Eintracht-Jubel
Eintracht-Jubel nach dem Sieg gegen Nürnberg Bild © Imago Images

Die Frankfurter Eintracht macht gegen Nürnberg da weiter, wo sie in Mailand aufgehört hat: Sie spielt ansehnlichen und erfolgreichen Fußball, wird aber ein Problem nicht los. Die Analyse in fünf Punkten.

Videobeitrag

Video

zum Video Hütter: "Verdienter Arbeitssieg"

Ende des Videobeitrags

Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt bleibt im Jahr 2019 weiterhin ungeschlagen. Der 1:0 (1:0)-Heimsieg am Sonntag gegen den 1. FC Nürnberg war das 13. Pflichtspiel in Folge ohne Niederlage. Martin Hinteregger brachte die Hessen mit seinem Tor (31. Spielminute) in der Tabelle auf einen Punkt an Champions-League-Rang vier heran.

Die Eintracht bleibt verschwenderisch

Anderer Wettbewerb, selbes Problem: Wie schon beim 1:0 im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League bei Inter Mailand am vergangenen Donnerstag kamen die Hessen auch in der Liga gegen Nürnberg zu zahlreichen Großchancen, von denen sie die allermeisten mangels Konzentration und Genauigkeit im Abschluss aber nicht nutzten. Sage und schreibe 24 Mal schoss oder köpfte der Pokalsieger auf das Gehäuse des Tabellenletzten, perfekt zu Ende gespielt war allerdings nur der Angriff, der zu Hintereggers Treffer führte.

Ansonsten vergaben beispielsweise Filip Kostic (36.) oder Gonçalo Paciência (58.) per Lattentreffer in der ersten wie in der zweiten Halbzeit reihenweise hochkarätige Chancen. Die Folge: Die Schlussphase geriet völlig unnötig zu einer Zitterpartie, an deren Ende sich die Eintracht auch bei Torwart Kevin Trapp bedanken musste. Mit einem herausragenden Reflex vereitelte er die dickste Nürnberger Chance durch den Ex-Darmstädter Hanno Behrens (83.). "Das ist gefährlich", brachte Frankfurts Kapitän Gelson Fernandes die Frankfurter Spielweise auf den Punkt.

Audiobeitrag
Martin Hinteregger am Ball

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hinteregger: "Wenn ich mit Toren helfen kann ..."

Ende des Audiobeitrags

Das Glück des Tüchtigen

Ähnlich kompakt äußerte sich Trainer Adi Hütter, der von einem "verdienten Arbeitssieg" sprach. Ja, selbst das Wort "dreckig" fiel. Für manch einen Betrachter fällt der 13. Saisonsieg aber auch in die Kategorie: das Glück des Tüchtigen. Eine mangelhafte Arbeitseinstellung kann man den Frankfurtern nämlich nicht vorwerfen, ganz im Gegenteil. Nach dem Montagsspiel in Düsseldorf (3:0) sowie der Europacup-Party am Donnerstag dominierten sie den Gegner auch im dritten Spiel binnen einer Woche. Neben der Torschussstatistik sind fast 60 Prozent Ballbesitz oder eine Passquote von 81 Prozent bemerkenswerte wie entscheidende Werte.

Wie so oft in den vergangenen Wochen funktionierten auch gegen Nürnberg die fast schon automatisiert wirkenden Pressing- und Gegenpressing-Abläufe, zudem war erneut Linksaußen Kostic die mitunter wichtigste Säule im Angriffsspiel. So wie in der Bauzeichnung des Siegtreffers: Einen Sensationspass von Luka Jovic leitete Kostic in den Strafraum der Gäste weiter, und dort stand mit Hinteregger ein Innenverteidiger, wo sonst ein Torjäger stehen muss. "Es war ein Instinkt", sagte der Österreicher hinterher. "Ich wusste: Wenn Luka Jovic den Ball hat, dann passiert etwas."

VAR – Volltreffer Ante Rebic

Um eine Sache muss sich Ante Rebic keine Sorgen machen: Sein Comeback, das der Kroate in der 76. Minute bei seiner Hereinnahme für Jovic feierte, wurde von genügend Kameras eingefangen. Und: Diese Bilder haben sich auch wahrlich genügend Menschen angeschaut. Um ein Haar hätte der Offensivspieler, der beide Mailand-Spiele sowie die Partie in Düsseldorf wegen Knieproblemen verpasst hatte, das 2:0 erzielt. Seinen Treffer nahm Video Assistant Referee (VAR) Robert Schröder in Köln nach Erkennen einer Abseitsposition aber richtigerweise zurück (89.). Und sonst? Glänzte Rebic Sekunden nach seiner Einwechslung durch eine druckvolle Balleroberung, er vergab eine weitere Schusschance (82.) und kommt im hessenschau.de-Spielerzeugnis nach gerade einmal 15 Minuten Einsatzzeit auf eine Durchschnittsnote von 2,1. Das nennt man wohl Qualität.

Videobeitrag

Video

zum Video hr-Reporter: "Eintracht erreicht Champions League"

Ende des Videobeitrags

Frankfurts Serie ist Hintereggers Serie

Als wäre es ein Weihnachtswunsch der Frankfurter gewesen, nicht mehr verlieren zu müssen, geht ihre bislang letzte Pflichtspielniederlage auf den 22. Dezember 2018 zurück (0:3 gegen den FC Bayern). Seitdem sind bereits 13 weitere Partien vergangen – neun in der Bundesliga, vier in der Europa League – in denen die Eintracht mindestens ein Unentschieden erreichte. Es ist bereits die zweite große Serie der Mannschaft von Coach Hütter in dieser Saison, in der Hinrunde waren ihr zwischen Ende September und Ende November elf Spiele ohne Niederlage gelungen. Die neue Serie ist in großen Teilen auch die Serie von Torschütze Hinteregger, immerhin hat der Pokalsieger seit dem Wechsel des Abwehrspielers kurz nach der Winterpause kein Match mehr verloren.

Audiobeitrag
Kevin Trapp jubelt

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trapp: "Wir laufen auf der Felge"

Ende des Audiobeitrags

"Ich muss schon ein bisschen schmunzeln, wie gut das im Moment läuft", freute er sich. Mindestens schmunzeln muss vermutlich auch der eine oder andere Eintracht-Fan beim Blick auf die Tabelle. Weil Mönchengladbach beim 1:1 gegen Freiburg Punkte hat liegen lassen, ist Frankfurt auf einen Zähler an einen Champions-League-Platz herangerückt. Sorgen bereitet Kapitän Fernandes da nur eine Sache: "Jetzt müssen wir schauen, dass die Pause unsere Serie nicht kaputtmacht." 

Ultras nehmen auf Mailand-Vorfälle auf sich

Die Folgen des Mailand-Spiels am Donnerstag beeinflussten nicht nur das sportliche Geschehen auf dem Rasen, sondern auch das Drumherum auf den Rängen. In der Arena hingen Plakate aus, auf denen die Ultras Frankfurt die Verantwortung für die im Giuseppe-Meazza-Stadion abgefeuerten Leuchtspuren übernahmen und zudem "interne Konsequenzen" ankündigten. Seit den Fan-Vergehen rund um das Spiel in Rom Mitte Dezember waren die Hessen im Europacup auf Bewährung unterwegs, für das Auswärtsspiel im Viertelfinale bei Benfica Lissabon (11. April) droht ein Zuschauerausschluss. "Es könnte gewaltigen Ärger geben vor der Disziplinarkommission", rechnet Justitiar Philipp Reschke nicht gerade mit Milde seitens der UEFA. Bei der europäischen Fußball-Union wird der Fall am 28. März verhandelt. Es wird also eine spannende Länderspielpause.