Freundschaftlich ging es nur auf dem Rasen zu: Hier tröstet Roms Correa den verletzten Frankfurter Hasebe.
Freundschaftlich ging es nur auf dem Rasen zu: Hier tröstet Roms Correa den verletzten Frankfurter Hasebe. Bild © Imago Images

Eintracht Frankfurt pflügt ohne Punktverlust durch die Vorrunde in der Europa League. Die Freude über den deutschen Rekord wird durch den Rauch der Böller in Rom und die Sorge um Abwehrchef Hasebe getrübt.

Videobeitrag
huebner

Video

zum Video Hübner: "Es macht einfach Spaß"

Ende des Videobeitrags

Eintracht Frankfurt beendet die Gruppenphase der Europa League mit einer makellosen Bilanz von sechs Siegen nach sechs Spielen. Die Tore zum abschließenden 2:1 bei Lazio Rom erzielen Mijat Gacinovic und Sébastien Haller. Für Wirbel sorgte das Geschehen auf den Tribünen. Eine Analyse in fünf Punkten.

Historisch gut

Man muss es sich noch einmal kurz vor Augen halten. In einer Gruppe mit dem Vorjahresfinalisten Olympique Marseille und dem italienischen Schwergewicht Lazio Rom ging an Eintracht Frankfurt kein Weg vorbei. Sechs Spiele, 18 Punkte, 17:5 Tore. Eine insgesamt 450-minütige Machtdemonstration. Und ein Kunststück, das bislang keiner anderen deutschen Mannschaft im Europapokal gelang.

"In einer derart schweren Gruppe diesen Rekord aufzustellen, ist schon stark", gab Trainer Adi Hütter nüchtern zu Protokoll. Euphorischer zeigte sich Bruno Hübner: "Wir haben Geschichte geschrieben. Das wird jetzt immer in Verbindung mit Eintracht Frankfurt bleiben", jubelte der Sportdirektor. Dass der abschließende Sieg mit einer verstärkten B-Elf eingefahren wurde, machte vor allem Ersatzkapitän Marco Russ stolz. Eintracht Frankfurt international – bislang eine reine Erfolgsgeschichte.

Fan-Krawalle trüben die Stimmung

Restlos glücklich waren die Frankfurter am späten Donnerstagabend dennoch nicht. Das lag allerdings an den Rahmenbedingungen im Stadio Olimpico von Rom. Randale in der Fankurve trübte die Stimmung hinterher merklich. "Bei mir kommt keine richtige Freude über das Spiel und den Sieg auf", sagte Vorstandsmitglied Axel Hellmann. "Eine kleine Gruppe hat das Spiel missbraucht, um ihre private Auseinandersetzung mit Lazio Rom zu führen. Diese kleine Gruppe nimmt alle anderen Fans in Sippenhaft, was die Wahrnehmung und Stimmung betrifft. Das schadet Eintracht Frankfurt."

Während des Spiels hatten Eintracht-Fans Böller gezündet, später auch auf Provokationen der Lazio-Fans hin, sich aber auch vor dem Anpfiff schon Auseinandersetzungen mit der italienischen Polizei geliefert. Wie am Freitag bekannt wurde, nahm die Polizei etwa 15 Frankfurter fest.

Ihnen droht nun ein juristisches Nachspiel – wie übrigens auch der Eintracht: Beim Club herrscht nun die Sorge vor möglichen Strafen seitens der UEFA. Über finanzielle Sanktionen hin zu Teilausschlüssen der Fans bei Heim- oder Auswärtsspielen ist vieles denkbar. Selbst das Wort "Geisterspiel" fiel im Umfeld des Teams. Das ist umso trauriger, wenn man bedenkt, mit welcher Leidenschaft und Lautstärke der Anhang der Hessen den sportlich nur noch zweitrangigen Europacup bislang aufgewertet hat. "Im Endeffekt werden nicht die handelnden Personen bestraft, sondern der Verein und 99,8 Prozent der anderen Fans", brachte es Russ auf den Punkt.

Ein vermummter Frankfurter Anhänger schleudert einen brennenden Bengalo von der Tribüne. Die Partie dürfte für Frankfurt ein Nachspiel haben.
Ein vermummter Frankfurter Anhänger schleudert einen brennenden Bengalo von der Tribüne. Die Partie dürfte für Frankfurt ein Nachspiel haben. Bild © Imago Images

Der Oberschenkel der Nation

Ein weiterer Wermutstropfen, diesmal aus sportlicher Sicht, ist die Verletzung des Unverzichtbaren: Eine gute halbe Stunde war gespielt, als sich Makoto Hasebe im harmlosen Laufduell mit Joaquin Correa an den hinteren Oberschenkel griff. Ein kleiner Stich beendete den Arbeitstag des Japaners, der als ordnende Hand in der Abwehrkette sowie in der Spieleröffnung unersetzlich ist.

Wie teuer der Sieg in Rom wirklich erkauft war, stand am Freitagmorgen noch nicht fest. "Ich hoffe, dass es nur eine leichte Zerrung ist", sagte Sportdirektor Hübner vorbehaltlich der noch ausstehenden Untersuchungen. So oder so dürfte es bis zum Heimspiel gegen Leverkusen am Sonntag kaum reichen. Auch der Jahresabschluss gegen Mainz und Bayern in der kommenden Woche steht auf der Kippe.

War noch was?

Ach ja, Fußball gespielt wurde auch noch, und zwar über weite Strecken nicht sonderlich aufregend. Die Eintracht kam als bereits feststehender Gruppensieger im zweiten Anzug daher, der verständlicherweise hier und da zwickte. Gleiches galt für die Gastgeber. Die gingen durch einen Treffer des hochveranlagten Correa in Führung (56.) und schienen die Eintracht damit doch arg zu kitzeln. Es folgte die druckvollste Phase der Hessen.

Weil aus dem Spiel heraus aber nur wenig zusammenlief, fasste sich Gacinovic in der 65. Minute ein Herz. Aus dem Rückraum dribbelte er in einen Pulk Römer, strich den Ball mit der Sohle an zwei Gegenspielern vorbei, um ihn dann mit einer Mischung aus Gewalt und Präzision aus rund 20 Metern direkt im Winkel zu versenken. Ein kleines Kunstwerk, das man auch gut und gerne im Vatikanischen Museum ausstellen könnte.

Alle Augen nach Nyon

Ein paar Mal im Jahr wird das beschauliche 20.000-Einwohner-Städtchen Nyon im schweizerischen Kanton Waadt zum Nabel der Sportwelt. So auch in der kommenden Woche, wenn Männer in Anzügen kleine Bällchen aus durchsichtigen Töpfen ziehen und unter großem Applaus Vereinsnamen vorlesen. Die Auslosung der K.o.-Phasen in Champions- und Europa League ist für Millionen von Fußballfans weltweit das Highlight im Monat Dezember.

Kaum erwarten kann es auch Eintracht-Verteidiger Russ. "Wir werden das alle verfolgen", kündigt er an. Die Eintracht befindet sich nach dem Durchmarsch in Gruppe H im ersten Lostopf und darf damit auf einen schwächeren Gegner hoffen. Während sich die meisten Verantwortlichen bei der Eintracht mit Wünschen in der Öffentlichkeit höflich zurückhielten, ließ sich Russ ein paar Namen entlocken: "Wir hoffen auf eine tolle Mannschaft wie etwa aus Istanbul oder Celtic Glasgow, wo die Stimmung toll ist." Bis Montagmittag müssen sich alle noch gedulden, ab 13 Uhr werden die Paarungen ausgelost.

Videobeitrag
lazio-sge

Video

zum Video Russ: "Jetzt sind wir gut gerüstet"

Ende des Videobeitrags