Eintracht-Spieler Kevin-Prince Boateng
Der Pokal-Sieg wird für immer mit Kevin-Prince Boateng verbunden sein. Bild © picture-alliance/dpa

Mit dem bevorstehenden Abschied von Kevin-Prince Boateng endet in Frankfurt eine kurze, aber prägende Ära. Die Bruda-Gang ist Geschichte, die Eintracht muss sich neu erfinden.

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Kevin-Prince Boateng hat nur ein Jahr gebraucht, um in Frankfurt Bilder für die Ewigkeit zu schaffen. Keines war so ikonenhaft wie jenes vom 20. Mai. Auf dem Römerbalkon, den DFB-Pokal vor sich, das Mikrofon in der Hand und Ante Rebic im Arm, stand Boateng vor tausenden glückstrunkenen Fans. Und dann zitierte er Rebics Satz vor dem Pokalfinale, der sofort legendär wurde: "Bruda, schlag den Ball lang!"

Schon der fünfte prominente Abgang

So wie zuvor Dragoslav Stepanovics "Lebbe geht weider" in den 90ern wird auch dieser Satz eine Generation von Eintracht-Fans prägen. Er steht symbolhaft für eine Frankfurter Fußball-Ära, auch wenn diese nach nur einem Jahr endet. Denn spätestens seit Sportdirektor Bruno Hübner am Dienstagvormittag die Wechselabsichten Boatengs zum italienischen Club US Sassuolo bestätigte, ist klar: Das Team, das mit dem Pokalsieg den ersten Eintracht-Titel seit 30 Jahren holte, bricht endgültig auseinander. Die Frankfurter Bruda-Gang ist Geschichte.

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Mit Trainer Niko Kovac (München), Keeper Lukas Hradecky (Leverkusen), Flügelflitzer Marius Wolf (Dortmund) und Mittelfeldstratege Omar Mascarell (Schalke) waren schon in den vergangenen Wochen vier Eckpfeiler der Frankfurter Überraschungsmannschaft dem Ruf größerer Clubs (und deutlich höherer Gehälter) gefolgt. Doch mit Boateng geht nun das Herzstück des Teams, der unbestrittene Leader.

Wie ein Rudel Wölfe

In ihren besten Phasen spielte die Eintracht im vergangenen Jahr wie ein Rudel hungriger Wölfe: Angsteinflößend, auf jede Schwachstelle lauernd und vor allem bissig. Das war häufig nicht schön, aber es hatte Stil. Boateng war – um in diesem Bild zu bleiben – der Leitwolf. Er gab den Takt vor, er war immer zur Stelle, wenn der Gegner die Oberhand gewann – und intern biss er jeden Schlendrian nieder, der nach Erfolgen aufzukommen drohte.

Es gibt diese Bild des 31-Jährigen aus dem Spiel gegen Hamburg im Dezember, das stellvertretend für seine Rolle auf dem Platz steht. Gleich zwei HSV-Profis liegen auf dem Boden, während der Eintracht-Star über ihnen thront. Es wirkt, als wären die beiden von Boateng abgeprallt wie von einem Wrestler in einem abgesprochenen Kampf. Doch im Gegensatz zum Schau-Catchen ist bei Boateng alles echt.

Eintracht-Profi Boateng stößt zwei Hamburger Spieler nieder.
Angerannt (l.) und abgeprallt - Boateng ist im Spiel gegen Hamburg der Endgegner. Bild © picture-alliance/dpa (Archiv)

Bruda Boateng

Der einstige Bad Boy war schon in den vergangenen Jahren gereift, in Frankfurt wurde er dann zum großen Bruda – auch deshalb passte der Spruch vom Römerberg so gut. Er stoppte Trainer Kovac, wenn der in seinem Perfektionismus übers Ziel hinausschoss, er lenkte und leitete Shootingstar Wolf – und er wich auch außerhalb des Feldes den schwierigen Fragen nicht aus. Mit seiner klaren Haltung gegen Rassismus wurde er zum idealen Vorkämpfer der Multikulti-Stadt Frankfurt und zu einem der Gesichter der Anti-Diskriminierungskampagne der Deutschen Fußball Liga.

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Wenn es Boateng aus familiären Gründen zurück nach Italien und damit näher zu seiner Familie in Mailand zieht, wird all das fehlen - und es wird Folgen haben. Dass Kroatien-Star Ante Rebic den Club angesichts der Abgänge und der zu erwartenden Offerten von Top-Clubs ebenfalls verlassen könnte, ist keine steile These. Als Korsettstangen bleiben dann nur noch die Defensiv-Routiniers David Abraham und Makoto Hasebe, die Außenverteidiger Timothy Chandler und Danny da Costa sowie der talentierte Sturm mit Sébastien Haller und Luka Jovic.

Hütter muss die Eintracht neu erfinden

Für den neuen Eintracht-Trainer Adi Hütter ist das ein harter Schlag, aber es ist auch eine Chance, die Frankfurter nach seinem Bild zu prägen. Der Österreicher steht für einen deutlich offensiveren Spielstil als Kovac, mit den dank Pokal-Sieg und Transfererlösen gestiegenen finanziellen Möglichkeiten sind auch namhafte Neuzugänge möglich. Die Eintracht wird sich neu erfinden müssen. Doch die Bruda-Gang um Kevin-Prince Boateng wird in Frankfurt in Erinnerung bleiben.

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