Kamada

Eintracht Frankfurt hadert nach dem Remis in Augsburg mit den vergebenen Matchbällen. Jesper Linström dürfte schlecht geschlafen haben, Filip Kostic bleibt einfach unersetzlich. Die Analyse in fünf Punkten.

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Highlights: Augsburg - Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurt hat beim FC Augsburg 1:1-Unentschieden gespielt. Daichi Kamada hatte die Hessen nach Borré-Pass in der 22. Minute technisch hochwertig in Führung gebracht. Im Anschluss verloren die Hessen aber vermehrt den Faden, Michael Gregoritsch traf für den FCA zum Ausgleich (38.).

1. No Kostic, no Party

Es bleibt dabei: Ohne Filip Kostic ist die Eintracht-Offensive nur die Hälfte wert. Der Serbe fiel in Augsburg wegen eines grenzwertig positiven Coronatests aus, in Ermangelung echter Offensiv-Alternativen (Jens Petter Hauge und Christopher Lenz fehlten nach wie vor verletzt), zog Eintracht-Coach Oliver Glasner Timmy Chandler von der rechten auf die linke Seite, auf rechts übernahm Almamy Touré.

Chandler mühte sich, sagte im Fieldinterview nach dem Spiel aber selbst: "Ich spiele die Position so, wie ich sie spiele. Ich bin kein Filip Kostic." Dabei gab es durchaus ein, zwei gute Hereingaben von Chandler, ansonsten aber viel fußballerisches Graubrot. Er ist eben, ganz richtig, kein Kostic. Mit dem hätte die Eintracht deutlich mehr Durchschlagskraft gehabt und, keine sonderlich gewagte These, den Sack früher oder später zugemacht. Und vielleicht wäre es nicht die schlechteste Idee, noch im Winter einen vielseitigen offensiven Außenspieler zu holen, der die seit Ewigkeiten verwaiste Rechtsaußenposition beleben sowie Kostic ersetzen kann, sollte dieser erneut einmal ausfallen.

2. Ramaj mit 50/50-Debüt

Ebenfalls nicht dabei war Stammkeeper Kevin Trapp, vertreten wurde er von Diant Ramaj. Nicht die einfachste Aufgabe für den erst 20-Jährigen, der ebenfalls grenzwertig positiv auf das Coronavirus getestete Trapp befindet sich schließlich seit Wochen in bestechender Form. Zumal es Ramajs erster Einsatz im Herrenfußball überhaupt war, das letzte Pflichtspiel auf Vereinsebene bestritt er im März 2020 – für die U19 des FC Heidenheim.

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Die komplette Eintracht-PK nach dem Augsburg-Spiel

Oliver Glasner
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Ramaj erlebte bei seinem Debüt gleich die ganze Palette. In der 38. Minute machte er die kurze Ecke auf, was Gregoritsch den Treffer zum 1:1 ermöglichte. Klassischer Fall von Lehrgeld. In der 92. Minute aber wurde der deutsche U20-Nationalkeeper zum Helden, als er gegen den völlig blanken Florian Niederlechner parierte und damit den Punkt festhielt. Dazwischen gab es viel vom kleinen Bundesliga-Einmaleins, ein paar hohe Bälle, ein paar Torschüsse, viele gute Abschläge. Und anschließend Lob von allen Seiten. "Diant hat ein hervorragendes Spiel gemacht", sagte Kapitän Sebastian Rode. "Man sieht im Training, was er für ein Talent ist. Er hat sich die gute Leistung heute verdient."

3. Lindström und die Nerven

Verdient wäre auch ein Sieg der Eintracht gewesen, dass es nicht so kam, lag auch an Jesper Lindström. Der machte an sich ein gutes Spiel, ist schnell, agil, hat technisch einiges drauf. Er war es aber auch, der den Lucky Punch verpasste. Kurz vor der Pause setzte Lindström den Ball (nach Sensations-Pass von Djibril Sow) frei vor FCA-Keeper Rafal Gikiewicz an den Pfosten. In der 88. Minute scheiterte der Däne erneut an Gikiewicz, als er frei auf ihn zulief. Zwei Szenen, die beim Dänen für eine unruhige Nacht gesorgt haben dürften.

Schon gegen Dortmund hatte Lindström die Chance aufs 3:0 liegenlassen, das mit ziemlicher Sicherheit drei Punkte gegen den BVB bedeutet hätte. Nun also der nächste vergebene Matchball. "Die Situationen, in denen wir das Spiel zu unseren Gunsten hätten entscheiden können, machen wir aktuell nicht. In der zweiten Halbzeit hatten wir viele im Ansatz gute Situationen und hatten noch den Matchball", haderte Glasner nach der Partie. Einen Vorwurf macht Lindström niemand, er zeigt auch so, dass er ein sehr guter Fußballer ist und ein noch besserer werden wird. Allzu viele Chancen dieser Güteklasse sollte der 21-Jährige aber nicht liegenlassen.

4. Eintracht verliert zu oft den Faden

"Es sind aktuell Kleinigkeiten", sagte Glasner nach der Partie und hatte damit Recht. Die Chancenverwertung ist dabei die eine Sache, eine andere aber, dass die Hessen immer wieder mal mitten im Spiel den Faden verlieren. Schon gegen Dortmund wurde die Eintracht urplötzlich unerklärlich passiv und verschenkte den Sieg. Gegen Augsburg sah das in der Viertelstunde vor der Halbzeitpause ganz ähnlich aus.

Bis dahin hatte die Eintracht Spiel und Gegner im Griff, ein zweites Tor der Eintracht schien wesentlich wahrscheinlicher als der Ausgleich des FCA. Dann aber ließen die Hessen den FCA ohne Not zurück ins Spiel kommen, der bedankte sich mit dem Ausgleich. "Wir machen uns das Spiel selber schwer, bekommen ein einfaches 1:1. Danach war die Kontrolle über das Spiel verloren, mit Videobeweis und dem Ganzen, da war das Spiel ein bisschen durcheinander", sagte Chandler nach der Partie. Wer oben angreifen will, der sollte die Kontrolle über ein solches Spiel, zumal mit Führung im Rücken, aber dringend behalten.

5. Wo geht die Reise hin?

Apropos oben angreifen: Wohin führt denn nun die Reise der Eintracht in der Rückrunde 2021/22? Mitunter hat man das Gefühl, dass zwischen der Eintracht als Champions-League-Anwärter und der Eintracht als Mittelfeldmannschaft nur ein paar Wimpernschläge liegen. Hätte die Eintracht gegen Dortmund und Augsburg gewonnen, was absolut möglich gewesen wäre, wäre sie nun mit 33 Punkten Tabellendritter anstatt Tabellenachter. Hätte, wäre, wenn.

Die gute Nachricht: Bis auf Platz vier sind es dennoch nur vier Punkte, mit Freiburg, Union und Hoffenheim stehen auch nicht ausschließlich Übermannschaften vor den Frankfurtern. Die spielerische Entwicklung stimmt, die Mannschaft hat im Vergleich zum grauen Herbst einen ordentlichen Schritt gemacht. Jetzt noch ein wenig mehr Konstanz und Entschlossenheit, und die Mannschaft kann die Worte von Sportvorstand Markus Krösche mit Leben füllen. Der sagte am Wochenende: "Wir werden alles für den Europacup tun". Na dann, los!