Marco Russ

Sportlich geht es für Eintracht Frankfurt gegen den SC Paderborn um nicht mehr viel. Finanziell und emotional ist aber noch einiges drin. Das Wichtigste zum Spiel.

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zum hr-fernsehen.de Video Ein Jahr ohne Europa – tut das der Eintracht gut?

Volle Tribüne der Eintracht Frankfurt Fans.
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Eintracht Frankfurt beendet die wohl längste Bundesliga-Saison aller Zeiten am Samstag (15.30 Uhr) mit dem Geister-Heimspiel gegen den SC Paderborn. Die Gäste aus Ostwestfalen stehen als Absteiger fest, die Eintracht will einen einstelligen Tabellenplatz festigen.

Die Ausgangslage

Es ist ein spannendes Rennen um die Goldene Ananas, in dem Eintracht Frankfurt vor dem Spiel gegen Paderborn noch alle Chancen hat. Bleiben die Hessen auf dem neunten Platz? Werden sie gar noch Achter? Oder rutschen sie noch auf Platz zehn ab? Ein Fußballkrimi steht an, nicht weniger.

Lässt man die Ironie beiseite, stimmt das mit dem Krimi zumindest für all jene, die bei Eintracht Frankfurt die Finanzen im Blick haben. Denn im TV-Geld-Ranking liegen die Hessen auf Platz sieben, können diesen aber noch verlieren, wenn Berlin in Gladbach gewinnt und man selbst nicht gegen Paderborn dreifach punktet. Den Frankfurtern würden in diesem Fall etwa 2,4 Millionen Euro durch die Lappen gehen. Selten war eine Goldene Ananas so viel wert.

Das Personal

Bis auf Makoto Hasebe sind alle Spieler an Bord. Der Japaner befindet sich aktuell schon in seiner Heimat, wo ihm ein freier Gelenkkörper aus dem Knie entfernt wird. "Nichts Tragisches", so Hütter. Sicher im Kader stehen werden Marco Russ, Gelson Fernandes und Jonathan de Guzman, die die Eintracht nach der Saison verlassen. "Aus Respekt gegenüber den Jungs will ich ihnen die Möglichkeit auf ein Abschiedsspiel geben. Versprechen kann ich aber nichts. Das Wichtigste ist, das Spiel zu gewinnen", so Hütter.

Eher schlecht als recht ist die Personallage bei den Gästen aus Paderborn. Mit Uwe Hünemeier (gesperrt), Sebastian Schonlau und Cristian Strohdiek (beide verletzt) fehlen gleich drei Innenverteidiger, ebenfalls fraglich sind Luca Kilian, Streli Mamba und Klaus Gjasula. SCP-Trainer Steffen Baumgart wird im vorerst letzten Paderborner Bundesligaspiel ordentlich improvisieren müssen.

So könnte die Eintracht spielen:

Eintracht mögliche Aufstellung Paderborn

So könnte Paderborn spielen: Paderborn: Zingerle - Kilian, Gjasula, Collins - Dräger, Antwi-Adjei - Ritter, Vasiliadis - Evans - Srbeny, Michel

Das sagen die Trainer

Adi Hütter: "Respekt vor Paderborn, die zwar absteigen, aber Gesicht gezeigt haben. Mit einer gewissen Sturheit, einem klaren Ziel. Mit einer sympathischen Mannschaft und einem sympathischen Trainer haben sie in vielen Spielen gezeigt, dass sie den Gegner ärgern können."

Steffen Baumgart: "In Frankfurt erwartet uns ein guter Gegner, der das Spiel sicher nicht einfach abschenken wird. Nichtsdestotrotz wollen wir mit Freude dort auflaufen und unser Bestes geben."

Auf diese Spieler gilt es zu achten

Sportlich ist der Drops ja sowieso gelutscht, besonderes Augenmerk gilt am Samstag demnach Marco Russ. Der mittlerweile 34-Jährige Verteidiger beendet nach der laufenden Saison seine Karriere, Hütter wird sich die Gelegenheit nicht nehmen lassen, Russ zum Abschied noch ein paar Minuten auf dem Platz zu schenken. Und auch ohne Fans dürfte das emotional werden.

Denn Russ schnürt seit 1996 die Schuhe für die Eintracht, mit Ausnahme eines kurzen Gastspiels in Wolfsburg macht das 22 Jahre mit dem Adler auf der Brust. Als Profi stand Russ 328 Mal für die Hessen auf dem Platz, stieg ab, stieg wieder auf, spielte europäisch, gewann den Pokal und besiegte eine Krebserkrankung. Sehr viel mehr passt nicht in ein Fußballerleben. Am Samstag geht nicht weniger als eine große hessische Fußballkarriere zu Ende - auch wenn Russ der Eintracht in anderer Rolle erhalten bleiben wird.

Die Statistik zum Spiel

Wenn am Samstag die Bundesligasaison 2019/20 austrudelt, wird der SC Paderborn eine Serie ausweiten, die es in einer solchen Kuriosität im deutschen Fußball nie zuvor gab und nie wiedergeben wird. Denn die Paderborner haben dann das Kunststück geschafft, in den letzten sieben Jahren jeweils entweder Tabellen-Achtzehnter oder Tabellenzweiter zu werden.

2014 begann die Serie, als der SCP als 2. der Zweiten Liga in die Bundesliga aufstieg. Aus der Bundesliga stiegen die Paderborner als 18. wieder ab und wurden als 18. in der Zweiten Liga direkt in die Dritte Liga durchgereicht, wo der SCP ebenfalls 18. wurde, allerdings die Klasse hielt, weil 1860 München zwangsabsteigen musste. In Folge stieg Paderborn als 2. in die Zweite Liga und dann als 2. in die Bundesliga auf. Aus der sie nun als 18. wieder absteigen. In Zahlen: 2. – 18. – 18.- 18. – 2. – 2. – 18. Man kann von den Paderbornern ja halten, was man will, aber Humor haben sie.