Eintracht Jubel

Eintracht Frankfurt ist die Mannschaft der Stunde in der Bundesliga und hat die Champions League in Reichweite. Weil die Doppelspitze funktioniert, Daichi Kamada seinen inneren Uwe Bein findet und Erik Durm wieder weltmeisterlich spielt. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht PK Wolfsburg
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Eintracht Frankfurt hat den VfL Wolfsburg mit 4:3 geschlagen und liegt nur noch einen Punkt hinter Platz drei. Wolfsburg ging durch Ridle Baku in Führung (6.), die Eintracht drehte das Spiel durch Treffer von Daichi Kamada (8.) und Luka Jovic (27.) vor der Halbzeit zum 2:1. Nach der Pause sorgte Wout Weghorst für den Ausgleich (46.), bevor André Silva die Hausherren wieder in Front brachte (54.). Erik Durm sorgte mit einem Drehschuss für das 4:2 (60.). In der 85. Minute traf Tuta zum Endstand ins eigene Tor.

1. Spielchen dreh dich!

Es gibt Kernkompetenzen, die eine Fußballmannschaft braucht, will sie Außergewöhnliches leisten. Eine davon ist: sich von Rückschlägen nicht beirren zu lassen. Eine Fähigkeit, in der die Hessen absolute Bundesligaspitze sind. Das Spiel gegen den VfL Wolfsburg war bereits die zwölfte Partie, in dem die Hessen in Rückstand gerieten und dennoch punkteten. Vier davon konnte die Eintracht sogar gewinnen.

Gegen die Wölfe dauerte es dabei nur handgestoppte 1:19 Minuten, bis Daichi Kamada aus dem 0:1 von Ridle Baku ein 1:1 machte. Gegen eine Spitzenmannschaft wie den VfL Wolfsburg brechen andere Teams nach einem Rückstand ein - die Eintracht hingegen drehte richtig auf und das Spiel sogar noch vor der Pause.

2. Die Doppelspitze harmoniert

Aber kein Wunder, wenn man Offensivspieler wie die Eintracht hat. Kamada, André Silva, Luka Jovic, Filip Kostic, auch der zunächst auf der Bank Platz nehmende Amin Younes – sie alle sind absolute Unterschiedsspieler. Was Trainer Adi Hütter mehrere erfolgversprechende taktische Möglichkeiten in der Offensive bietet.

War nach dem Hinspiel gegen den VfL die Doppel-Zehn viele Wochen das sehr erfolgreiche Mittel der Wahl, setzt Hütter seit ein paar Spielen auf die Doppelspitze Silva / Jovic. Das sah zunächst noch ein wenig holprig aus, spätestens gegen den VfL bewiesen die beiden Ausnahmestürmer nun aber, dass sie bestens miteinander harmonieren können. Das 2:1 von Jovic legte Silva mustergültig auf, auch Silva traf später selbst, zum wichtigen 3:2 – bereits der 23. Saisontreffer des Portugiesen. Und mit ein wenig mehr Präzision hätte sich Jovic beinahe revanchiert und Silva das 5:2 serviert. Der Pass geriet zu schlampig - an der Erkenntnis, dass Silva und Jovic mehr und mehr zusammenfinden, ändert das aber nichts.

3. Kamada wie einst Uwe Bein

Auch das beste Sturmduo hängt allerdings in der Luft, wenn von den Spielern dahinter nichts kommt. Doch da kam am Samstag einiges. Insbesondere Kamada schwang sich zu einer herausragenden Leistung auf, schoss ein Tor selbst, bereitete ein weiteres vor und sorgte immer wieder mit Uwe-Bein-artigen Steckpässen für Gefahr. "Daichi Kamada war der 'man of the match' hinter der Doppelspitze", sagte Hütter nach dem Spiel völlig zurecht.

Auffällig dabei: Kamada ist vor allem dann zur Stelle, wenn es gegen die Top-Teams geht. Vier seiner fünf Saisontore schoss er gegen Borussia Dortmund, Bayern München, RB Leipzig und nun Wolfsburg. Sollte es nächste Saison für die Hessen also tatsächlich durch die Königsklasse gehen und der ein oder andere internationale Topclub im Frankfurter Stadtwald vorstellig werden, kann man wohl mit Kamada-Treffern rechnen.

4. Der Weltmeister ist zurück

Apropos Königsklasse: Rechtsaußen Erik Durm sprach offen aus, was nach dem Spiel wohl alle dachten: "Das Ziel ist jetzt die Champions League." Am Erreichen ebenjener wirkte Durm am Samstag tatkräftig mit, bereitete das wichtige 1:1 vor und traf dann selbst zum noch wichtigeren 4:2. Durms erster Treffer in der Bundesliga seit dem 2. März 2016 - damals noch für den BVB gegen Darmstadt 98.

Durms Sahnevorstellung ist vor allem deshalb bemerkenswert, weil er vor der Saison als Wechselkandidat galt und lange Zeit überhaupt keine Rolle spielte. Als er dann in die Startelf rotierte, war das für viele Beobachter eine ziemliche Überraschung - und höchstens eine Notlösung. Aber Durm spielte sich fest, zunächst als solider Kicker für die ehrliche Fußballarbeit, gegen Wolfsburg nun sogar als Leistungsträger. Und plötzlich weiß man wieder, warum der Mann 2014 mit zur Weltmeisterschaft fahren durfte.

5. Es knistert in Frankfurt

Auch wenn Hütter nach dem Spiel auf die Bremse trat ("Wir stehen aber mit noch gar keinem Bein in der Champions League und sollten nicht den Tag vor dem Abend loben"), hat Durm nicht Unrecht: Bei sieben Punkten Vorsprung auf Borussia Dortmund (Rang 5) ist die Chance auf die Königsklasse größer denn je; sie muss jetzt das Ziel sein. Ein Traum, der mit jedem Spiel realistischer wird.

Das merken auch die Fans, von denen sich einige am Samstag vor dem Stadion versammelten und die Eintracht anfeuerten. In Zeiten einer Pandemie sicher nicht die beste Idee. Aber es ist ja so: Es passiert Historisches bei der Eintracht, und das schmerzhafterweise ohne die Fans. Deren Gesänge, die auch deutlich im TV zu vernehmen waren, gaben derweil einen kleinen Vorgeschmack darauf, was im Frankfurter Stadtwald los sein könnte, sollten im Spätsommer wieder Fans ins Stadion dürfen und sollte dann tatsächlich die Champions-League-Hymne durchs Rund hallen.

Weitere Informationen

Eintracht Frankfurt – VfL Wolfsburg 4:3 (2:1)

Frankfurt: Trapp - Tuta, Ilsanker, Ndicka - Sow, Rode (89. Hasebe) – Durm (89. Chandler), Kamada (90. Zuber), Kostic - Silva, Jovic (83. Younes)
Wolfsburg: Casteels - Mbabu, Lacroix (66. Pongracic), Brooks, Roussillon -  Schlager (89. Ginzek), Arnold - Baku, Gerhardt (66. Bialek), Brekalo (72. Philipp) - Weghorst     

Tore:  0:1 Baku (6.), 1:1 Kamada (7.), 2:1 Jovic (27.), 2:2 Wegorst (46.), 3:2 Silva (54.), 4:2 Durm (61.), 4:3 Tuta (85./ET)
Gelbe Karten: Ndicka, Rode, Kamada – Mbabu, Arnold

Schiedsrichter: Fritz (Korb)

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