Vitoria Guimaraes

Potenzielle brasilianische Stars, ein großes Trainertalent und zahlreiche Fans: Das erwartet Eintracht Frankfurt beim Auswärtsspiel in der Europa League bei Vitoria Guimaraes.

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Hinter den Großklubs aus Porto und Lissabon ist Vitória Guimarães der vielleicht größte Name des portugiesischen Fußballs, hierzulande aber ein relativ unbeschriebenes Blatt. Was also erwartet Eintracht Frankfurt am Donnerstag (21 Uhr, live im hessenschau.de-Social-Radio) bei Vitória?

Die Mannschaft

Echte Stars findet man bei Vitória Guimarães keine, dafür aber ein paar Spieler, die solche noch werden könnten. Etwa Lucas Evangelista. Der ehemalige brasilianische U20-Nationalspieler, der vor der Saison auf Leihbasis von Nantes kam, ist ein klassischer Zehner, trickreich, kreativ und mit gutem Spielverständnis. Trotz dreier Scorerpunkte in vier Ligaspielen hat Evangelista noch Luft nach oben. Meint zumindest Duarte Monteiro, Sportjournalist vom portugiesischen Fußballmagazin zerozero.pt. "Er hat das Zeug zum Star in dieser Mannschaft."

Gleiches gilt für Mittelstürmer Leo Bonatini, ehemaliger brasilianischer U17-Nationalspieler, der vor der Saison als "Königstransfer", so Monteiro, nach Guimaraes kam. Bonatini ist in Portugal kein Unbekannter, in der Saison 2015/16 schoss Bonatini für Estoril stolze 17 Saisontore. Aktuell ist er von Wolverhampton ausgeliehen und sitzt bei Vitória zumeist noch auf der Bank, da Trainer Ivo Vieira Bonatinis Landsmann Bruno Duarte zuletzt den Vorzug gab. Das dürfte sich auf lange Sicht aber ändern.

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Auf den Außen wirbeln der Brasilianer Davidson und der vom FC Porto ausgeliehene André Pereira abwechselnd auf den Seiten. Vor allem Davidson konnte mit insgesamt zehn Scorern in 14 Pflichtspielen auf sich aufmerksam machen. Den Shootingstar der Mannschaft findet man allerdings in der Defensive: Edmond Tapsoba ist die Überraschung der noch jungen Saison.

Im Vorjahr spielte der 20-Jährige noch für die B-Mannschaft Vitorias, neben Kapitän Pedro Henrique blüht er aktuell auf und verrichtet nicht nur gewissenhaft seine Abwehrarbeit, sondern wird auch immer wieder offensiv gefährlich: In fünf Ligaspielen traf Tapsoba bereits zweimal und legte einen weiteren Treffer auf. "Der Junge ist eine Bank in der Innenverteidigung und spielt eine sensationelle Saison", so Monteiro.

Der Trainer

Ivo Vieira ist in Portugal das, was man in Deutschland ein "Kind der Bundesliga" nennen würde. Seit 1994 verdingt sich der mittlerweile 43-Jährige im portugiesischen Profifußball, zunächst als Verteidiger bei CD Nacional in über 200 Partien, nach seinem frühen Karriereende seit 2004 schließlich auf mittlerweile elf verschiedenen Trainerposten.

Das macht Vieira allerdings nicht zu einer Art portugiesischem Peter Neururer, ganz im Gegenteil. "Vieira ist zurzeit definitiv eines der größten Trainertalente", so Monteiro. "Seine Mannschaften zeichnen sich durch Offensivfußball aus." Im Vorjahr führte Vieira Moreirense auf einen sensationellen sechsten Platz, aktuell liegt er mit Vitória auf Rang vier. Nicht die schlechtesten Referenzen.

Dabei setzt Vieira zumeist auf ein 4-3-3-System mit Fokus auf das Spiel über die Außen. Durch Pressing soll der Ball in kritischen Zonen gewonnen werden und mit schnellem Umschalten möglichst schnörkellos vors gegnerische Tor gebracht werden. Das klappte zuletzt immer besser: In den letzten drei Partien schoss Vitória neun Tore.

Der Verein

1922 von Studenten gegründet, ist Vitória Guimarães einer der großen Traditionsklubs Portugals. Dummerweise schlägt sich das wegen der Dominanz der drei großen portugiesischen Klubs FC Porto, Benfica Lissabon und Sporting Lissabon nicht unbedingt in Titeln nieder. Den Briefkopf Vitórias zieren gerade mal ein Pokalsieg (2013) und ein Supercup-Sieg (1988). Immerhin den Pokalsieg kann man dabei epochal nennen: Im Finale konnte Vitória den haushohen Favoriten Benfica überraschend mit 2:1 schlagen und im 91. Jahr des Bestehens den ersten wichtigen Titel der Vereinsgeschichte einfahren.

Und sonst?

Wer einen lauen Cup-der-Verlierer-Kick vor desinteressierter Minuskulisse erwartet, der irrt. Hinter den drei Großklubs zieht Vitória SC die meisten Fans an, in der Vorsaison kamen im Schnitt 18.249 Anhänger ins knapp 30.000 Fans fassende Estádio D. Afonso Henriques. In einer Liga, in der der Zuschauerschnitt bei 12 von 18 Vereinen nicht einmal eine fünfstellig ist, ist das durchaus eine Hausnummer.