Maxime Lestienne

Verhinderte Weltstars im Kader, eine Legende als Coach und einen handfesten Skandal in der Geschichte: Das ist Eintracht Frankfurts Europa-League-Gegner Standard Lüttich.

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Gegnercheck Lüttich
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Für Eintracht Frankfurt steht am Donnerstag (21 Uhr) das nächste richtungsweisende Heimspiel in der Gruppenphase der Europa League auf dem Programm. Gegner Standard Lüttich hat genau wie die Hessen gegen Spitzenreiter Arsenal verloren und gegen Guimaraes gewonnen. Sprich: Es geht im direkten Duell um Platz zwei der Gruppe F.

Die Stars

Wenn am Donnerstagabend in Frankfurt die Flutlichter angehen, darf Eintracht  Frankfurt einen echten Weltstar begrüßen. Dummerweise einen verhinderten Weltstar. Bei Maxime Lestienne, 27-Jähriger Rechtsaußen der Belgier, standen die Zeichen vor noch nicht allzu langer Zeit stark auf Weltkarriere. Der quirlige, technisch starke und spielfreudige Offensivspieler kickte bereits mit 16 bei den Profis, scorte schon in den frühen Saisons seiner Karriere pro Jahr knapp 30 Mal und hatte Angebote zahlreicher europäischer Spitzenkubs auf dem Tisch. Und ging dann, mit 22 Jahren, zu Al-Arabi nach Katar, für die er aber nie spielte, sondern direkt nach Genua weiterverliehen wurde.

Lestienne, der sämtliche U-Nationalmannschaften durchlief, wird seine Gründe gehabt haben. Wahrscheinlich viele, viele Millionen davon. Doch auch ohne sein ganzes Potential je ausgeschöpft zu haben, ist er ein passabler Kicker geworden. Mehr noch: Nach einer kleinen Odyssee über Eindhoven, Kasan und Malaga ist Lestienne seit 2018 wieder in seiner Heimat angekommen und hat sich zum absoluten Topspieler Standards gemausert. In der laufenden Saison kommt er bereits auf sieben Scorerpunkte.

Einer, der sein Versprechen noch einlösen könnte, ist Innenverteidiger Zinho Vanheusden. Der 20-Jährigen, von seinem Vater nach einem der brasilianischen Weltmeister 1994 benannt, zog es bereits in der Jugend zu Inter Mailand. Auch aufgrund zweier Knieverletzungen hat der 1,87 Meter große Vanheusden den Sprung zu den Profis bei den Nerrazurri nicht geschafft. Bei seinem Jugendklub Standard ist man ganz offensichtlich dennoch sehr überzeugt von Vanheusden, mit 12,6 Millionen Euro ist er der Rekordtransfer der Belgier.

Der Trainer

Auf der Trainerbank Lüttichs sitzt zugleich eine der größten Vereinslegenden, die der Klub überhaupt zu bieten hat. Kein Geringerer als Michel Preud’homme, Welttorhüter 1994, 58-facher Nationalspieler, Europacup-Sieger 1988, leitet seit 2018 die Geschicke Standards.

Und wie: Preud’homme ist nicht nur Trainer, er ist auch Sportdirektor, Vorstandsmitglied und Vizepräsident des Klubs. Bei so viel Engagement würde es kaum verwundern, wenn der Mann auch noch den Mannschaftsbus fahren oder seinen Spielern höchstpersönlich die Strapazen aus den Muskeln massieren würde. Bei der Aufstellung setzt Preud’homme, der als einziger mit Lüttich als Spieler und Trainer Meister wurde, zumeist auf ein 4-2-3-1-System, in dem Spielmacher Selim Amallah sowie die beiden Außen Lestienne und Paul-José Mpoku den Stürmer Renauld Emond mit Vorlagen füttern sollen. Das klappt aktuell ganz gut, in der Liga hat Emond in neun Spielen bereit sechsmal genetzt.

Der Verein

Mit zehn Meistertiteln und sechs Pokalsiegen ist Standard einer der erfolgreichsten Klubs Belgiens. 1898 von Schülern einer katholischen Schule in Lüttich gegründet, gehört der Klub seit 1921 stets der höchsten belgischen Spielklasse an und bekam 1923 vom Königshaus das königliche Prädikat Royal verliehen.

Tiefpunkt der Geschichte Standards ist die Standard-Waterschei-Affäre. 1984 wurde publik, dass Standard-Verantwortliche und Spieler die Spieler von Waterschei, Standards Gegner im letzten Saisonspiel 1981/82, bestochen haben, um sich die Meisterschaft zu sichern und eventuelle Verletzungen vor dem wenige Tage später stattfindenden Europapokal-der-Pokalsieger-Finale gegen den FC Barcelona zu vermeiden. Zahlreiche Spieler wurden gesperrt, Trainer Raymond Goethals verließ nach dem Skandal sogar das Land.

Es dauerte in der Folge eine ganze Weile, bis sich der Verein wieder fing. Erst 25 Jahre nach dem Meistertitel 1983 konnte der Klub 2008 und 2009 erneut den Titel gewinnen. In der Vorsaison wurden "Les Rouches" im Playoff-System der belgischen Meisterschaft Dritter.

Das Stadion

Standard spielt im 27.670 Zuschauer fassenden Stade Maurice Dufrasne, das umgangssprachlich aber auch Stade de Sclessin genannt wird, nach dem Namen des Stadtviertels, in dem es liegt. Namenspatron Dufrasne war zwischen 1909 und 1931 Vorsitzender des Vereins  und unter anderem dafür bekannt, Standard-Spieler nach guten Spielen zu sich nach Hause einzuladen und sie zu bekochen. Der ein oder andere deutsche Fußballfan dpürfte das Stadion derweil noch dunkel in Erinnerung haben. Während der Europameisterschaft 2000 erkämpfte sich die von Erich Ribbeck trainierte Nationalmannschaft dort ein 1:1 gegen Rumänien.