Enttäuschung bei den Eintracht-Spielern
Enttäuschung bei den Eintracht-Spielern Bild © Imago Images

Sechs Gegentore. 18 Prozent Ballbesitz. 0 Punkte Vorsprung auf Platz fünf. In Leverkusen erlebt Eintracht Frankfurt einen echten Alptraum. Aber es gab auch Positives. Die Analyse in fünf Punkten.

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PK Leverkusen

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Eintracht Frankfurt geht mit 1:6 in Leverkusen unter. Bereits nach 36 Minuten macht die Werkself das habe Dutzend voll, nach der wohl schlechtesten Saisonleistung müssen die Hessen nun um die Qualifikation für die Champions League fürchten.

Historisch schlecht

Sechs Tore. In 36 Minuten. Bundesliga-Zuschauer haben ja schon viel gesehen – das jedoch noch nicht. Bis zum Sonntagnachmittag. Noch nie in der Historie musste eine Mannschaft in so kurzer Zeit sechs Gegentore fressen. Nicht der einzige historische Umstand an diesem schmerzhaften Frankfurter Nachmittag. Erst zum vierten Mal überhaupt kassierte eine Bundesliga-Mannschaft sechs Tore in einer Halbzeit.

So wurde die Pleite in Leverkusen zu einem Debakel historischen Ausmaßes. Dass nicht weitere Rekorde purzelten, lag auch an dem Umstand, dass Bayer in der zweiten Halbzeit gleich mehrere Gänge runterschaltete und seine Torchancen nicht mehr so konsequent zu Ende spielte. Das Fazit von Trainer Adi Hütter war dennoch vernichtend: "Die Leistung war fürchterlich."

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Adi Hütter

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Das war ein rabenschwarzer Tag"

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Hütter greift komplett daneben

Kevin Volland brachte es nach dem Spiel auf den Punkt, als er über die Aufstellung der Eintracht sagte: "Wir wussten nicht, was auf uns zukommt." Man ist geneigt zu sagen: Auch die Eintracht-Abwehr wusste es nicht. Hütter hatte seine Elf komplett umgestellt – und damit komplett danebengegriffen. In Evan N’Dicka, Martin Hinteregger, David Abraham und Almamy Touré ließ er gleich vier nominelle Innenverteidiger auflaufen, dazu stellte er mit Makoto Hasebe, der die Frankfurter Fünferkette dirigieren sollte, Gelson Fernandes und Jetro Willems drei weitere Defensiv-Akteure auf.

Daraus resultierte jedoch kein Eintracht-Bollwerk, sondern ein Abwehrverhalten auf Kreisklasse-Niveau. Die Abstimmung fehlte komplett und die Raumaufteilung war – besonders beim frühen 0:1 durch Kai Havertz – katastrophal, dazu kamen die Hessen so gut wie nie in die Zweikämpfe. Kurzum: Es funktionierte nichts. Ein Punkt, den sich Hütter auf die Fahne schreiben lassen muss. Der verteidigte seine Entscheidung nach dem Spiel aber: "Vercoacht ist ein bisschen hart ausgedrückt. Das war ein rabenschwarzer Tag. Ich nehme die Schuld gerne auf mich, aber es lag nicht an der Grundausrichtung, sondern am ganzen Auftreten, dem Zweikampfverhalten."

Europa-Traum gerät in Gefahr

Schon vor dem Spiel in Leverkusen war klar: Bei einer Niederlage wird es für die Eintracht wieder richtig eng im Kampf um den Europapokal. Die glänzende Ausgangslage noch vor wenigen Wochen ist dahin. Nur zwei Punkte aus vier Bundesliga-Spielen zeigen deutlich: Die Eintracht hat ein Bundesliga-Tief zur absoluten Unzeit. Die Hessen sind zwar weiterhin Vierter, die Konkurrenz ist nun aber endgültig an der Eintracht dran.

Beim genauen Blick auf die Tabelle wird sogar deutlich: Läuft es richtig mies, ist die Eintracht am nächsten Spieltag nur noch Achter. Leverkusen (54), Gladbach (52), Wolfsburg (52) und Hoffenheim (51) könnten bei einer Niederlage der Frankfurter an den Hessen vorbeiziehen. Ein Horror-Szenario, muss die Hütter-Elf doch am letzten Spieltag auswärts in München antreten. Solch negative Gedanken wischt der Eintracht-Coach jedoch demonstrativ zur Seite: "Die Chance auf die Champions League ist immer noch da und wir müssen weiter dran glauben. Wir sind weiter zuversichtlich."

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Sportvorstand Fredi Bobic.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Bobic: "So etwas habe ich noch nie erlebt"

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Das einzig Positive: die Unterstützung

In Leverkusen war aber auch nicht alles schlecht. Denn einmal mehr war die Unterstützung des hessischen Anhangs während der Partie herausragend. Und das trotz des katastrophalen Spiels der Eintracht. Die Fans bewiesen zudem auch nach der Begegnung ein feines Gespür für die Situation und taten nicht ihren Unmut ob der Leistung kund, sondern spendeten Trost und motivierten die eigene Mannschaft für das kommende Europa-League-Spiel am Donnerstag beim FC Chelsea.

Ein Umstand, der nicht unbemerkt blieb. "Die Fans stehen hinter uns, die können das einschätzen. Das finde ich toll", lobte Sportvorstand Fredi Bobic nach der Partie. Auch dem Eintracht-Macher war bewusst, dass seine Elf Zuspruch aktuell sehr gut gebrauchen kann. Denn…

Was bedeutet das für das Chelsea-Spiel?

…der nächste Kracher wartet direkt. Am Donnerstag tritt die Eintracht zum Europa-League-Rückspiel beim FC Chelsea an. Der Einzug ins Finale ist nach dem 1:1 aus dem Hinspiel weiter möglich. Dafür muss das Debakel in Leverkusen aber ganz schnell raus aus den Beinen – und vor allem aus den Köpfen.

Zuspruch gab es daher auch vom Gegner. In Person: Ex-Eintracht-Keeper Lukas Hradecky. Der gab seinen Ex-Kollegen die Marschroute für den Donnerstag direkt mit auf den Weg: "Ich hoffe sehr, dass die Eintracht-Spieler jetzt nicht die Köpfe hängen lassen. Die haben eine tolle Saison gespielt. Die sollen jetzt Chelsea weghauen und über Baku in die Champions League kommen."

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Stand Bartlitz

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