Ante Rebic beim Pokalspiel in Mannheim

In einem verrückten Pokalspiel bei Waldhof Mannheim zeigen Eintracht Frankfurt und Ante Rebic zwei Gesichter. Erst fehlen Lust und Leidenschaft, dann geht plötzlich alles. Einen weltmeisterlichen Lichtblick gibt's oben drauf. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt ist am Sonntag spektakulär in die zweite Runde des DFB-Pokals eingezogen. Nach verschlafener Anfangsphase setzten sich die Hessen letztlich dank eines späten Hattricks von Ante Rebic mit 5:3 (2:2) bei Waldhof Mannheim durch und wendeten damit die zweite Erstrunden-Blamage in Folge ab. Valmir Sulejmani (3./11.) und Jan-Hendrik Marx (73.) brachten die Gastgeber zweimal in Führung, für die Eintracht trafen neben Rebic noch Daichi Kamada (21.) und Filip Kostic (45.+1).

1. Gelebte Fanfreundschaft

Beginnen wir dem ausnahmslos Positiven: Die Fanfreundschaft zwischen Waldhof Mannheim und der Frankfurter Eintracht sorgte für einen Rahmen der besonderen Art. Vor dem Anpfiff war im gesamten Stadion eine Choreographie in den schwarz-blauen Farben der Gastgeber zu sehen, in der Schlussphase der Partie hallten gemeinsam intonierte Sprechchöre von den natürlich ausverkauften Rängen: "Mannheim und die SGE" – eine Verbindung, die an diesem Sonntag mit Leben gefüllt wurde.

"Es gab heute keinen Verlierer, die Stimmung war sensationell", fasste Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner zusammen. Ob er diese Worte auch bei einer Niederlage seiner Eintracht gewählt hätte, darf jedoch bezweifelt werden.

2. Die Rückkehrer tun sich schwer

Und genau danach sah es zunächst aus. Trotz aller Warnungen im Vorfeld und der Vorjahres-Blamage von Ulm im Hinterkopf verschlief die Eintracht die Anfangsphase komplett. Während der Drittligist aus Mannheim mutig und zielstrebig nach vorne spielte, ließen die Hessen jegliche Leidenschaft vermissen und streuten zudem zu viele Fehler ein. Dabei im Mittelpunkt: zwei Rückkehrer.

Zunächst sah Keeper Kevin Trapp nicht gut aus, als er einen Flachschuss von Gianluca Korte in die Füße von Maurice Deville abklatschen ließ und damit den Führungstreffer von Sulejmani unfreiwillig vorbereitete. Wenig später lud dann Martin Hinteregger eben jenen Sulejmani mit geradezu amateurhaftem Zweikampfverhalten zu seinem zweiten Treffer ein. Die beiden millionenschweren Neuzugänge patzten und taten sich vor allem zu Beginn enorm schwer. Bestraft wurden die Nachlässigkeiten zwar in der Endabrechnung nicht. "Solche Fehler dürfen wir aber trotzdem nicht machen", monierte Trapp.

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3. Die Mentalität stimmt

Bei allen Problemen in Defensive, Spielaufbau und Abstimmung, stimmte nach dem frühen Zwei-Tore-Rückstand zumindest die Moral. Obwohl die Hessen schon drei Englische Wochen hinter sich und jede Menge Reisestress in den Beinen haben, schalteten sie nach rund einer Viertelstunde in den Angriffsmodus und kontrollierten das Geschehen von Minute zu Minute besser. Kamada und Kostic glichen noch vor der Pause aus. Nach dem erneuten Mannheimer Führungstreffer war es dann der dreifache Rebic, der die Nehmer-Qualitäten belohnte.

"Die Mentalität meiner Mannschaft hat mir gut gefallen. Hinten raus war der Sieg dann auch verdient, da waren wir klar spielbestimmend", resümierte Trainer Adi Hütter. Mannschaften, die sich im Pokal bei einem vermeintlich kleineren Gegner schwertun, gibt es viele. Mannschaften, die nach zweimaligem Rückstand so zurückschlagen, deutlich weniger.

4. Rebic erst pfui, dann hui - dann weg?

Fast schon sinnbildlich für die zwei Gesichter der Eintracht stand am Sonntag Ante Rebic. Das letzte verbliebene Mitglied des magischen Frankfurter Sturmdreiecks spielte zunächst so, als gingen ihn die Eintracht und der DFB-Pokal überhaupt nichts mehr an. Der Kroate verlor reihenweise Bälle, wirkte sichtbar lustlos und gewann in den ersten 45 Minuten unterirdische 17 Prozent seiner Zweikämpfe.

Nach dem Seitenwechsel drehte Rebic dann aber auf und zeigte innerhalb von nur 13 Minuten mit einem lupenreinen Hattrick sein ganzes Können. Eiskalt vorm Tor, trickreich, mit dem richtigen Riecher. "Dass Ante der Matchwinner ist, muss wohl nicht erwähnt werden", kommentierte Hütter.

Wie lange Rebic, der nach seinen Toren öffentlichkeitswirksam das Eintracht-Logo küsste, seine Künste noch in Frankfurt zeigt, ist jedoch weiter offen. "Wenn ein Spieler die Möglichkeit hat, zu einem Topverein zu gehen, dann wird es halt so sein, dass man ihn schwer halten kann", orakelte Hütter und bemühte ein altes Niko-Kovac-Zitat: "Stand jetzt ist er Spieler von Eintracht Frankfurt." Ausgang: ungewiss.

5. Durm bringt neuen Schwung

Neben Rebic verdiente sich zudem ein Spieler Sonderlob, der bislang nur durch seine Vita aufgefallen war: Erik Durm, der Weltmeister von 2014, ersetzte in der Halbzeit den nicht ganz frischen Danny da Costa und bewies, dass er durchaus eine Alternative auf der rechten Außenbahn sein kann. Durm gefiel durch ständigen Offensivdrang und bereitete gleich zwei Treffer durch Flanken vor.

Der Eintracht, die in der vergangenen Saison quasi keine Alternativen zu den beiden Dauer-Flügelläufern Kostic und da Costa hatte, kann ein Durm in Top-Form nur guttun. Die Spiele werden nach Einzug in die zweite Pokalrunde ja nicht weniger.

Sendung: Das Erste, Sportschau, 11.08.19, 18 Uhr