Olympiakos Piräus

Eintracht-Gegner Olympiakos Piräus ist der größte Klub Griechenlands. Eine Familienbande im Sturm begründete einst den Ruhm, der Klub hat aber auch eine tragische Note. Und zur Eintracht eine besondere, sehr teure Verbindung.

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Am dritten Spieltag der Europa-League-Saison empfängt Eintracht Frankfurt am Donnerstag (ab 21 Uhr live im Audiostream) den griechischen Rekordmeister Olympiakos Piräus im Stadtwald. Wir stellen Ihnen den nächsten Gruppengegner genauer vor.

Die Geschichte

Wer denkt, Bayern München sei in der Bundesliga eine Übermacht, darf gerne einen Blick nach Griechenland werfen. 46 Mal ist Olympiakos Piräus dort bereits Meister geworden, 28 Pokalsiege kommen noch obendrauf - irgendwie logisch, dass der Klub unter anderem den Spitznamen "Legende" trägt.

Kurios: Sein erstes Pflichtspiel bestritt Olympiakos im Gründungsjahr 1925 gegen die Besatzung eines im Hafen liegenden französischen Kriegsschiffs. An der Debütsaison der griechischen Fußballmeisterschaft 1927/28 durfte Olympiakos wegen Streitigkeiten mit dem Verband noch nicht teilnehmen, die erste Ära des kommenden Rekordmeisters war dennoch nicht weit: Zwischen dem ersten Titel 1931 und 1940 holte Olympiakos direkt mal sechs Meisterschaften.

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Das komplette Spiel live

hr-iNFO überträgt das Spiel zwischen Eintracht Frankfurt und Olympiakos Piräus am Donnerstag ab 21 Uhr live und in voller Länge. Den hessenschau.de-Audiostream dazu finden Sie hier.

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Angetrieben übrigens von einem Sturm, den es in dieser Form in der Fußballhistorie sonst wohl nirgendwo gegeben hat: Den Angriff im damals üblichen 2-3-5-System bildeten nämlich die Brüder John, Dinos, George, Bill und Leonidas Andrianopoulos, Söhne des Mitbegründers Andreas Andrianopoulos.

Die Vereinsgeschichte der Griechen hat bei allen Erfolgen dennoch auch eine tragische Note. Am 8. Februar 1981 kamen im Stadion 21 Menschen ums Leben, die vor einem Stadiontor stürzten und unter den Menschenmassen zu Tode kamen. Jährlich wird den Toten in einer Zeremonie gedacht, im neuen Stadion sind ihnen zu Ehren 21 schwarze Sitzschalen installiert.

Der Trainer

Seit 2018 ist der Portugiese Pedro Martins Trainer bei Olympiakos, damals übernahm er einen erfolgsverwöhnten Klub, der in der Liga so arg kriselte, dass die Mannschaft dem Verein Strafe wegen schwacher Leistungen zahlen musste. Mit dem einmaligen früheren portugiesischen Nationalspieler Martins an der Seitenlinie kehrte Olympiakos in die Erfolgsspur zurück, Martins kann in nun 177 Spielen auf einen sensationellen Punkteschnitt von 2,20 sowie die Meisterschaft 2019 und das Double 2020 zurückblicken.

Der Journalist Notis Chalaris vom griechischen Sportmedium bnsports.gr beschreibt Martins als taktisch flexiblen Trainer, der in der Lage ist, seinen Spielern verschiedene Spielsysteme so zu vermitteln, dass sie sich darin wohlfühlen. "Er hat in dieser Saison nicht das eine System, sondern variiert zwischen 4-2-3-1, 3-4-3 und 4-3-3", so Chalaris. Und das mit Erfolg: Aktuell steht Olympiakos wieder an der Spitze der Liga, seit dem Aus in der Champions-League-Quali gegen Ludogorets im August haben die Griechen kein Pflichtspiel mehr verloren.

Die Mannschaft

Ähnlich wie Eintrachts anderer Europa-League-Gegner Fenerbahce setzt Olympiakos Piräus eher auf Erfahrung. "Sie haben eine sehr erfahrene Mannschaft mit vielen älteren, international erfahrenen Spielern", sagte der ehemalige Eintracht-Kapitän Ioannis Amanatidis im heimspiel! und nannte exemplarisch den ehemaligen französischen Nationalspieler Mathieu Valbuena (37) und Stürmer Youssef El Arabi (34).

Chalaris nennt die Sechser Yann M'Vila, ebenfalls Ex-Nationalspieler Frankreichs, und Mady Camara als Schlüsselspieler des Teams. "M'Vila ist das Hirn im Zentrum, er kreiert Chancen, ist passsicher und kann das Spiel beruhigen. Camara ist die Lunge, er rennt ohne Ende und presst sehr gut", so Chalaris, der Flügelspieler Girogios Masouras, aktuell Topscorer, als weiteren Unterschiedsspieler nennt. Übrigens: Der Kader gibt auch einige altbekannte Gesichter her, etwa den ehemaligen Dortmunder Sokratis oder Mittelfeldspieler Pierre Kunde, der vor der Saison von Mainz nach Piräus ging.

Schnittmengen mit der Eintracht

Sportlich gehen die Berührungspunkte nicht über ein Freundschaftsspiel hinaus, einen großen Schnittpunkt zwischen der Eintracht und Olympiakos gibt es aber natürlich trotzdem: Lajos Detari. Der ungarische Spielmacher schoss die Hessen 1988 in seiner einzigen Eintracht-Saison zum Pokalsieg, anschließend zahlte Olympiakos satte 16 Millionen Mark für Detari, die, glaubt man der Eintracht-Folklore, irgendwo im Stadtwald verbuddelt sind.

In Griechenland wurde Detari Spieler der Saison, es bleibt aber die Ahnung, dass in seiner Karriere mehr drin gewesen wäre, wäre er 1988 zu Juventus Turin gewechselt, das ebenfalls interessiert war, aber weniger Geld bot. "Juve war mein Traum, der leider nicht Erfüllung ging, weil das Geld die größere Rolle gespielt hat. Das war eine sehr schwere Sache für mich und hat sehr wehgetan", sagte Detari einst dem Magazin 11 Freunde.

Der Wechsel zahlte sich übrigens auch aus Sicht von Olympiakos nicht aus, denn der überteure Transfer war exemplarisch für das unseriöse Geschäftsgebaren des damaligen Klubbosses Georgios Koskotas. Der wurde im November 1988 schließlich verhaftet und 1990 wegen Korruption zu 25 Jahren Haft verurteilt, während man bei Olympiakos die Scherben aufkehren musste und bis 1996 keinen Titel mehr holte. Rund um den Verein ist diese Ära bekannt als die "steinernen Jahre".