Talevksi hält sich die Hände vors Gesicht.
Viktor Talevski Bild © Imago

Den Traum vom Profifußball hegen viele, für die meisten aber platzt er. Ein ehemaliges Talent von Eintracht Frankfurt spricht über schlechte Erfahrungen mit profitorientierten Beratern, Nachwuchschef Armin Kraaz kennt die Probleme.

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Eintracht-Nachwuchsleistungszentrum

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"Man will unbedingt diesen Traum erreichen und vor 40.000 Zuschauern spielen."

"Man will auch das große Geld verdienen, ganz klar."

"Und dann gibt es noch den Druck, den man vom Geschäft bekommt: Man muss jede Woche Leistung bringen, tagtäglich ins Training gehen."

Viktor Talevski ist gerade einmal 23 Jahre alt, hat aber in seinem jungen Leben bereits eine ganze Menge erlebt. Dieser "Traum", von dem der gebürtige Frankfurter im heimspiel! des hr-fernsehens spricht, ist jener Traum, den viele Kinder und Jugendliche hegen: der Traum vom Fußballprofi. Für Talevski ist genau dieser Traum vor rund zwei Jahren geplatzt.

Der talentierte Abwehrspieler stand kurz vor dem Sprung ins Profigeschäft, hatte bis zur U19 die Talentschmiede der Eintracht durchlaufen. In der Saison 2016/17 – Talevski kickte für den damaligen Regionalligisten SC Teutonia Watzenborn-Steinberg – geriet seine Karriere allerdings ins Stocken.

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Viktor Talevski

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Nach einer starken Hessenliga-Runde bekam er plötzlich keine Einsatzzeiten mehr. Einerseits wegen kleinerer Verletzungen, andererseits machte er aber auch schlechte Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit profitorientierten Beratern. Heute konzentriert sich Talevski auf sein Studium und ist für den SV Zeilsheim in der Verbandsliga aktiv.

Schlechte Erfahrungen mit Beratern – ein Thema, dem Armin Kraaz in seiner täglichen Arbeit nur allzu häufig begegnet. Der frühere Profi ist seit 2010 Chef des Nachwuchs-Leistungszentrums der Eintracht und hat damit zahlreiche Talente von der U10 bis zur U19 unter sich. "In dieser Branche gibt es sehr gute, fürsorgliche Berater, die sich auch dann noch kümmern, wenn sie vielleicht nicht Profi werden", sagt er. "Aber leider Gottes gibt es auch Berater, die die Jungs fallen lassen, wenn sie merken, dass es doch nicht so gut wird, wie es noch mit 14, 15 Jahren ausgesehen hat."

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Armin Kraaz

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"Auch 13-, 14-Jährige haben schon einen Berater"

Deshalb – und auch, weil Fußballer unter 16 Jahren nicht gegen Geld beraten werden dürfen – kommuniziert der Verein ausschließlich mit den Eltern der Talente. "Wir raten ihnen, sich genau zu überlegen, ob es nötig ist, einen Berater zu haben", so Kraaz. "Der Fremde will mit dem Bub' ja irgendwann Geld verdienen." Insbesondere dann, wenn es um den Übergang in den Profibereich geht, könne ein Berater aber sinnvoll sein.   

Ein weiteres Problem: Die Berater-Szene wisse zwar von dem Verbot. "Aber es ist schwer zu überprüfen, ob es eingehalten wird", sagt der Nachwuchschef. "Ich kann als DFB oder DFL ja nicht im Wohnzimmer sitzen und überprüfen, ob da abends ein Berater sitzt. Auch 13-, 14-Jährige haben schon einen Berater."

Talevski ist "einfach nur dankbar"

Viktor Talevski muss sich über so etwas keine Gedanken mehr machen. Dass er nicht zu jenen 3,5 Prozent gehört, die es seit 2010/11 laut einer ARD-Recherche aus einem deutschen Nachwuchsleitungszentrum in den Profibereich geschafft haben, stört ihn nicht. "Ich habe dem nicht wirklich hinterher getrauert. Ich war einfach nur dankbar, dass der Druck von mir abfällt", sagt er.

"Berater erzählen den jungen Spielern immer etwas, was sich super und toll anhört. Für einen Verein ist es fast unmöglich, die Spieler davor zu schützen." Wie gesagt: Für gerade einmal 23 Jahre hat Talevski bereits eine ganze Menge erlebt.