Training von Eintracht Frankfurt

Nach zwei Jahren mit Europa League und viel Spektakel steuert Eintracht Frankfurt auf eine ruhigere Spielzeit zu. Trainer Adi Hütter hat mehr Zeit zum Trainieren, Fragezeichen im Kader und fehlende Euphorie dämpfen die Erwartungen aber gewaltig.

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Auf eine Einschätzung der Lage bei Eintracht Frankfurt hatte Bruno Hübner am Dienstag keine Lust. Der Sportdirektor gab zwar bereitwillig zu allen möglichen Transfermarkt-Gerüchten seinen Kommentar ab. Als es um die Ambitionen für die kommenden Saison ging, wurde Hübner jedoch zurückhaltend. "Ich glaube, dass wir eine gute Mannschaft haben", sagte er. "Und ich hoffe, dass wir im DFB-Pokal weit kommen." Glaube und Hoffnung, viel mehr ist bei der Eintracht gerade nicht drin.

Einige Spieler wie Dominik Kohr oder Bas Dost sprachen in den vergangenen Tagen zwar davon, dass die kommende Spielzeit "eine geile Saison" werden könne und die Eintracht ein Kandidat für die europäischen Plätze sei. Viele Gründe für diesen Optimismus sind aber nicht auffindbar. Rund zwei Wochen vor dem Pflichtspielstart ist die Eintracht noch nicht wirklich greifbar, ein Gefühl für dieses Team hat sich noch nicht entwickelt.

"Es ist schwierig zu sagen. Ich weiß nicht, wo der Weg hingeht", fasste Ex-Eintracht-Trainer Armin Veh den aktuellen Stand gegenüber dem hr-sport zusammen. Woran das liegt? Ein Überblick in vier Punkten.

Steht der Kader schon?

Jein. Hübner betonte zwar, dass es ohne Abgänge auch keine Neuzugänge mehr geben wird. Gleichzeitig ließ er aber vor allem bei Filip Kostic eine große Hintertür offen. "Wenn kein Verein kommt, der ihm und uns entspricht, kann ich mir gut vorstellen, dass er bleibt", sagte er. Heißt: Sollte ein Verein das notwendige Kleingeld, das Kostic und der Eintracht entspricht, mitbringen, ist es gut vorstellbar, dass der beste Offensivspieler eben doch nicht bleibt.

In diesem Fall würde die Eintracht, dann wohl zwischen 20 und 30 Millionen Euro reicher, noch einmal auf dem Transfermarkt tätig werden. Auf Linksaußen steht mit Neuzugang Steven Zuber, dessen Verpflichtung eigentlich nur bei einem Abgang von Kostic wirklich Sinn ergibt, der Ersatz schon bereit. Ein spielstarker Achter und ein schneller Rechtsaußen würden dem Kader aber weiterhin sehr gut tun.

Ebenfalls ein Kandidat für einen Wechsel: Bas Dost. Die Zukunft der umworbenen Leistungsträger Martin Hinteregger und Kevin Trapp liegt hingegen bei der Eintracht. Klar ist, dass nichts klar ist.

Wie ist die Qualität der Mannschaft?

Wenn man das nur wüsste. Der große Vorteil der Corona-bedingten Transfer-Ebbe ist, dass die Eintracht eingespielt ist. Eine Startelf ohne Neuzugänge ist durchaus wahrscheinlich, viel Integrationsarbeit musste nicht geleistet werden. "Wir haben eine gut funktionierende Mannschaft und könnten direkt in die Saison gehen", urteilte Hübner.

Wie gut (oder schlecht) dieses Team funktioniert, zeigte allerdings die vergangene Spielzeit. Fußballfeste gegen Bayer Leverkusen (3:0) oder den FC Bayern (5:1) wechselten sich mit unerklärlichen Auftritten gegen Köln (2:4) oder in Paderborn (1:2) ab. Die Eintracht hat Stärken, aber auch viele Schwächen. Und ist vor allem in der Offensive zu leicht ausrechenbar.

Der große Nachteil der Corona-bedingten Transfer-Ebbe ist, dass die Probleme auf der Rechtsaußen-Position – Stand jetzt – ebenso wenig behoben wurden wie das Defizit an Kreativität und Tempo.

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Ab wann wäre die Saison eine gute Saison?

Angesichts der schwammig formulierten Ziele ist auch das nur schwer zu beantworten. Trainer Hütter, der Vorgaben in Form eines Tabellenplatzes traditionell vermeidet, geht es eigenen Angaben zufolge in erster Linie um eine fußballerische Weiterentwicklung. "Ich möchte wieder eine Mannschaft haben, die versucht, die Art und Weise von Fußball aus dem ersten Jahr zu spielen." Also frühes Pressing, schnelles Umschalten, mehr Risiko.

Ob das mit dem Kader der vergangenen Saison, der genau das in der vergangenen Saison nicht schaffte, aber überhaupt möglich ist? Zumindest fraglich.

Da die Eintracht aber erstmals seit zwei Jahren – und damit erstmals unter Hütter – nicht in der Europa League vertreten ist und somit deutlich mehr Zeit für Trainingsarbeit hat, sollte ein Schritt nach vorne möglichst bald erkennbar sein. Wenn das gelingt, ist ein einstelliger Tabellenplatz drin. Ein Selbstläufer wird das aber nicht.

Ist Euphorie spürbar?

Ganz ehrlich: nein. Die Coronakrise hat die Bundesliga und die Eintracht weiter fest im Griff, die Hoffnung auf einen Saisonstart mit Zuschauern ist ebenso geplatzt wie die Hoffnung auf ein paar Transferkracher. Die Vorfreude der vergangenen Jahre, als Fans und Verein im Reisefieber waren, ist derzeit ebenso weit entfernt wie der von Dietmar Hopp für den Herbst in Aussicht gestellte Corona-Impfstoff.

Die Eintracht, die in den beiden abgelaufen Spielzeiten oft von der Euphorie auf den Rängen und dem Rückenwind einiger europäischer Fußballfeste profitierte, ist auf sich alleine gestellt. Aufbruchsstimmung, selbst erzeugt durch Verstärkungen oder entfacht durch die Fans, gibt es nicht.

Fazit

Rund um Eintracht Frankfurt gibt es derzeit mehr Frage- als Ausrufezeichen. Es könnte sein, dass der Kader schon steht. Es ist aber auch alles andere als unrealistisch, dass Kostic nicht doch noch eine neue Herausforderung sucht. Sollte der Serbe gehen, muss die Eintracht nachlegen und vor allem ihren gefährlichsten Mann ersetzen. Gleichzeitig könnte sie dann aber auch endlich die schon lange klaffenden Lücken im Kader schließen und Trainer Hütter die zu seinem System passenden Transfer-Wünsche erfüllen. So oder so: Es ist kompliziert.

Sendung: hr-fernsehen, heimspiel! am Montag, 07.09.20, 23.15 Uhr