Adi Hütter Eintracht Frankfurt

Die Ausgangslage ist verheerend – und gerade darin besteht der Reiz: Die Frankfurter Eintracht kann mit einem Erfolgserlebnis beim FC Bayern einen historischen Negativrekord abwenden und mit etwas Glück sogar die Tabellenführung übernehmen.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht-Pressekonferenz mit Adi Hütter vor dem Bayern-Spiel

Adi Hütter
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Noch ist die Eintracht in dieser Saison ungeschlagen. Damit das so bleibt, müssen die Frankfurter am Samstag (15.30 Uhr) beim FC Bayern München bestehen. Spoiler: Es wird nicht einfach.

Die Ausgangslage

Rein tabellarisch gesehen ist die Partie des 5. Spieltags das absolute Spitzenspiel, schließlich empfangen die zweitplatzierten Bayern die nur einen Punkt und zwei Ränge dahinter liegenden Frankfurter. Dem Sieger winkt – je nach Abschneiden der Konkurrenz – sogar die Tabellenspitze. Nichts Neues also für die Münchner, die zum 800. Mal in ihrer Vereinsgeschichte den Platz an der Bundesliga-Sonne einnehmen könnten. Bei der Eintracht liegt diese Erfahrung nun schon wolkenreiche 21 Jahre zurück: Im August 1999 grüßte man letztmals von ganz oben.

Ob die Ausgangslage den Erwartungen an ein Topspiel gerecht wird, müssen vor allem die Hessen unter Beweis stellen. Ins offene Messer laufen dürfte dabei ebenso wenig die passende Taktik sein wie ein reines Bollwerk. Denn die Bayern sind in dieser Saison gerade in der Abwehr bislang ungewohnt anfällig. In den ersten vier Spielen kassierte der Triple-Sieger im Schnitt zwei Gegentore. Es braucht also die richtige Mischung aus kontrollierter Defensive und mutigem Angriffsfußball. Leichter gesagt als getan.

Das Personal

Bei der Eintracht steht ein dickes Fragezeichen hinter David Abraham. Dem Kapitän zwickt's in der Kniekehle. Nicht schlimm, aber unangenehm soll die Verletzung sein. Für die Hessen wäre ein Ausfall gleich doppelt bitter: Zum einen fehlt der schnelle und abgezockte Argentinier beim Toreverhindern. Zum anderen wird damit auch die taktische Möglichkeit, Martin Hinteregger anstelle von Makoto Hasebe auf die Libero-Position zu ziehen, eher unwahrscheinlich. Gleich zwei neue Innenverteidiger wird Hütter bei einem Ausfall Abrahams nicht einbauen wollen.

Für Abraham dürfte Evan N'Dicka in die Startelf rutschen. Ansonsten bleibt wohl alles beim Alten. Amin Younes konnte sich zuletzt bei seinem Kurzeinsatz in Köln zwar durchaus empfehlen, für einen Einsatz von Beginn an reicht es für den Neuzugang aber laut Trainer Adi Hütter noch nicht.

Die mögliche Eintracht-Aufstellung gegen die Bayern

Den einen oder anderen Wechsel mehr könnte es bei den Bayern geben. Nach dem Champions-League-Spiel unter der Woche gegen Atletico Madrid, das mal eben locker mit 4:0 gewonnen wurde, stellte Coach Hansi Flick eine kleinere Rotation in Aussicht. Serge Gnabry fehlt nach einem positiven Corona-Test ebenso wie der rotgesperrte Corentin Tolisso. Dafür kehrt Leroy Sané nach Verletzung zurück, soll aber erstmal auf der Bank Platz nehmen.

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So könnten die Bayern spielen

Neuer - Pavard, Boateng, Süle, Hernandez - Kimmich, Goretzka - Coman, T. Müller, Douglas Costa - Lewandowski

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Das sagen die Trainer

Adi Hütter: "Wir wissen natürlich, dass Bayern der klare Favorit ist. Aber es ist wichtig, dass wir versuchen, unser eigenes Spiel durchzuziehen. Wir werden leiden müssen. Wir werden laufen müssen, das wird die Basis sein. Wenn wir passiv sind, wird es nicht angenehm werden für uns."

Hansi Flick (Bayern): "Ich erwarte einen Gegner, der sehr gut und aggressiv verteidigt. Die Eintracht spielt mit viel Leidenschaft, ist sehr laufstark und setzt den Gegner immer wieder unter Druck. Dazu haben sie mit Kamada einen Spieler, der weiß, wie man den Ball behauptet. Und Hinteregger ist für einen Verteidiger ein Ausnahmespieler in der Offensive. Für uns ist es wichtig, dass wir die Räume finden und nutzen."

Auf diese Spieler gilt es zu achten

Also: da wären Manuel Neuer, Joshua Kimmich, Leon Goretzka, Thomas Müller, Kingsley Coman, Robert Lewandowski – und die restlichen gut 20 Bayern-Profis. Individuell, das ist klar, kann es die Eintracht natürlich nicht mit den Münchnern aufnehmen. Vielleicht bringen Filip Kostic oder André Silva an guten Tagen die Qualität für einen Kaderplatz beim Serienmeister mit. Dummerweise fällt ausgerechnet Kostic aktuell noch verletzt aus.

Bei der Eintracht muss vielmehr das Kollektiv überzeugen. Weite Wege gehen, füreinander Löcher stopfen und irgendwie Lewandowski in den Griff bekommen. Die Frankfurter müssen an ihre Leistungsgrenze kommen und den Bayern mit ihrem körperbetonten Spiel die Freunde am Kombinieren nehmen. Wenn das gelingt, braucht es dann noch eine gute Chancenverwertung. Da ist wiederum André Silva gefragt. Kurzum: Spielglück muss her.

Statistik des Spiels

Die Zahlen könnten verheerender kaum sein. Aus den letzten 15 Spielen bei den Bayern holte die Eintracht einen (!) von 45 möglichen Punkten – die vergangenen elf Partien wurden allesamt verloren. Mit einer weiteren Niederlage wären die Hessen zugleich der gerngesehenste Gast der Münchner Bundesliga-Historie: Wie die Eintracht verlor bislang nur der HSV 40 Mal bei den Bayern, jetzt droht für die Frankfurter Niederlage Nummer 41.

Doch weil jede Serie irgendwann mal enden muss, gibt es auch ein paar aufbauende Statistiken aus Eintracht-Sicht: Seit immerhin sechs Auswärtsspielen ist das Team von Adi Hütter saisonübergreifend ungeschlagen, vier Siege und zwei Remis sprangen dabei heraus. Die letzte Bundesliga-Niederlage auf fremdem Platz gab es - na klar – Ende Mai mit 2:5 beim FC Bayern.