Filip Kostic (li.) und Davy Klaassen stehen sich am Sonntag wieder gegenüber.

Langeweile ist nicht zu befürchten, wenn Eintracht Frankfurt und Werder Bremen am Sonntag in der Bundesliga aufeinandertreffen. Weshalb die Hessen einen antiquierten Spielstil favorisieren könnten? Hier erfahren Sie's.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Eintracht empfängt starke Bremer - Hoffen auf Hasebe

Spielszene Eintracht Bremen
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Nach dem Spiel ist vor dem Spiel: Knapp 70 Stunden nach dem Abpfiff im Europacup-Spiel bei Vitoria Guimaraes (1:0) muss Eintracht Frankfurt in der Bundesliga ran. Die Mannschaft von Trainer Adi Hütter empfängt am Sonntag (18 Uhr) Werder Bremen zum Abschluss des 7. Spieltags.

Die Ausgangslage

Könnte aus Sicht der Gastgeber durchaus schlechter sein. Dreier in der Liga bei Union Berlin, Dreier in Portugal: Eintracht Frankfurt nimmt Anlauf für den nächsten goldenen Herbst. Zur Erinnerung: Im vergangenen Jahr holten die Hessen aus sechs Bundesliga-Spielen im Oktober und November sagenhafte 16 Punkte (5 Siege, ein Remis). Gelingt ein Erfolgserlebnis gegen Bremen, machen sich die Frankfurter wohl dauerhaft im oberen Tabellendrittel breit.

Werder hat sich nach einem klassischen Fehlstart mit Niederlagen gegen Düsseldorf und Hoffenheim gefangen. Trotz beispielloser Verletztenmisere ließ Florian Kohfeldt am Weserstrand nie Unruhe aufkommen. Der Lohn waren sieben Punkte aus den vergangenen vier Partien, darunter zuletzt einer beim 2:2 in Dortmund. Mit einem Sieg in Frankfurt würde der SVW nach Punkten gleichziehen.

Das Personal

Bei der Eintracht könnte Makoto Hasebe nach seiner Gehirnerschütterung in den Kader und die zentrale Position der Dreierabwehrkette zurückkehren. David Abraham hingegen wird seine Rückenprobleme in jedem Fall über die Länderspielpause auskurieren. Bei den restlichen Frankfurtern wird abzuwarten sein, ob sie den anstrengenden Portugal-Trip aus den Beinen schütteln können. Die eine oder andere Verschnaufpause wird es sicher geben.

Die Frage "Wen lass' ich heute draußen?" würde sich Hütters Gegenüber gern mal stellen. Die Bremer Mannschaft stellte sich bislang eigentlich immer von selbst auf, phasenweise fehlten zehn Verletzte zugleich. Abwehrspieler Ömer Toprak, der ins Team zurückkehrenen sollte, musste das Abschlusstraining mit Wadenproblemen abbrechen. Immerhin meldeten sich Milos Veljkovic und Sebastian Langkamp fit. Außerdem feierte Angreifer Milot Rashica in Dortmund ein starkes Comeback.

So könnte Frankfurt spielen:

Aufstellung Eintracht Bremen

So könnte Bremen spielen: Pavlenka - Lang, Gebre Selassie, C. Groß, Friedl - Sahin - M. Eggestein, Klaassen - Bittencourt, Rashica - Sargent

Das sagen die Trainer

Adi Hütter: Mit Florian Kohfeldt haben sie einen guten Trainer, der einen offensiven Ansatz verfolgt. Sie spielen einen sauberen, technisch anspruchsvollen Fußball und sind insbesondere bei Standards brandgefährlich. Sie haben zuletzt in Dortmund eine ansprechende Leistung gezeigt, ein Sieg wäre meiner Meinung nach nicht unverdient gewesen. Mit Milot Rashica hat ein Spieler sein Comeback gefeiert, der mit seiner hohen Geschwindigkeit ein ständiger Unruheherd ist. Der Sieg von gestern gibt uns Aufwind. Darüber hinaus wollen wir die Heimniederlage aus der vergangenen Saison vergessen machen.

Florian Kohfeldt (Werder Bremen): Ihr Spiel ist von hoher Intensität und Physis geprägt. Sie spielen mit viel Offensivpower und wollen das Geschehen an sich reißen. Ähnlich wie wir. Das Auswärtsspiel in der vergangen Saison war ein Spektakel mit vielen Emotionen und einem dauernden Hin und Her. Am Sonntag erwarte ich auch ein stimmungsvolles Spiel zweier Traditionsvereine.

Auf diese Spieler gilt es zu achten

Auch wenn Adi Hütter grundsätzlich kein Fan von antiquiertem Gebolze ist: Das Erfolgrezept der Eintracht könnte ganz simpel und klassisch "Hoch und weit bringt Sicherheit" lauten. Denn wenn die Bremer eins nicht können, dann ist das verteidigen. Im Speziellen: Kopfbälle verteidigen. 14 Gegentore gab es bislang in der Liga, sieben davon fielen per Kopf. Das gab es seit Beginn der Datenaufzeichnung tatsächlich noch nie zu diesem Zeitpunkt.

Die traditionell ohnehin gefährlichen Kopfballspieler wie Bas Dost, Goncalo Paciencia oder Martin Hinteregger dürften damit eine große Rolle in den Überlegungen von Eintracht-Trainer Hütter spielen. Standardsituationen werden umso wichtiger. Und vielleicht gräbt im Frankfurter Stadtwald ja noch jemand ein Kopfballpendel rechtzeitig zum Abschlusstraining aus.

Gefährlichster Bremer ist zweifellos Milot Rashica. Davon durfte sich zuletzt der BVB ein Bild machen, davor warnt sicher auch Hütter im Vorfeld der Partie seine Spieler. Und sonst? Alle Augen auf Claudio Pizarro. Der ewige Torjäger und Lebemann kommt in seiner voraussichtlich letzten Saison meist von der Bank und steht nebenbei vor einem Novum: Gelingt ihm ein Tor, wäre er der erste Bundesliga-Spieler überhaupt, der im Alter von 41 Jahren trifft. Legende!

Die Statistik des Spiels

Man könnte stattdessen auch nach der Zahl des Spiels fragen. Die lautet 96. So oft schossen, köpften oder grätschten sowohl die Eintracht als auch Bremen an den ersten sechs Spieltagen aufs gegnerische Tor. Öfter taten das nur die Bayern, nämliche ganze 101 Mal. Die Ausbeute ist bei beiden Teams ausbaufähig: Während Werder bislang zehnmal jubeln konnte, steht die Eintracht noch bei neun Saisontoren.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! bundesliga, 06.10.2019, 21.45 Uhr