Erik Durm nach seinem 4:2-Tor gegen Wolfsburg.

Hinten sicher und vorne mit Scorer-Punkten: Erik Durm trifft erstmals seit fünf Jahren wieder in der Bundesliga und ist nach dem Wahnsinns-Sieg von Eintracht Frankfurt gegen den VfL Wolfsburg vor allem eines: richtig platt.

Audiobeitrag

Audio

Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Erik Durm nach dem Sieg gegen Wolfsburg: "Ich bin total kaputt"

Durm
Ende des Audiobeitrags

Da lag er auf dem Boden, hatte alle viere von sich gestreckt und bekam gerade noch die Faust hoch. Erik Durm sah in der 60. Minute im Spiel der Eintracht gegen Wolfsburg so aus, als habe er gerade zwölf Runden gegen Mike Tyson geboxt. Geplättet war Durm in jedem Fall; das lag zum einen an seiner engagierten Leistung gegen die Wölfe, zum anderen an der Glückseligkeit dieser 60. Minute. Mit einem überlegten Drehschuss hatte Durm zum zwischenzeitlichen 4:2 für die Eintracht im Topspiel getroffen. Erstmals seit März 2016 und 46 Spielen war ihm damit ein Bundesligator gelungen.

"Ich freue mich, heute einen Teil zum Erfolg beigetragen zu haben, auch endlich mit einem Tor. Doch auch wenn ich kein Tor gemacht hätte, hätte ich mich für uns gefreut", sagte Durm nach dem 4:3-Sieg in der ihm eigenen Bescheidenheit. Denn es war nicht nur sein Treffer, mit dem der 28-Jährige einen gehörigen Anteil zum Frankfurter Sieg beigesteuert hatte. Das 1:0 von Daichi Kamada hatte er mit einem klugen Pass in den Rücken der Abwehr vorbereitet, das 2:1 von Luka Jovic mit einem Pass auf Vorlagengeber André Silva eingeleitet. Im Eishockey hätte er auch dafür einen Assistpunkt bekommen.

Hinten sicher, vorne mit Scorerpunkten

Entscheidend für seine Offensivgefahr waren Durms Laufwege. Immer wenn Kostic über links durchbrach, machte auch Durm die Meter nach vorne mit und spekulierte darauf, dass der Ball zu ihm hinüberspringt. Trainer loben das als "gutes Spiel ohne Ball". Und eben jene Wege schlauchten, weil Durm genug in der Defensive zu erledigen hatte. Wolfsburgs Trainer Oliver Glasner wollte die Räume links und rechts von der Eintracht-Dreierkette bespielen lassen, sprich die Räume im Rücken von Durm auf rechts und Kostic auf links.

Durm war mit Wolfsburgs Josip Brekalo ausreichend beschäftigt, bis dann auch noch der wuselige rechte Wolfsburger Offenisvakteur Ridle Baku zwischendurch auf seiner Seite auftauchte. "Es war ein unglaubliches Auf und Ab, ein mega anstrengendes Spiel, sehr physisch und intensiv. Ich kann mich gar nicht erinnern, wann ich ein Spiel in dieser Intensität erlebt habe", sagte Durm nach der Partie. Und dabei hat Durm schon einige intensive Spiele in seiner Karriere erlebt. Er war schließlich in England aktiv.

Sein WM-Titel wird selbst von Einbrechern vergessen

Bei einer Aufzählung der deutschen Weltmeister von 2014 dürfte den meisten Fans der Name Durm nicht unbedingt als Erstes einfallen. Das mag auch daran gelegen haben, dass er in Brasilien keine einzige Minute auf dem Platz stand.

Selbst Einbrecher in seinem Haus müssen ihn offensichtlich nicht unbedingt mit dem Titel assoziiert haben, schließlich ließen sie die Weltmeister-Medaille unberührt liegen. "Ich hatte nicht damit gerechnet, dass mir so etwas passieren könnte. Heute liegt die Medaille gut gesichert im Bankschließfach", sagte Durm einmal im Interview mit der FAZ, in dem er überdies zugab, sich bei Interviews lieber zu verstecken.

Bei der Eintracht lange im Schatten

Auch bei der Eintracht tauchte er lange unter. In der vergangenen Saison und bis zum achten Spieltag dieser Runde fasste er überhaupt nicht Fuß. Mittlerweile scheint Durm aber seinen festen Platz im rechten Mittelfeld gesichert zu haben. Nach dem Spiel gegen Wolfsburg lobte Trainer Adi Hütter: "Er hat über seine rechte Seite viel Dampf gemacht und hat mir sehr gut gefallen."

Durm hat seine jüngsten Verletzungen am Hüftbeuger und am Innenband schnell weggesteckt. Er wirkt nun körperlich robust genug für den fordernden Tempofußball der Eintracht - und auch für den fordernden Torjubel. Nach seinem 4:2 stürzten sich seine Teamkollegen voller Euphorie auf den daliegenden Durm. Da war es nur zu verständlich, dass sich der "stille Gewinner" der Eintracht am Samstag mit dem Satz verabschiedete: "Ich bin total kaputt, mir tut alles weh."

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! Bundesliga, 11.04.21, 22.05 Uhr