Mehrere Eintracht Frankfurt-Spieler sitzen auf einer leeren Tribüne verteilt, mit Masken geschützt.

Die Frankfurter Eintracht ist mitten im Abstiegskampf angekommen. Geht es nach Uli Hoeneß, stehen die Zeichen auf zweite Liga. Doch es gibt auch Mutmacher.

Da wird er wieder rausgeholt: der gute, alte Rechenschieber. Dass das Mathe-Werkzeug seit Einführung der Bundesliga jemals für die Berechnung einer Tabellenkonstellation herangezogen wurde, darf zwar mit Fug und Recht bezweifelt werden. Aber zumindest im fußballerischen Sprachgebrauch ist der althergebrachte Taschenrechner-Ersatz ein unerlässliches Hilfsmittel im Saisonendspurt. Sein Einsatzbereich ist traditionell eher der Abstiegskampf als das Titelrennen.

Keine Pandemie-Gnade

So bildet auch die von Corona dominierte Saison 2019/2020 keine Ausnahme. Anders als etwa an den hessischen Schulen, an denen unabhängig von den erreichten Noten oder mathematischen Fähigkeiten in diesem Sommer eine Versetzung in die nächste Jahrgangsstufe erfolgt, dürfen Bundesliga-Sitzenbleiber nicht auf Pandemie-Gnade hoffen. Wer das Klassenziel hier nicht erreicht, wird zwar ebenfalls versetzt - allerdings in die ungeliebte zweite Liga.

Dass dieses Schicksal Eintracht Frankfurt blühen könnte, ist spätestens seit den Resultaten des zurückliegenden Spieltags keine Utopie mehr. Abstiegskampf, lautet das böse A-Wort, um das sich Trainer Adi Hütter zuletzt partout drücken wollte, das nun aber keine zwei Meinungen mehr zulässt. Zwei Pünktchen sind es noch bis zu Relegationsrang 16, da bedarf es für mögliche Schreckensszenarien keines Rechenschiebers.

The Trend is your Feind

Vielmehr sollte den Frankfurtern eine andere, seinerzeit von Bayern-Boss Uli Hoeneß aus der Börsensprache entliehene Fußball-Weisheit Sorgen bereiten: The trend is your friend. Doch im Gegensatz zu den siegessicheren Münchnern ist besagter Freund im Fall der Eintracht dummerweise ein Feind: Schon seit dem 22. Spieltag zeigt die Formkurve der Hessen deutlich nach unten, auch die Corona-bedingte Zwangspause änderte daran nichts.

Fünf Niederlagen und ein Unentschieden ist die schlechteste Bilanz aller Erstligisten in diesem Zeitraum. Seit dem Re-Start vor knapp zwei Wochen ist nur Schalke 04 noch erfolgloser. Glaubt man also der überlieferten Hoeneß'schen Börsenprognose, setzt sich ein bestehender Trend eher fort, als dass er abrupt endet. Die in Frankfurt vielzitierte "Rückrunde der Schande" von 2011, die nach einer einmaligen Misserfolgsserie im Abstieg gipfelte, lässt grüßen. Dass man sich aus dem eigenen Selbstverständnis heraus lange nicht für ein Kellerkind hielt, ist da sicher ebenfalls nicht förderlich.

System-Rückkehr als Mutmacher

Doch es gibt auch positive Ansätze und Mutmacher für die Eintracht. Das jüngste 3:3 gegen den SC Freiburg bedeutete nicht nur ein Ende der Null-Punkte-Serie, also quasi eine mögliche Umkehr des Trends, sondern auch eine klare spielerische Verbesserung. Die Umstellung auf das alte System mit Dreierkette und einem offensiven Spielgestalter hinter der Doppelspitze brachte deutlich mehr Struktur und Kreativität ins zuvor ideen- und hilflose (Angriffs-)Spiel. Stellt sich die Frage, weshalb Trainer Hütter solange damit wartete. Jetzt müssen die Hessen beweisen, dass das keine Eintagsfliege war und zugleich die Defensive stabilisieren.

Gelingt das, könnte auch das Restprogramm zum Trumpf für die Frankfurter werden. Denn nach dem schweren Auswärtsspiel am Samstag in Wolfsburg warten mit der Nachholpartie bei Werder Bremen und dem Derby gegen Mainz 05 zwei unmittelbare Konkurrenten. Mit der gerade gezeigten spielerischen Klasse sind diese Teams definitiv schlagbar, was bereits die halbe Miete auf dem Weg zum Klassenerhalt bedeuten könnte. Ebenso fatal wäre im Umkehrschluss der Misserfolgsfall.

Eintracht im Crunchtime-Vorteil

Doch auch dann hätte die Eintracht noch ein Ass im Ärmel: Mit Hertha BSC, Schalke 04, dem 1. FC Köln und dem am letzten Spieltag vermutlich schon abgestiegenen SC Paderborn bekommen es die Hessen im Schlussakt ausschließlich mit Mannschaften zu tun, für die es um wenig bis nichts mehr gehen dürfte. Alle anderen Widersacher setzen sich zur finalen Crunchtime indes mit mindestens zwei Gegnern aus der Spitzengruppe oder dem direkten Tabellenumfeld auseinander.

Auf Mainz 05 warten etwa die Champions-League-Anwärter Dortmund und Leverkusen auswärts sowie die Abstiegskonkurrenz aus Augsburg und Bremen daheim. Augsburg duelliert sich dazu noch mit Düsseldorf und Leipzig. Düsseldorf wiederum hat mit Dortmund und Leipzig zwei Spitzenclubs, ehe sie sich mit Augsburg und Union Berlin die Punkte gegenseitig streitig machen. Klingt kompliziert. Der Verweis auf den Rechenschieber dürfte folglich nicht lange auf sich warten lassen.

Weitere Informationen

Das Restprogramm der Abstiegskandidaten

FC Augsburg (Platz 12 / 31 Punkte)

  • Hertha BSC (A)
  • 1. FC Köln (H)
  • FSV Mainz 05 (A)
  • 1899 Hoffenheim (H)
  • Fortuna Düsseldorf (A)
  • RB Leipzig (H)


Union Berlin (Platz 13 / 31 Punkte)

  • Borussia Mönchengladbach (A)
  • Schalke 04 (H)
  • 1. FC Köln (A)
  • SC Paderborn (H)
  • 1899 Hoffenheim (A)
  • Fortuna Düsseldorf (H)


Eintracht Frankfurt (Platz 14 / 29 Punkte)

  • VfL Wolfsburg (A)
  • Werder Bremen (A)
  • FSV Mainz 05 (H)
  • Hertha BSC (A)
  • Schalke 04 (H)
  • 1. FC Köln (A)
  • SC Paderborn (H)


FSV Mainz 05 (Platz 15 / 28 Punkte)

  • 1899 Hoffenheim (H)
  • Eintracht Frankfurt (A)
  • FC Augsburg (H)
  • Borussia Dortmund (A)
  • Werder Bremen (H)
  • Bayer Leverkusen (A)


Fortuna Düsseldorf (Platz 16 / 27 Punkte)

  • Bayern München (A)
  • 1899 Hoffenheim (H)
  • Borussia Dortmund (H)
  • RB Leipzig (A)
  • FC Augsburg (H)
  • Union Berlin (A)


SV Werder Bremen (Platz 17 / 22 Punkte)

  • Schalke 04 (A)
  • Eintracht Frankfurt (H)
  • VfL Wolfsburg (H)
  • SC Paderborn (A)
  • Bayern München (H)
  • Mainz 05 (A)
  • 1. FC Köln (H)


SC Paderborn 07 (Platz 18 / 19 Punkte)

  • Borussia Dortmund (H)
  • RB Leipzig (A)
  • Werder Bremen (H)
  • Union Berlin (A)
  • Borussia Mönchengladbach (H)
  • Eintracht Frankfurt (A)
Ende der weiteren Informationen