Eine Collage: Links Ante Rebic im Zweikampf, rechts Frazier im Boxkampf gegen Ali
Ante Rebic ist der Frankfurter Vorkämpfer, auch wenn er natürlich niemanden niederschlägt wie Frazier Ali (rechts) Bild © Imago, picture-alliance/dpa

Die Eintracht rollt derzeit unaufhaltsam durch die Bundesliga. Mit ihrem Dauerdruck erinnern die Frankfurter dabei an einen der größten Boxer aller Zeiten: Joe Frazier.

Die Eintracht ist derzeit der Joe Frazier der Fußball-Bundesliga. Frazier, Box-Legende der 70er, war der Erzrivale des großen Muhammad Ali. Sein Training mit Rinderhälften im Schlachthaus diente als Vorbild für den Kinofilm Rocky. Aber vor allem war Frazier das Sinnbild eines "Pressure-Fighters", des stets nach vorne marschierenden Boxers. Dieser Kampfstil passt zum derzeitigen Auftreten der Eintracht wie die - Verzeihung - Faust aufs Auge.

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Die Eintracht im heimspiel!

Die Eintracht ist am Montagabend ab 23.15 Uhr auch Thema im heimspiel! des hr-fernsehens. Mit dem Brasilianer Chris ist ein Ex-Eintracht-Profi zu Gast, der zu seiner Zeit auch stets für aggressives Vorgehen stand.

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Smokin'Joe, Volldampf-Joe, so Fraziers passender Spitzname, kannte von Beginn an nur eine Gangart: Drauf, den Gegner unter Stress setzen. Zunächst kann man die Schläge noch blocken, je nach Qualität kürzer oder länger. Aber selbst diese Treffer auf die Schulter oder die Oberarme tun weh. Richtig weh. Und sie machen mürbe und müde. Irgendwann sinken Reaktion und Konzentration und plötzlich rutschen die ersten Hiebe durch. Dann geht einer auf die Leber, einer trifft das Kinn.

"Mit ihrer Wucht erschlagen"

Genauso war es auch beim Eintracht-Sieg gegen Schalke am vergangenen Bundesliga-Spieltag. Eine Stunde konnten die Gäste den Frankfurter Dauerdruck eindämmen, bekamen immer noch ein Bein dazwischen, waren gerade noch schnell genug, um abzublocken. Die beiden Teams neutralisierten sich, sagt man da gerne. Aber das stimmt nicht. Denn die Eintracht wird momentan offenbar mit jedem Zweikampf, jedem Sprint stärker, während der Gegner unter dem Druck leidet.

Jovic, Haller und Rebic jubeln gemeinsam.
Frankfurts "magisches Dreieick" trifft nicht nur, sondern erzeugt enorm viel Druck. Bild © picture-alliance/dpa

So kommt es zu Situationen wie in der 60. Minute, als Salif Sané einen eigentlich ungefährlichen langen Ball in Richtung Mittelkreis klärte. Dort – vom Frankfurter Dauerdruck physisch und psychisch müde gespielt – konnten sich die Schalker Sechser nicht mehr gegen Ante Rebic wehren. Der Eintracht-Prellbock preschte dazwischen und legte so den Grundstein für die 1:0-Führung und ultimativ für den Sieg. "Sie haben uns mit ihrer Wucht erschlagen", sagte Schalkes Coach Domenico Tedesco später über das Frankfurter Frazier-Prinzip.

Die Kraft der Jugend hilft

Keiner verkörpert diese Philosophie wie Rebic. Der kroatische WM-Finalist ist einer der Typen, die man als Mitspieler liebt und als Gegner hasst. Einer, der in jedem Zweikampf mit Vollgas rauscht, bei dem jeder Kontakt irgendwo weh tut und der sich in den Hinterkopf frisst wie ein kaltes Eis bei empfindlichen Zähnen. Man hat schon vor dem Zubeißen Angst vor dem Schmerz. Vielen Verteidigern sieht man das Unwohlsein regelrecht an, wenn der Frankfurter Stürmer loslegt.

Woher die Frankfurter diese Energie nehmen – und wie lange sie hält – ist unklar. Sicher scheint, die ungeschlagene Serie von mittlerweile neun Spielen macht die Beine leicht. Und: Die Eintracht-Pressingmaschine wird von der Kraft der Jugend befeuert. Filip Kostic ist mit 26 Jahren schon der Senior der vordersten Angriffsfront, Rebic, Danny da Costa (beide 25), Sébastien Haller (24) und Luka Jovic (20) sind sogar noch jünger und zumindest körperlich auf ihrem Zenit. So wie Schwergewichtslegende Joe Frazier, als er mit 27 Jahren seinen größten Erfolg feierte. Im "Kampf des Jahrhunderts" schickte er Ali im Jahr 1971 zu Boden und schlug ihn nach Punkten. Der "Größte" war dem Druck von Frazier nicht gewachsen. Kein ganz schlechtes Vorbild also für die Eintracht.

Boxer Joe Frazier
Boxlegende Joe Frazier war der erste Mann, der Ali besiegte. Bild © Imago