Goncalo Paciencia und Sebastien Haller
Goncalo Paciencia und Sebastien Haller bejubeln den Sieg gegen Düsseldorf Bild © Imago Images

Ein Okocha-Double, ein Tor-Klon und viel Spielglück: Zwischen den Partien gegen Inter hat die Eintracht das Tagesgeschäft Bundesliga souverän gemeistert. Die Fans sahen dabei nur das halbe Spiel, verpassten aber kaum etwas. Die Analyse in fünf Punkten.

Eintracht Frankfurt gewinnt das Auswärtspiel in Düsseldorf mit 3:0. In der von Fanprotesten begleiteten Partie schossen Goncalo Paciencia (48.) und der eingewechselte Sébastian Haller (90.+1, 90.+3) die Tore für die Hessen.

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Adi Hütter

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Die Eintracht-Fans protestieren weiter

"Montag ist haram", hieß es beim letztjährigen Montagsspiel-Protest der Eintracht-Fans, und auch nach der Ankündigung der DFL, ab 2021 auf Montagsspiele zu verzichten, protestierten die Fans weiter – und ließen den Fanblock in Düsseldorf in den ersten 45 Minuten leer. Was zu der kuriosen Situation führte, dass tausende Frankfurter Fans die erste Halbzeit in den Stadionkatakomben auf handgezählten vier Fernsehbildschirmen verfolgten.

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hemo

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Sonderlich viel passierte nicht, die Tore fielen erst nach der Pause, als die Eintracht auf eine dann gut gefüllte Fankurve spielte, die es irgendwie schaffte, in 45 Minuten Lärm zu machen, der locker für 90 Minuten gereicht hätte. Ob es einen kausalen Zusammenhang zwischen Support und Leistungssteigerung gab, ist schwer zu sagen. Auszuschließen ist es aber nicht.

Goncalo Paciencia verschlechtert seine Torquote

Eine Leistungssteigerung gibt es auf jeden Fall bei Goncalo Paciencia zu erkennen, außerdem zugleich eine Leistungsminderung. Klingt widersprüchlich, erklärt sich aber dadurch, dass Paciencia in seinen vier Kurzeinsätzen vor dem Spiel in Düsseldorf zwei Tore schoss und so im Schnitt alle 23 Minuten traf.

In seinem ersten Startelfeinsatz lieferte der Portugiese nun mit seinem Tor zum 1:0 den wichtigen Dosenöffner, der zudem eine Art Klon seines Siegtreffers gegen Hoffenheim war. So hat Paciencia zwar seine Torquote verwässert, sich aber wieder ein Stück näher an die Mannschaft gespielt. Mit Fortsetzung in Mailand? "Ich bin am Donnerstag auf jeden Fall bereit", so Paciencia. "Die Entscheidung liegt aber beim Trainer."

Sébastien Haller macht den Jay-Jay

Das stimmt allerdings nur bedingt, denn ein Sébastien Haller in seiner aktuellen Form gibt dem Trainer ordentlich Entscheidungshilfe. Dabei ist es nicht nur die Tatsache, dass Haller so verlässlich trifft wie noch nie in seiner Karriere, auch die Art und Weise ist bemerkenswert. Beim 4:0-Sieg gegen Shaktar Donezk machte Haller den Fjörtoft, als er vor seinem Treffer zum 3:0 den Übersteiger auspackte. Nun wackelte er vor seinem entscheidenden 2:0 in feinster Jay-Jay-Okocha-Manier Fortuna-Keeper Michael Rensing aus, dass irgendwo in München Oliver Kahn die Nase gejuckt haben dürfte.

Vielleicht ist es ja ein kleiner Scherz von Haller oder eine Sympathiebekundung an seinen aktuellen Klub, dass er nun in regelmäßigen Abständen Tore schießt, die durchaus wie kleine Hommagen an jene berühmter Vorgänger im Eintracht-Dress wirken. Ob Haller also demnächst zum Christoph-Preuß-Fallrückzieher ansetzt oder den Alex-Schur-Abstauber macht, bleibt abzuwarten. Klar ist: Der Mann ist vor dem Tor kälter als eine Hundeschnauze.

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Adi Hütter

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Adi Hütter nach dem Spiel in Düsseldorf

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Fortunen ohne Schiri-Fortune

Am anderen Ende des Thermometers bewegte sich über weite Strecken des Spiels Fortuna-Coach Friedhelm Funkel. Der Ex-Frankfurter haderte mit einigen Schiedsrichterentscheidungen, die den Spielverlauf durchaus in Richtung Düsseldorf hätten ausschlagen lassen können. Zunächst wurde nach viel Verwirrung ein frühes Tor von Dawid Kownacki nicht gegeben, der im Abseits gestanden hatte. Dann nahm Schiedsrichter Robert Hartmann unter Einsatz des VAR auch noch einen von Martin Hinteregger verursachten Handelfmeter für die Fortunen wieder zurück.

"Ich habe mich am meisten über den Schiedsrichter geärgert", sagte Funkel dementsprechend nach Partie, Hartmann soll sich in der Pause sogar beim Fortuna-Coach entschuldigt haben. Allein: Beim Abseitstor von Kownacki lag Hartmann richtig, weil Dodi Lukebakio den von Jonathan de Guzman gespielten Ball noch abfälschte. Auch den Elfmeter kann, muss man aber nicht geben. Heißt: Nur weil Fortuna auf dem Trikot steht, bedeutet das noch lange nicht, dass man auch Fortune hat. Das Spielglück lag an diesem Abend bei den Frankfurtern.

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Sebastian Rode

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Zwölf Frankfurter auf dem Platz

Von denen, auch wenn es in der offiziellen Aufstellung anders vermeldet wurde, genau genommen zwölf auf dem Platz standen. Mit dem nach Düsseldorf ausgeliehenen Aymen Barkok nämlich zog ein gebürtiger Hesse die Fäden im Fortuna-Mittelfeld, und er tat dies derart ansprechend, dass man bei der Eintracht die leise Hoffnung hegen darf, im Sommer einen Spieler zurückzubekommen, der einen wichtigen Entwicklungsschritt gemacht hat.

Ganz anders als noch im Vorjahr, als Barkok im Dress der Eintracht auflief (oder zumeist auf der Bank saß), zeigte sich der Kreativspieler am Montag gereift, giftig, zweikampfstark und mit guten Ideen. Passierte bei der Fortuna etwas Überraschendes, war meist Barkok der Ausgangspunkt. Für kolportierte fünf Millionen Euro können die Fortunen den 20-Jährigen kaufen, die Eintracht soll sich eine Rückkaufoption gesichert habe. In Düsseldorf könnte er zum Fixpunkt im Mittelfeld werden. Kehrt er nach Hessen zurück, könnte er aller Vorraussicht nach Europacup spielen. Nicht die schlechtesten Optionen.