Eintracht-Profi Kohr

Beim Europa-League-Aus in Basel geht für Eintracht Frankfurt eine laaaaaaange Saison zu Ende. Verloren wurde das Duell allerdings bereits im März. Die Analyse in fünf Punkten.

Videobeitrag

Video

zum Video Eintracht scheidet aus Europa League aus

eintrachtbasel
Ende des Videobeitrags

Eintracht Frankfurts Ritt durch Europa ist zu Ende. Im Rückspiel in Basel verloren die Hessen mit 0:1, obwohl sie lange die bessere Mannschaft waren. Das Tor des Tages erzielte Fabian Frei (88.), der die schwindenden Kräfte der Frankfurter kurz vor Ende ausnutzte.

1. Im März liegt der Hund begraben

"Eintracht Frankfurt kann aussichtslose Situationen immer drehen", gab sich Vorstand Axel Hellmann vor dem Spiel noch zuversichtlich. Allein, das 0:3 aus dem Hinspiel erwies sich in diesem Falle als eine zu große Hypothek. Zumal ein frühes Tor der Hessen, das die Basler in Bedrängnis hätte bringen können, partout nicht fallen wollte. "Wir sind nicht heute, sondern in Frankfurt ausgeschieden", sagte Sport-Vorstand Fredi Bobic nach der Partie folgerichtig.

Auch Martin Hinteregger meinte: "Wir haben das Duell im Hinspiel verloren." Zur Erinnerung: Das Hinspiel in Frankfurt ist bereits 147 Tage her und war das erste Corona-bedingte Geisterspiel der Hessen. Mit der tatsächlich geisterhaften Atmosphäre des März 2020 tat sich die Eintracht damals schwer und verlor vor leeren Rängen ein Spiel, das sie mit 51.000 Fans im Rücken normalerweise wohl nicht verloren hätten. Aber was ist 2020 schon normal?

2. Timing ist keine Stadt in China

Zumal das Rückspiel ja auch alles andere als perfekt im Frankfurter Kalender lag. Saisonende Ende Juni, Saisonstart Anfang September, genau in der Mitte und eine Woche nach Trainingsstart ein Europacup-Achtelfinale. Entsprechend war vor der Partie gerätselt worden, welcher Mannschaft das Spiel gelegener kommt: Den überspielten Baslern, deren letztes Saisonspiel erst am vergangenen Montag stattfand. Oder doch den Frankfurtern, nach vier Wochen Urlaub zwar ausgeruht, jedoch erst seit einer Woche wieder im Training.

Die Antwort: Eher den Schweizern, wenngleich auch sie nicht die Sterne vom Himmel spielten. Den Hessen merkte man die Pause in zweierlei Hinsicht an: zunächst in Form von allerlei Flüchtigkeitsfehlern wie Fehlpässen, Stockfehlern und anderen Unkonzentriertheiten. "Man merkt schon, dass wir länger nicht gespielt haben", brachte es Sebastian Rode auf den Punkt. Später dann auch konditionell, als den Spielern gegen Ende die Puste ausging. Nach einer Woche Training ist das kein Wunder. Und eine Standortbestimmung für die kommende Saison schon mal gar nicht.

3. Nicht alles war schlecht

Sowieso: Es war nicht alles schlecht. Das Finetuning fehlte zwar, ebenso "der letzte Pass", wie Hütter und Kevin Trapp unisono bemängelten. Ansonsten aber waren, wie auch schon im Testspiel gegen die AS Monaco, viele positive Dinge im Spiel der Hessen zu sehen. Zuvorderst der Einsatz, den die Spieler an den Tag legten, "sie haben das Herz auf dem Platz gelassen", so Bobic. Aber auch spielerische Ansätze, mehrere Male ließen die Hessen den Ball gut durch die eigenen Reihen laufen, auch wenn dann letztlich nichts Ertragreiches dabei heraussprang.

Videobeitrag

Video

zum Video Eintracht-Trainer Hütter nach dem Ausscheiden in Basel

Hütter PK
Ende des Videobeitrags

"Ich bin mit dem Leistungsstand zufrieden", sagte Bobic nach dem Spiel, auch Hütter meinte: "Ich möchte der Mannschaft ein Kompliment aussprechen. Solange sie Kraft hatte, hat sie alles versucht." Nun hat Hütter fünf Wochen Zeit, um bei seinen Spielern für die richtige Fitness, Frische und für Automatismen zu sorgen. Dann werden auch Leistungsträger wie Filip Kostic, Daichi Kamada und André Silva, allesamt gegen Basel nicht sonderlich überzeugend, wieder ins Rollen kommen.

4. Musterschüler Kevin Trapp

Einer, der schon bestens in Form ist, ist Keeper Kevin Trapp. Das ist umso erfreulicher, weil es in der Sommerpause um Trapp eine gewisse Unruhe gegeben hatte. Zuerst machte es den Eindruck, als wolle man den Nationalkeeper beim erstbesten Angebot direkt verkaufen, dann gab es die Rolle rückwärts der Verantwortlichen, und schließlich eine klare Ansage von Trapp selbst: "Ich habe nie über einen Transfer nachgedacht. Ich plane hier meine Zukunft und habe nicht die Absicht zu wechseln."

Gegen den FC Basel zeigte Trapp nun, warum er nach wie vor einer der besten seines Fachs ist. Gleich eine Handvoll bester Gelegenheiten machte der 30-Jährige zunichte, vor allem der glücklose Silvan Widmer dürfte nach diversen vergebenen Eins-gegen-Eins-Situationen von Trapp geträumt haben, und zwar nicht gut. In dieser Form ist Trapp die klare Nummer eins - und sämtliche Diskussionen dürften beendet sein.

5. Das Ende einer langen Reise

Was waren das für zwei europäische Jahre der Eintracht? Highlight-Spiele gegen Topclubs wie Lazio Rom, Donezk oder Benfica Lissabon, abertausende reisefreudige Frankfurt-Fans, dann das bittere Aus in Chelsea und der erneute Anlauf mit der Ochsentour durch die Europa-League-Qualifikation: Wenn ein Verein in den vergangenen Jahren bewiesen hat, dass die Europa League kein "Cup der Verlierer" ist, sondern verdammt noch mal richtig Spaß machen kann, dann Eintracht Frankfurt.

In der Hinsicht ist es bitter, dass die Hessen in der kommenden Saison nicht international vertreten sein werden. Andererseits wird die Europa-League-Saison 2020/21 mit all ihren Corona-Einschränkungen sowieso nicht das gleiche sein. Auch ist es vielleicht keine schlechte Sache, wenn der Club mal ein Jahr lang durchschnaufen und Hütter Woche für Woche in Ruhe mit seiner Mannschaft arbeiten kann. Um sich dann erneut für Europa zu qualifizieren? Es wäre den Hessen zu wünschen.

Weitere Informationen

FC Basel - Eintracht Frankfurt 1:0 (0:0)

Basel: Nikolic - Widmer, Cömert, Aldrete, Petretta - Xhaka (87. Marchand), Frei - Stocker (66. van der Werff), Campo, Pululu (66. van Wolfswinkel) - Arthur (80.Ademi)

Frankfurt: Trapp - Abraham, Hinteregge, N'Dicka (46. Hasebe) - da Costa (67. Chandler), Kohr, Kamada, Rode (67. Ilsanker), Kostic - Dost, Silva (46. Paciencia)

Tore: 1:0 Frei (88.)
Gelbe Karten: Cömert - Chandler, Kohr

Schiedsrichter: Lahoz (Spanien)

Ende der weiteren Informationen