Makoto Hasebe blickt nach unten.
Makoto Hasebe nach der Frankfurter Niederlage gegen Mainz Bild © Imago Images

Die Europa-League-Helden von Eintracht Frankfurt sind am Ende ihrer Kräfte. Der Geist von London ist zwar auch gegen Mainz spürbar, nach dem nächsten Rückschlag droht aber ein tabellarisches Fiasko. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht Frankfurt verliert mit 0:2 (0:0) gegen den 1. FSV Mainz 05 und rutscht von Champions-League-Rang vier auf Platz sechs ab. Einen Spieltag vor Schluss ist der Traum von der Champions League wohl geplatzt und die Hoffnung auf die Europa League auf ein Minimum gesunken. Am Samstag geht es für die Hessen beim FC Bayern um alles.

Der Empfang

Stimmungstechnisch knüpften die Fans von Eintracht Frankfurt am Sonntag genau dort an, wo sie am Donnerstag in London aufgehört hatten. Sie peitschten die Mannschaft schon lange vor Anpfiff nach vorne und versuchten mit lautstarken Anfeuerungsrufen und pausenloser Unterstützung, die müden Beine der Spieler noch einmal zum Leben zu erwecken. "Lasst uns unsere Farben weiter durch Europa tragen", stand auf einem großen Banner. Der zwölfte Mann auf den Rängen, er lief erneut zu Hochform auf.

Noch einmal alles geben, noch einmal ein typisches Frankfurter Spiel auf den Rasen brennen. Das musste doch möglich sein. Mit "Europacup, Europacup in diesem Jahr"-Sprechchören formulierten die Anhänger ihren Wunsch nach einer Wiederholung der diesjährigen Reise durch europäische Großstädte. Als Vierter war die Eintracht in den Spieltag gegangen, ein einziger Punkt hätte zur direkten Qualifikation für die Europa League gereicht. Bei einem Sieg wäre sogar die Königsklasse durchaus realistisch gewesen. Ein letztes Mal kämpfen und gemeinsam siegen, so der fromme Wunsch der Anhänger. Doch daraus wurde nichts.

Die Kraft ist weg

Denn drei Tage nach der mentalen und körperlichen Grenzerfahrung beim Halbfinal-Aus gegen den FC Chelsea war der Wille zum letzten Aufbäumen zwar bei jedem erkennbar. Die Erschöpfung konnte im Team von Adi Hütter aber niemand mehr verstecken. Nach insgesamt 47 Pflichtspielen stottert der lange wie geschmiert laufende Eintracht-Motor auf der letzten Rille in Richtung Ziel, das Tempo und die Power vergangener Tage tauchten gegen den Nachbarn aus Mainz nur noch in homöopathischen Dosen auf. Etwa als Filip Kostic sich grätschend und sprintend in Richtung Tor vorkämpfte, Ante Rebic seine Vorlage dann aber in den Abendhimmel drosch (18. Spielminute).

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Erschwerend hinzu kam, dass Coach Hütter entgegen seiner Ankündigung auf eine Rotation verzichtet hatte und mit Gelson Fernandes für den schwer verletzten Sebastian Rode (Knorpelschaden) lediglich eine frische Kraft von Beginn an brachte. "Ich würde wieder so entscheiden. Ich habe auf die Spieler gesetzt, die am besten drauf sind", begründete er nach Abpfiff seine diskutable Entscheidung. Den Hauptgrund für die Niederlage sah er dann auch in der körperlichen Unterlegenheit: "Natürlich hat das auch etwas damit zu tun, dass wir international dabei waren. Das kostet Kraft und Energie."

Ujah bestraft die Fehler

Und so kam es nach torlosen 45 Minuten so, wie es viele befürchtet hatten. Bei der immer müder werdenden Eintracht schlichen sich nach Wiederanpfiff vermehrt kleinere Fehler und Unkonzentriertheiten ein. Zwei davon nutzte Anthony Ujah, der jeweils nach Einwürfen plötzlich völlig alleine vor Eintracht-Keeper Kevin Trapp auftauchte und den Frankfurter Traum von der Champions League mit einem Doppelpack (53./57.) zum Platzen brachte.

"Da sehen wir schlecht aus, das ärgert mich", fasste Hütter die beiden entscheidenden Szenen des Spiels zusammen. Zweimal kurz geschlafen, zweimal den Gegner mit einer völlig unsortierten Defensive zum Toreschießen eingeladen. So reicht es letztlich nicht für einen Platz in der Bundesliga-Spitzengruppe. "Diese Niederlage tut sehr weh", bilanzierte Hütter.

Die nächste Chance liegenlassen

Und so musste sich die Eintracht am Ende der 90 Minuten wieder einmal eingestehen, einen Europacup-Matchball vergeben zu haben. Die Hessen warten seit nunmehr fünf Bundesliga-Spielen auf einen Sieg, aus den vergangenen drei Heimspielen gegen vermeintlich schwächere Gegner wie Augsburg (1:3), Hertha BSC (0:0) und Mainz holten sie lediglich einen Zähler. Angesichts von jetzt einem Punkt Rückstand auf die Champions League und gleichzeitig nur noch drei Punkten Vorsprung auf den ersten nicht-europäischen Platz ist das ebenso ärgerlich wie unnötig.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hinteregger: "In München noch einmal alles raushauen."

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Ein Ticket für die Königsklasse war in dieser Saison mehrmals greifbar nah und wäre definitiv realisierbar gewesen, die erneute Teilnahme an der Europa League schien seit Wochen eigentlich nur noch Formsache zu sein. Und jetzt? "Wir haben die Chance, nächstes Jahr in Europa zu spielen, nicht genutzt", konstatierte Martin Hinteregger. Sollte die Eintracht in der kommenden Woche beim FC Bayern, der um den Meistertitel kämpft, verlieren und gleichzeitig Hoffenheim (in Mainz) und Wolfsburg (gegen Augsburg) gewinnen, wäre die Hütter-Elf nur noch Achter. Es wäre ein unrühmliches Ende einer bis dato grandiosen Saison: Europa ist in großer Gefahr.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Komplette Katerstimmung wollte trotz des abrupten Endes der Europacup-Party dann aber doch noch nicht aufkommen. Begründen konnte Trainer Hütter das letzte Fünkchen Hoffnung auf eine Überraschung gegen den FC Bayern zwar nicht. "Wir brauchen halt einfach diesen einen Punkt", sagte er. Ein Blick zurück zeigt aber, dass sich die Eintracht in dieser Spielzeit schon mehrfach in den großen Spielen gegen große Gegner zu einer großen Leistung aufraffen konnte. "Wir haben jetzt einen Showdown in München."

Die Ausgangslage ist klar: Sollte die Eintracht tatsächlich gewinnen, würde sie bei Ausrutschern von Gladbach (gegen Dortmund) und Leverkusen (in Berlin) wieder auf Platz vier springen. Ein Remis, das übrigens auch den Bayern zur Meisterschaft genügen würde, reicht sicher für Platz sechs. Bei einer Niederlage droht der Totalabsturz. "Es ist noch sehr viel möglich, wir können noch sehr viel gewinnen", unterstrich Innenverteidiger Hinteregger. Dann fügte er an: "Wir können aber auch alles verlieren."

Weitere Informationen

Eintracht Frankfurt - FSV Mainz 05 0:2 (0:0)

Frankfurt: Trapp - Abraham, Falette (61. Haller), Hinteregger - Fernandes (61. de Guzman), Hasebe - da Costa, Kostic - Gacinovic - Jovic (77. Paciencia), Rebic   
                        
Mainz: Müller - Brosinski (46. Donati), Niakhaté, Hack, Aaron - Gbamin - Kunde, Latza (80. Baku) - Boetius - Mateta, Ujah (90. Bungert)

Tore: 0:1 Ujah (53.), 0:2 Ujah (57.)

Gelbe Karten: Kostic -  Niakhaté

Schiedsrichter: Osmers (Hannover)

Zuschauer: 51.500 (ausverkauft) 

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