Oliver Glasner

Durch Sam Lammers und Kristijan Jakic hat Eintracht-Trainer Oliver Glasner noch einmal neue taktische Optionen bekommen. Wichtiger als das Spielsystem ist Glasner aber etwas anderes.

Videobeitrag

Video

zum Video Highlights: Bielefeld - Frankfurt

Highlights Videos
Ende des Videobeitrags

Dreierkette, Viererkette, Fünferkette – nach der Auftaktniederlage in Dortmund brachte Eintracht-Trainer Oliver Glasner sogar eine Fahrradkette als mögliches Spielsystem ins Gespräch. "Wenn du 32 Prozent Zweikampfquote in der ersten Halbzeit hast, dann kannst du Dreier-, Vierer-, Fünfer-, Fahrradkette spielen. Das ist völlig egal", so Glasners Analyse. Immerhin: Die Zweikampfquote hat die Eintracht mittlerweile in den Griff bekommen. Die Frage nach dem Spielsystem bleibt aber.

Im Interview mit dem Kicker verwies Glasner am Montag nun erneut darauf, viele Optionen zu haben. Aktuell aber fühle sich das Team im 4-4-2 am besten. "Wir haben mehrere Optionen, eine davon ist das 4-4-2. Es kann aber auch sein, dass wir mal in einem 3-5-2 mit offensiven Achtern spielen, die Raute im 4-4-2 gefällt mir ebenfalls sehr gut", so Glasner, der schon in der Halbzeit in Dortmund auf Viererkette umgestellt hatte und daran auch gegen Augsburg und Bielefeld festhielt. Mit dem Ergebnis, dass die Mannschaft deutlich stabiler wirkte als in der ersten Halbzeit beim BVB und beim Pokalaus in Mannheim.

"Die Rollenverteilung ist im 4-4-2 am einfachsten"

Die große defensive Frankfurter Baustelle – der Raum hinter Filip Kostic als linker Schienenspieler – ist mit Viererkette beseitigt, Christopher Lenz sichert hinter Kostic ab. "Als wir in Dortmund in der ersten Hälfte im 3-4-3 spielten, hatten wir Probleme", so Glasner weiter. "Wenn Filip hochschiebt und Felix Passlack attackiert, muss ihm Evan Ndicka den Rücken sichern. Doch das erfordert mehr Abstimmung als im 4-4-2, in dem das sehr viel klarer ist. Die Rollenverteilung ist am einfachsten, wenn wir aus einem 4-4-2 heraus attackieren."

Durch die Neuverpflichtungen Kristijan Jakic und Sam Lammers bekommt Glasner nun zusätzliche Optionen. Jakic ist ein klassischer Sechser, der auch alleine absichern kann. Zuletzt spielten mit Djibril Sow und Ajdin Hrustic zwei offensiver denkende Akteure im Zentrum. "Kristijan Jakic sorgte in Zagreb als alleiniger Sechser im 4-1-4-1 für eine sehr gute physische Präsenz." Und im Idealfall für eine bessere Balance zwischen Offensive und Defensive im zentralen Mittelfeld.

Zehn Offensivspieler zur Auswahl

Vor allem in der Offensive hat Glasner nun die Qual der Wahl, mit Lammers, Rafael Borré, Daichi Kamada, Filip Kostic, Jens Petter Hauge, Jesper Lindström, Aymen Barkok, Goncalo Paciencia, Ragnar Ache und Fabio Blanco stehen gleich zehn Offensivspieler im Kader. Amin Younes, der in Frankfurt keine Zukunft hat, mal Außen vor gelassen.

Kostic dürfte auf Linksaußen gesetzt sein, der vielversprechend in die Saison gestartete Jens Petter Hauge auf Rechts. Mit dem großgewachsenen Lammers steht Glasner nun ein Zielspieler in der Spitze zur Verfügung, um den herum Borré als zweite Spitze fungieren kann. "Wir können aber auch mal defensiver mit klarer Zehn auflaufen", betont Glasner. Kamada, Lindström oder auch Barkok wären dann die ersten Optionen.

"Das zeigt mir, dass die Festplatte noch nicht beschrieben ist"

Wichtig sei bei allen taktischen Überlegungen ohnehin eher das Verhalten auf dem Platz und die funktionierenden Automatismen. "Du musst dich darauf verlassen, dass dein Mitspieler dir den Rücken freihält. Wenn dieses Vertrauen, diese Automatismen fehlen, führt das zu Zögerlichkeit und Passivität" so Glasner. "Der erste Schritt ist das Verstehen, der zweite die Umsetzung. Je mehr Stress vom Gegner kommt, desto weniger präsent sind die Inhalte. Das zeigt mir, dass die Festplatte noch nicht beschrieben ist." Die Mannschaft ziehe jedoch "zu hundert Prozent mit", so Glasner. Eine Umstellung auf Fahrradkette wird man also so bald bei Eintracht Frankfurt nicht sehen.