Jubel Eintracht Frankfurt 1860 München

Eintracht Frankfurt zittert sich bei 1860 München in die zweite Pokalrunde. Dabei können sich die Hessen auf ihr Sturmduo verlassen, machen aber mit einer unliebsamen Tradition weiter. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt hat im Pokal beim TSV 1860 München mit 2:1 gewonnen und ist eine Runde weiter. Die Tore für die Hessen schossen André Silva (51.) und Bas Dost (56.). Den Anschlusstreffer für 1860 erzielte Phillipp Steinhart per Foulelfmeter (79.).

1. Zwei Halbzeiten, zwei Gesichter

Die Eintracht ist ja ein großer Traditionsverein, in diesem Sinne knüpfen die Hessen in der neuen Saison aber offenbar an eine unliebsame Tradition aus der letzten Spielzeit an: die zwei unterschiedlichen Halbzeiten. Insbesondere in den ersten 15 Minuten trat die Eintracht überaus fahrig und unkonzentriert auf und ließ den Underdog so unnötigerweise ins Spiel kommen. Die gröbsten Fehler waren zwar rasch abgestellt, doch die erste Halbzeit war dennoch kein Ruhmesblatt.

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In der zweiten Halbzeit kamen die Frankfurter zunächst wie verwandelt aus der Kabine und erledigten den Job innerhalb weniger Minuten mittels eines Doppelschlags von André Silva und Bas Dost. Bereits in der letzten Spielzeit war es oft so, dass sich gute mit schlechten Halbzeiten abwechselten. Etwas mehr Konstanz über 90 Minuten wäre wünschenswert, schließlich ist nicht jede Tradition erhaltenswert.

2. Steht das Sturmduo?

Apropos: Zumindest in der Sturm-und-Drang-Phase nach der Pause konnte man erahnen, dass das Sturmduo Silva/Dost durchaus gut harmoniert. Zwar kickten beide auch letzte Saison bereits gemeinsam, insgesamt war aber vor allem Dosts Saison zu sehr von allerlei Zipperlein geprägt. "Das Problem war, dass jeder von uns immer mal wieder mit Verletzungen oder Krankheiten ausgefallen ist", so Dost. "Aktuell sind wir gut drauf, wie wir heute bewiesen haben. Wir können zwar noch mehr zeigen, nichtsdestotrotz hat es Spaß gemacht."

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Je einen Treffer nach Vorlage des anderen erzielten Silva und Dost ("Ich will jetzt mal richtig Gas geben"), derweil der dritte gestandene Stürmer im Kader, Goncalo Paciencia, 90 Minuten auf der Bank schmorte. Ein Fingerzeig für die Bundesliga?

3. Holpriger Start für die Neuzugänge

In Corona-Zeiten hat sich die Eintracht ja ohnehin auf dem Transfermarkt zurückgehalten, mit Steven Zuber und Ragnar Ache kamen bislang lediglich zwei neue Kicker an den Main. Und beide erwischten keinen sonderlich guten Start in die Pflichtspielsaison. Ache, einer der Gewinner der Vorbereitung, weil er wegen Rückenproblemen erst gar nicht im Kader stand. Und Zuber, weil er sich auf Linksaußen schwer tat, den gesperrten Filip Kostic adäquat zu ersetzen.

Zugegeben: Es gibt dankbarere Jobs, als den fulminanten Kostic zu ersetzen. Und ja, Zuber ist noch nicht lange Teil des Teams. Dennoch wirkte der Schweizer vor allem in der Offensive gehemmt und entschied sich zu oft für den Quer- oder Rückpass, als mal mit Power zur Grundlinie zu ziehen. Versuchte er es doch mal, blieb er meist hängen. Da darf in Zukunft gerne mehr kommen.

4. Heidenheim calling

Erinnert sich noch jemand an das Pokalspiel der Eintracht beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim vor zwei Jahren? Nein? Also: fahriger Auftritt der Hessen, ein top-motivierter Underdog, Verlängerung, am Ende ein glücklicher 2:1-Sieg für die Eintracht. Interessiert zwei Jahre später eben niemanden mehr, weil die Eintracht wenige Monate später den Pokal holte.

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Will sagen: Pokalspiele gegen Underdogs können mitunter eine zähe Angelegenheit sein, die man als Bundesligist manchmal einfach über die Bühne bringen muss. Getreu dem Motto: Hauptsache weiter. Weswegen das Spiel gegen 1860 für Fredi Bobic auch nicht als Gradmesser für die Bundesliga taugt: "Ich bin so lang dabei. Als Bundesligamannschaft hoffst du einfach nur, dass du weiterkommst, weil du nie genau weißt, wo du stehst." Zumindest das wäre geklärt: in der zweiten Pokalrunde.

5. Jetzt geht’s los

Und jetzt? Geht's rund. Zumindest soweit es die vermaledeite Pandemie zulässt. 6.500 Fans werden am kommenden Samstag im Frankfurter Stadion sein, für Bobic ein Schritt zurück zur Normalität. "Wir haben bei Ajax Amsterdam vor 6.000 Fans gespielt. Es war eine tolle Erfahrung", so Bobic. "Es ist einfach angenehm, Menschen zu sehen und Emotionen von draußen zu hören. Jetzt spielen wir vor unseren Fans, da freuen wir uns riesig drauf. Für die Jungs ist das eine Riesensache."