Jubel bei Martin Hinteregger und Daichi Kamada

Die Eintracht gewinnt auswärts, Daichi Kamada trifft und Bas Dost zeigt, wie wertvoll er sein kann. Beim Frankfurter Sieg in Wolfsburg kamen gleich mehrere seltene Dinge zusammen. Die Analyse in fünf Punkten.

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Adi Hütter bei der Pressekonferenz
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Befreiungsschlag im Abstiegskampf: Eintracht Frankfurt gewinnt tatsächlich mal wieder auswärts - 2:1 (1:0) beim VfL Wolfsburg. Die Tore für die Frankfurter erzielten André Silva per Foulelfmeter (27. Minute) sowie Daichi Kamada (85.), für die Gastgeber war Kevin Mbabu erfolgreich (58.). Zudem sah der eingewechselte Lucas Torró in der Nachspielzeit Gelb-Rot.

1. Kamada und die neu entdeckte Torgefahr

Der Knoten ist geplatzt: Nach 24 torlosen Bundesliga-Spielen hat Daichi Kamada endlich die Lizenz zum Toreschießen. Nach seinem Treffer gegen Freiburg unter der Woche legte der Japaner in Wolfsburg direkt nach und sicherte der Eintracht mit seinem trockenen Schuss fünf Minuten vor dem Ende den wichtigen Auswärtsdreier.

Kamada, gemeinsam mit Mijat Gacinovic hinter dem überraschend als einzige Spitze aufgebotenen André Silva, hatte zuvor einige unglückliche Szenen, gipfelnd in einer starken Konterchance, bei der er das Abspiel auf Gacinovic verpasste. Dass er nicht aufgab und am Ende doch noch zum Happy End kam, war sinnbildlich für die ganze Mannschaft - inklusive dem gescholtenen Bas Dost, der nach seiner Einwechslung mit der Torvorlage zeigte, dass er für die Eintracht doch sehr wertvoll sein kann.

2. Der erste Sieg nach der Corona-Pause

Drei Spiele, ein Punkt - das war die Eintracht-Bilanz nach dem Restart bis zum Auftritt in Wolfsburg. Beim 3:3 gegen Freiburg stimmte zumindest die Leistung, nun auch endlich das Ergebnis. "Die Leistungskurve geht nach oben", resümierte Sportdirektor Bruno Hübner zufrieden.

Mit dem langersehnten Dreier verschaffte sich das Hütter-Team nicht nur wichtige Luft im Abstiegskampf, sondern beendet auch noch mehrere Serien: Das 2:1 bei den Niedersachsen war der erste Bundesliga-Sieg seit dem 5:0 gegen Augsburg Anfang Februar und der erste Auswärtsdreier seit dem Sieg in Hoffenheim zum Rückrundenstart im Januar. Mit dem erst dritten Auswärtssieg in der laufenden Saison ist die Eintracht damit aber noch immer das schwächste Team der Liga auf fremdem Platz.

3. Kein Chancen-Feuerwerk, aber Erfolg

35 Torschüsse hatte die Eintracht gegen Freiburg, das Offensiv-Feuerwerk genügte aber nicht zum Sieg. Dieses Mal war es die Effizienz, die für den Erfolg sorgte. Denn die Eintracht hatte nur sieben Torschüsse, Gegner Wolfsburg 19 - und trotzdem stand es am Ende 2:1 für die Frankfurter.

Während vor einigen Tagen unter anderem eine gewisse Lässigkeit bei der Chancenverwertung den Sieg kostete, waren die Frankfurter in Wolfsburg in Form von Silva und Kamada eiskalt vor dem Tor und in Form aller Akteure körperlich präsent. Oder, wie es Timothy Chandler ausdrückte: "Heute haben wir als Mannschaft auf dem Platz gestanden und um jeden Meter gekämpft."

4. Die Null steht schon wieder nicht

Mit Kevin Trapp hat die Eintracht einen starken Rückhalt im Tor stehen, der nicht umsonst Nationalspieler ist. Das zeigte sich auch in Wolfsburg, als er mehrfach in höchster Not rettete. Für eine weiße Weste reichte es aber wieder nicht, denn gegen den Kopfball von Mbabu war auch Trapp machtlos. Das letzte Ligaspiel, in dem er nicht hinter sich greifen musste, war der bereits angesprochene 5:0-Sieg gegen Augsburg am 21. Spieltag.

Dennoch zeigte sich die Eintracht auch in der Defensive stark formverbessert, neben Trapps Händen verhinderten auch immer wieder diverse Abwehrbeine Schlimmeres. Die Umstellung auf Dreierkette und die Re-Installierung von Organisator Makoto Hasebe tut dem Team gut. "Es ist uns gelungen, die Defensive zu stabilisieren", erkannte auch Trainer Hütter.

5. Mit Rückenwind ins wichtige Nachholspiel

Mit den drei Punkten hält sich die Eintracht den kommenden Gegner vom Leib: Werder Bremen, das im zwischenzeitlich aussichtlos erscheinenden Abstiegskampf die zweite Luft bekommt und am Samstag auch auf Schalke dreifach punkten konnte. Eintracht Frankfurt liegt sieben Punkte vor den Bremern, die noch immer den direkten Abstiegsplatz 17 inne haben.

Der ganz große Druck vor dem Nachholspiel an der Weser am kommenden Mittwoch (20.30 Uhr) ist also abgewendet. Mit einem Sieg könnte ein sehr großer Schritt in Richtung Klassenerhalt gemacht werden. Gewarnt sind die Frankfurter trotzdem - und Hütter gab kurz nach dem Abpfiff in Wolfsburg schon die Richtung für das nächste Spiel vor: "Verlieren verboten." Fehlen wird dann übrigens Lucas Torró, der sich in der Schlussphase im Mittelfeld in sämtliche Duelle warf und wenige Sekunden vor Abpfiff mit Gelb-Rot vom Platz flog.