Sébastien Haller sitzt auf dem Rasen
Der Abgang von Sébastien Haller hinterlässt ein großes Loch im Eintracht-Sturmzentrum. Bild © picture-alliance/dpa

Mit dem nahenden Abgang von Sébastien Haller ist der viel gelobte Eintracht-Sturm quasi nicht mehr existent. Es steht zu hoffen, dass Sportvorstand Fredi Bobic bereits mindestens einen guten Ersatz in der Hinterhand hat. Günstig dürfte der nicht werden.

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Sébastien Haller sitzt auf dem Rasen

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Haller-Abgang ein "herber Verlust für die Eintracht"

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60 Tore hat Eintracht Frankfurt in der abgelaufenen Bundesliga-Saison erzielt. Mehr als die Hälfte davon gingen auf das Konto von Luka Jovic (17) und Sébastien Haller (15). Beide Spieler konnte oder wollte der Bundesligist nicht halten.

Nachdem Jovic bereits Anfang Juni für kolportierte 60 bis 70 Millionen Euro an Real Madrid verkauft wurde, wechselt Haller nun für rund 10 bis 20 Millionen Euro weniger zu West Ham United nach London. Das Positive: Auch wenn ein Teil der Jovic-Einnahmen direkt an Benfica Lissabon weitergereicht werden musste, sind die Kassen der Hessen so voll wie noch nie. Das Problem: Geld allein schießt keine Tore. Man muss es schon in Spieler investieren.

Potential ist gut, Tore sind besser

Die Eintracht braucht dringend einen Ersatz im Sturm. Mit Ante Rebic (neun Saisontore), der als hängende Spitze oder auf Linksaußen besser aufgehoben ist, dem Portugiesen Goncalo Paciencia (drei) und Neuzugang Dejan Joveljic stehen den Frankfurtern nur noch drei nominelle Spitzen zur Verfügung. Ob der von Inter Mailand und Atlético Madrid umworbene Rebic aber überhaupt in Frankfurt bleibt, ist noch gar nicht gesagt. Und dass Joveljic auf Anhieb einen Luka Jovic ersetzen kann, daran glaubt nicht einmal Fredi Bobic. "Da gehe ich nicht davon aus, dass der jetzt gleich die Bundesliga zusammenschießt", sagte der Sportvorstand vor knapp drei Wochen.

Die Eintracht setzt auf "Potential", auf "Nachhaltigkeit", wie Bobic es nennt. Das ist richtig und löblich. Die Eintracht braucht aber mindestens einen neuen Stürmer, der auf Anhieb zehn Tore oder mehr schießen kann. Haller brachte es in seiner ersten Bundesligasaison immerhin auf neun Tore in 31 Spielen.

Collage: Haller, Rebic, Jovic
Von der Frankfurter Büffelherde ist nur noch Ante Rebic (Mitte) in Frankfurt. Bild © Imago/Collage: hessenschau.de

Nachweisliche Qualitäten gesucht

Wollen die Hessen ihr Niveau halten und weiter zumindest die Voraussetzungen haben, um die Europa-League-Plätze mitzuspielen, muss den Verantwortlichen ein ähnlicher Transfer gelingen wie damals mit dem Franzosen. Anders gesagt: Die Eintracht sucht einen Haller für einen Haller. Für sieben Millionen Euro wird es den in Zeiten steigender Preise aber nicht mehr geben. Da dürfen die Hessen ruhig einen größeren Teil des neueingenommenen Geldes wieder ausgeben.

Ein Haller hatte bereits vor seiner Zeit bei der Eintracht bewiesen, dass er weiß, wo das Tor steht. In Utrecht war seine Torausbeute in 98 Pflichtspielen mit 51 Treffern mehr als nur ansehnlich. Natürlich ist die holländische Eredivisie nicht eins zu eins mit der Bundesliga vergleichbar, es ist aber schon ein Unterschied, ob ein Fußballer 51 Tore in der serbischen oder eben der holländischen Liga geschossen hat. Die Eintracht braucht einen Stürmer, der mindestens in einer halbwegs großen europäischen Liga seine Qualität schon unter Beweis gestellt hat.

Weg vom Wandstürmer

Der Verkauf Hallers bringt nebst aller Probleme auch eine echte Chance mit sich: Die Eintracht kann ihr Spielsystem umstellen. Die hohen Bälle auf den großgewachsenen Wandstürmer haben meist funktioniert. Weil man sich darauf verlassen konnte, waren alternative Spielideen aber leider Mangelware. Das zeigte sich vor allem dann, wenn der Franzose verletzt fehlte. Ohne Haller im Kader ist die Eintracht von vornherein gezwungen, spielerisch anspruchsvollere Wege in die Sturmspitze zu finden.

Trainer Adi Hütters Idee von Fußball ist eine offensive Mischung aus Ballbesitz und mutigem Pressing. Die könnte mit entsprechendem Personal im Sturmzentrum noch besser umgesetzt werden. Dazu muss das Personal aber erst mal eingestellt werden. Je früher, desto besser. Am 25. Juli bestreitet die Eintracht ihr erstes Pflichtspiel.