Trainer Adi Hütter im Kreise seiner Spieler von Eintracht Frankfurt

Nach zwei Jahren und mehr als 100 Spielen mit Eintracht Frankfurt wird Adi Hütter wohl mit einer Vertragsverlängerung belohnt. Ein Rückblick zeigt: Das hat sich der Österreicher verdient. Es gibt aber auch Kritikpunkte.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bobic über Hütter: "Wir haben ein Commitment"

Fredi Bobic und Adi Hütter
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Als Adi Hütter vor etwas mehr als zwei Jahren seine Arbeit bei Eintracht Frankfurt aufnahm, versprach er spektakulären Fußball. Der Österreicher, der zuvor die Young Boys Bern zur Schweizer Meisterschaft geführt hatte, stand für Offensive und Tempo. Spiele, so hieß es, gewinne er lieber 4:3 als 1:0. "Ich will hier eine Philosophie entwickeln, die allen Spaß macht", sagte Hütter auf seiner ersten Pressekonferenz. Etwas später fügte er an: "Ich bin hier, um erfolgreich zu sein." Nach dem Ende seiner zweiten Spielzeit in Hessen kann man festhalten: Hütter hat Wort gehalten. Allerdings nicht immer.

Die Zahlen sprechen für Hütter

Von 104 Pflichtspielen, eine Zahl die normalerweise für drei Jahre reicht, hat Hütter 50 gewonnen, 35 Partien gingen verloren. In der Bundesliga sprang ein siebter und ein neunter Platz heraus, hinzu kommen die magischen Europa-League-Nächte und der famose Ritt ins Halbfinale in der ersten sowie das Erreichen des DFB-Pokal-Halbfinals in der zweiten Saison. "Er hat einen sehr guten Job gemacht. Was will man mehr", fasste Sportvorstand Fredi Bobic die Arbeit seines Trainers zusammen. Vertragsverlängerung: nur noch Formsache. Zeitpunkt: nach dem Urlaub. "Dann schauen wir, dass wir einen Haken dranmachen."

Dass Hütter, der zwei Kader-Umbrüche moderieren musste, mit einem neuen Arbeitspapier belohnt wird, ist richtig und folgerichtig. Der 50-Jährige hat es geschafft, Abgänge von Leistungsträgern wie Kevin-Prince Boateng, Marius Wolf, Omar Mascarell oder Lukas Hradecky im ersten sowie Ante Rebic, Sebastien Haller und Luka Jovic im zweiten Jahr zu kompensieren. Die berühmt-berüchtigte Büffelherde wird in Frankfurt zwar nach wie vor vermisst und die Neuzugänge im vergangenen Sommer schlugen bei weitem nicht alle ein. An den Ergebnissen, das steht fest, gibt es aber nicht viel zu meckern. Die Eintracht hat sich gefestigt, auch dank Hütter.

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Der Offensiv-Gedanke ist etwas verloren gegangen

Verbesserungsbedarf gibt es aber weiterhin in der taktischen und spielerischen Ausrichtung der Mannschaft. Hütter, der ursprünglich sein favorisiertes 4-4-2-System in Frankfurt implementieren wollte, ist vor allem in der vergangenen Saison zu oft von seinem Credo abgewichen. Statt mutigem Offensiv-Fußball, der die Eintracht – zugegeben: mit deutlich besserem Personal – 2019 europaweit bekannt machte, gab es in der abgelaufenen Bundesliga-Saison zu oft fußballerische B-Ware. Wenig Kreativität, zu wenig Tempo und ständiges Hoffen auf einen Geistesblitz von Filip Kostic ist auf Dauer und für Hütters Ansprüche zu wenig.

Besonders dramatisch, das gab Hütter rückblickend zu, gestaltete sich die Situation in der Zeit vor Weihnachten. Nach dem famosen, aber letztlich wohl wenig hilfreichen 5:1-Irrsinn gegen den FC Bayern holte die Eintracht aus den folgenden sieben Spielen bis Weihnachten nur noch einen Punkt und taumelte bedrohlich in Richtung Abstiegszone.

Hütter zeigt taktische Variabilität

Da in der Winterpause dann alle (wohl auch Hütters) Wünsche nach Verstärkungen unerfüllt blieben, lag es am Trainer, etwas zu verändern. Der Österreicher musste liefern und lieferte: Seine Umstellung auf Viererkette funktionierte und gab vor allem einen mentalen Schub, die Eintracht befreite sich und entledigte sich vorerst aller Sorgen.

Ähnlich verhielt es sich auch nach der Corona-Pause: Nach zwei schwachen Spielen gegen Gladbach und den FC Bayern drohte die Eintracht erneut in den Abstiegsstrudel zu geraten, nach Hütters taktischer Rückwärtsrolle zur Dreierkette konnte aber auch dieses Schreckensszenario abgewendet werden.

Zwei schwierige Phasen, eine wichtige Schlussfolgerung: Hütter hat mehr als nur einen Plan und ist bereit, von seinen Ursprungsideen abzuweichen. Etwas mehr Flexibilität würde ihm nur bei der Auswahl der Startelf guttun. Einige Spieler bekamen in den vergangenen Monaten zu viele, andere zu wenige Bewährungschancen.

Jetzt zählt's

Mit Blick auf die kommende Saison, die völlig zu Recht wieder von Hütter verantwortet wird, sollte sich jedoch niemand auf dem Erreichten ausruhen. Der mit Sicherheit nicht optimal geplante Kader steht und kann bei einem Verbleib von Kostic mit zwei, drei notwendigen Änderungen auf solides bis gutes Bundesliga-Niveau gehoben werden.

Die Eingewöhnungsphase von Spielern wie Djibril Sow oder Bas Dost ist jedoch vorbei, das nach dem Verlust von Rebic-Haller-Jovic gestattete Übergangsjahr beendet. Die Eintracht, die erstmals seit zwei Jahren keine Dreifachbelastung hat, muss sich weiterentwickeln. Und an dieser Aufgabe muss sich Hütter dann im kommenden Sommer erneut messen lassen.

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