Amin Younes von Eintracht Frankfurt

Die Traumreise von Amin Younes hat mit seinem Comeback in der Nationalmannschaft einen neuen Höhepunkt erreicht. Am Ziel sieht sich der Spielmacher der Frankfurter Eintracht damit aber noch lange nicht.

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Amin Younes und Jogi Löw beim Confed Cup 2017
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"Der Fußball schreibt seine eigenen Geschichten." Auf kaum einen Profi trifft diese abgedroschene Phrase in den vergangenen Monaten wohl mehr zu als auf Amin Younes. Vom fußballerischen Abstellgleis beim SSC Neapel schaffte es der 27-Jährige seit seinem Wechsel im vergangenen Sommer zur Frankfurter Eintracht wieder ins nationale und wohl bald auch internationale Rampenlicht. Champions-League-Qualifikation und anschließende EM-Teilnahme lauten die tollkühnen Nahziele eines fast schon in Vergessenheit geratenen Fußballers, der eigentlich schon immer genau die passenden Qualitäten dafür mitbringt.

"Natürlich habe ich nicht damit gerechnet, dass es so schnell funktionieren könnte", sagte Younes am Dienstagmittag auf dem Pressepodium der deutschen Nationalmannschaft. Dreieinhalb Jahre nach seiner letzten Nominierung steht der Confed-Cup-Sieger von 2017 wieder im DFB-Kader. Der scheidende Bundestrainer Joachim Löw berief ihn für die drei WM-Qualifikationsspiele gegen Island (Donnerstag), Rumänien (Sonntag) und Nordmazedonien (31. März).

Gekommen, um zu bleiben

Mit Dankbarkeit, Demut und dennoch einer gesunden Portion Selbstbewusstsein nahm der 27-Jährige sein Comeback im Kreise der Besten zur Kenntnis. Natürlich gebe es genügend andere Spieler, die ebenfalls eine Nominierung verdient gehabt hätten, sagte Younes und dachte dabei womöglich an Julian Draxler von Paris St. Germain oder den Dortmunder Julian Brandt, die diesmal auch zu Gunsten Younes‘ zurückstecken mussten. Anders als der Frankfurter spielten die beiden gestandenen Nationalspieler in ihren Clubs zuletzt aber allenfalls eine Nebenrolle.

Younes drückt dem erfolgreichen Spiel der Hessen dagegen seit Wochen seinen Stempel auf. "Wenn man schon hier ist und die Möglichkeit bekommt, dann ist das nächste Ziel, dabei zu bleiben", erklärte der gebürtige Düsseldorfer entsprechend unverblümt seine Ambitionen, auch beim anstehenden EM-Endturnier im Sommer gerne die Nase vor der Konkurrenz haben zu wollen. Die Lust auf die Europameisterschaft sei jedenfalls "sehr, sehr groß".

Nicht nur Bolzplatz-Mentalität

Mit Bundestrainer Löw weiß Younes dabei einen denkbar prominenten Förderer auf seiner Seite. Der DFB-Coach schätzt genau diese Sorte Instinktfußballer mit herausragender Technik und Übersicht. Dass Löw ausgerechnet bei Younes‘ Galavorstellung beim 2:1-Sieg gegen Bayern München Augenzeuge im Frankfurter Stadion wurde, war für den Eintracht-Spielmacher sicherlich nicht von Nachteil. Younes war an diesem Februar-Nachmittag Dreh- und Angelpunkt und erzielte ganz nebenbei auch noch ein Traumtor gegen seinen jetzigen Nationalelf-Kollegen Manuel Neuer.

"Ich bin ein Fan von dieser Bolzplatz-Mentalität, dafür gehen die Leute ins Stadion", warb Younes am Dienstag denn auch ein wenig in eigener Sache. Doch der 27-Jährige möchte keinesfalls nur auf seine Dribblings beschränkt werden. Im Profisport seien auch andere Dinge gefragt. "Ich kann viel laufen und gegen den Ball spielen", erklärte Younes, der seine eigene Entwicklung dabei lange nicht abgeschlossen sieht. Taktisch, im Defensivverhalten oder auch in Sachen Torgefahr möchte er noch zulegen. "Ich bin nie zufrieden mit mir selbst."

Wohlfühlfaktor Frankfurt

Amin Younes ist kein Fußballer im herkömmlichen Sinn. Statt höher, schneller, weiter stehen für ihn auch weiche Faktoren im Vordergrund. In Frankfurt scheint genau dieses Gesamtpaket aus Wohlfühlfaktor und fußballerischen Ambitionen aufzugehen. "Ich passe menschlich und sportlich sehr gut zu diesem Verein", lautet sein Zwischenfazit nach einem guten halben Jahr am Main, "es macht mir unglaublich viel Spaß".

Die Liaison, die per Kaufoption zur Dauerbeziehung werden soll, ist längst zur Win-Win-Situation geworden. Younes blüht auf und lässt die Eintracht dadurch von nie geahnten Sphären träumen. "Ich würde mir einfach wünschen, dass wir da bleiben, wo wir jetzt sind und die Champions League klar machen", formulierte der Mittelfeldmann die Ziele des Tabellenvierten im Saisonendspurt. Unmöglich scheint das nicht, schließlich schreibt der Fußball ja bekanntlich seine eigenen Geschichten.

Sendung: hr-iNFO, 23.03.2021, 15.55 Uhr