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Das Nachwuchszentrum am Riederwald ist Schauplatz einer Spionage. Bild © Rhode/Storch

Der ehemalige Frankfurter U17-Coach Frank L. soll eine Datenbank von RB Leipzig genutzt haben, um sich illegal über Talente zu informieren. Der Schaden für Eintracht Frankfurt ist groß, um eine gezielte Aktion gegen RB soll es sich aber nicht handeln.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found ISB-Anwalt Heilmeier über den Spionage-Fall um Eintracht Frankfurt

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Es klingt wie ein unbedachter Lausbubenstreich und könnte nun weitreichende Folgen für Eintracht Frankfurt haben: Der langjährige Jugendtrainer Frank L. soll sich von einem bei RB arbeitenden Freund das Leipziger Passwort zu einer kostenpflichtigen Datenbank besorgt und so Informationen zu Jugendspielern abgerufen haben. Wird schon keiner merken.

Insgesamt 17 Monate und stolze 5.664 illegale Zugriffe ging alles gut, dann flog L. auf und bei der Eintracht raus. Die Bild-Zeitung hatte zuerst über den Fall berichtet.

ISB will Eintracht vor Gericht zerren

Doch was ist genau passiert? Am 28. März verkündeten die Hessen, dass L. aus persönlichen Gründen um die Auflösung seines Vertrages gebeten habe. Nach knapp zwei Jahren in Frankfurt und auf Tabellenplatz vier, als Trainer einer der besten Jahrgänge der vergangenen Zeit.

Genau zwei Monate später ist der wahre Grund der Trennung klar: L. nutzte verbotenerweise das jährlich 17.000 Euro teure Scouting-Tool des Unternehmens "International Soccer Bank" (ISB) und wird sich wohl bald vor dem Frankfurter Landgericht verantworten müssen. Da die Gespräche zwischen der ISB und der Eintracht zu keinem Ergebnis gekommen seien, werde nun die Klage vorbereitet, sagte ISB-Anwalt Daniel Heilmeier dem Bayrischen Rundfunk. Auf die Eintracht könnte eine Schadensersatz-Forderung in sechsstelliger Höhe zukommen.

"Nach allen bisherigen Erkenntnissen hat sich ein Mitarbeiter des Vereins unberechtigten Zugriff auf die von RB Leipzig betriebene Nachwuchs-Scouting-Datenbank verschafft", teilte Präsident Peter Fischer dem hr-sport in einer Stellungnahme mit. Eine umfassende Untersuchung im einvernehmlichen und transparenten Austausch mit RB sei bereits eingeleitet. Beide Vereine sollen eine außergerichtliche Einigung anstreben.

L. ist sportlich ein Verlust

Neben dem finanziellen Schaden und dem beschädigten Image hat der Spionage-Fall allerdings auch erhebliche Auswirkungen auf den sportlichen Bereich. L., der seit mehr als 20 Jahren im Nachwuchsbereich arbeitet, hatte am Riederwald einen hervorragenden Ruf. Er war akribisch, kompetent und erfolgreich. Nicht wenige hielten ihn für den besten Eintracht-Jugendtrainer.

2018 bewahrte L. die chronisch abstiegsgefährdete U19 als Feuerwehrmann vor dem Absturz in die Hessenliga, in dieser Saison führte er die U17 in die Bundesliga-Spitzengruppe.

Warum aber dann der Griff zu kriminellen Tricks? Nach Informationen des hr-sport sollen L. die Scouting-Methoden und -Möglichkeiten der Eintracht zu wenig umfangreich gewesen sein. Während die zahlungskräftigen Konkurrenten Spieler aus aller Herren Länder in ihre Leistungszentren lockten, blieb den Hessen oft nur B-Ware. Immer wieder boten Berater L. und seinen Kollegen junge Talente an, ohne Hintergrundinformationen ist die Verpflichtung eines Teenagers aber immer ein Wagnis. Also besorgte sich L. die benötigten Infos in der Datenbank von RB Leipzig. Mit einer Einschränkung.

Wohl kein Schaden für RB

Denn Spieler, die auf der Wunschliste der Sachsen standen, soll L. bei seiner Spionage nicht ins Visier genommen haben. "Die bisherigen Feststellungen lassen eindeutig den Schluss zu, dass Eintracht Frankfurt aus den unberechtigt abgerufenen Daten keinerlei Vorteil gezogen hat", stellte Fischer klar.

Ein direkter Schaden für die Leipziger, die diese Version bestätigen, soll demnach nicht entstanden sein. Man gehe nicht davon aus, dass es einen Zusammenhang zwischen den Zugriffen auf die Datenbank und Spielerverpflichtungen seitens der Frankfurter gegeben habe, sagte RB-Kommunikationsdirektor Florian Scholz der Bild.

Inwieweit L. für den Schaden, den der Eintracht entstehen könnte, haften muss, ist noch nicht klar. Seine fachlichen Kompetenzen werden aber wohl auch in Zukunft gebraucht. Nach Informationen des hr-sport soll der 47-Jährige kurz vor einem Engagement in Kasachstan stehen. Bei Erstliga-Club Kairat Almaty soll er die Leitung der Nachwuchs-Akademie übernehmen.

Sendung: hr-fernsehen, hessenschau, 28.05.19, 19.30 Uhr