe mit RB, tat sich dann aber zusehends schwer.

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Frankfurter Torchancen waren nicht einmal Mangelware. Bis zur 88. Minute und der Möglichkeit von Mijat Gacinovic gab es sie schlicht nicht. Genau wie einen taktischen Plan B. Während Leipzig nach dem Seitenwechsel noch stärker und mit mehr Zug zum Tor aus der Kabine kam, ließ sich die Eintracht tief in die eigene Hälfte drängen, beschränkte sich zusehends auf die Defensivarbeit und setzte weiterhin auf lange Bälle.

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Die Defensive der Eintracht hatte alle Hände voll zu tun. Bild © Imago

Klarer Sieger bei Bullen vs. Büffel

Dabei hatte der Blick auf die Startformation der Frankfurter erneut ein Offensiv-Spektakel versprochen. Denn mit Ante Rebic, Luka Jovic und Sébastien Haller setzte Trainer Hütter auf jene drei Stürmer, die 32 der 40 Frankfurter Tore erzielten und die Gegner als Büffelherde zuletzt reihenweise das Fürchten lehrten. Davon aber war gegen Leipzig nichts zu sehen. Mit einer Dreierkette gelang es RB, die Eintracht-Offensive komplett auszuschalten. Die Büffelherde biss sich an den Bullen die Zähne aus – und haderte mit der eigenen schwachen Leistung.  Vor allem Rebic blieb blass und ließ all jene Qualitäten vermissen, mit denen er sonst den Unterschied macht.

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Sinnbildlich dafür die Auswechslung von Rebic in der 77. Minute: "Er war sehr unzufrieden mit sich selbst", verriet Hütter. Damit war der kroatische Nationalspieler nicht allein. "Mir hat es nicht gefallen, wie die drei gearbeitet haben. Sie haben zu einfach die Bälle verloren, deshalb sind wir oft unter Druck geraten."

Hinteregger als Erfolgsgarant

Stark präsentierte sich dagegen Winter-Neuzugang Martin Hinteregger. Während der Österreicher beim 1:1 gegen Borussia Dortmund in der vergangenen Woche noch Anpassungsschwierigkeiten zu haben schien, nicht nur beim Führungstreffer der Gäste ungeschickt agierte, sich aber in die Partie kämpfte, strahlte er in Leipzig deutlich mehr Sicherheit aus. Gleich drei Mal verhinderte Hinteregger die Leipziger Führung (16., 19., 39.), legte fast zehn Kilometer zurück und entscheid 61 Prozent der Zweikämpfe für sich.

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Hasebe und Hinteregger als Rückhalt in der Defensive Bild © Imago

Doch nicht nur der Blick auf die Zahlen bestätigt den starken Auftritt des Österreichers, der gemeinsam mit Makoto Hasebe ein starkes Defensiv-Duo bildete. Auch von Coach Hütter gab es ein Sonderlob: "Martin Hinteregger war heute sehr stark. Makoto ist ein Klasse-Spieler und ein Top-Profi." Auf beide wartet mit Borussia Mönchengladbach in der kommenden Woche der drittbeste Sturm der Liga und damit die nächste Herausforderung.

Glück im Unglück

Nicht nur der kompromisslosen Defensivarbeit des Duos Hinteregger-Hasebe hat die Eintracht den Punkt in Leipzig zu verdanken. Auch die mangelnde Chancenverwertung der Gastgeber – oder vielleicht sogar die fehlende Kaltschnäuzigkeit – haben beim torlosen Unentschieden eine entscheidende Rolle gespielt. Willi Orbans Hackenschuss wurde von Gelson Fernandes von der Linie gekratzt (61.), Timo Werners Kopfball verfehlte nur um Zentimeter das Tor (61.) und Marcel Sabitzers Fernschuss landete am Pfosten (67.).

Für RB-Coach Rangnick fühlte sich das Remis auch deshalb eher "mau" an: "Wir hatten mehr klare Chancen als der Gegner und sicherlich auch ein bisschen Pech. Deshalb habe ich gemischte Gefühle." Über mangelndes Spielglück beschwerten sich die Frankfurter indes nicht – im Gegenteil. "Wir haben das nötige Glück gehabt", betonte Keeper Kevin Trapp.

Eine Frage der Perspektive

Und so war der Punkt, mit dem die Eintracht sich immerhin Tabellenplatz fünf sichern konnte, am Ende vor allem eine Frage der Perspektive. Während die Leipziger mit dem Remis haderten, herrschte bei den Frankfurtern nach Abpfiff beinahe so etwas wie Erleichterung darüber, dass man eingedenk der vielen Leipziger Torchancen ohne Gegentreffer und mit einem Punkt davongekommen ist. "Wir sind froh, dass wir hier einen Punkt mitgenommen haben. Damit kann man in Leipzig leben", sagte etwa Sebastian Rode. Bei Mitspieler Gelson Fernandes klang das so: "Wir können mit dem Punkt leben, es war glücklich, aber ein Punkt."

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Er kennt die französischen Teams bestens: Eintracht-Torhüter Kevin Trapp.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trapp: "Hatten das nötige Glück"

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Ganz anders hatte das noch in der vergangenen Woche beim Remis gegen Borussia Dortmund geklungen. Da herrschte angesichts eines "richtig tollen Bundesligaspiels" (Hütter), das "ganz viel Spaß" gemacht hat (Rode) beinahe so etwas wie Euphorie und das Gefühl, das mit ein wenig Glück in einer turbulenten Schlussphase doch noch etwas mehr drin gewesen wäre. Nicht so in Leipzig – von der Partie werden Fans und Verantwortliche ihren Enkeln wohl eher nicht erzählen.

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RB Leipzig - Eintracht Frankfurt 0:0

Leipzig: Gulacsi - Klostermann, Mukiele, Orban, Halstenberg - Ilsanker, Demme - Sabitzer (90. Adams), Laimer (67. Forsberg) - Poulsen, Werner (85. Cunha)              
Frankfurt: Trapp - Hinteregger, Hasebe, N'dicka - Fernandes - da Costa, Rode (59. Gacinovic), Kostic - Rebic (77. Willems) - Haller, Jovic                 

Tore: Fehlanzeige
Gelbe Karten: Orban, Ilsanker, Sabitzer, Laimer - Fernandes, Willems  

Schiedsrichter: Winkmann (Kerken)
Zuschauer: 38.330

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