Goncalo Paciencia im Spiel gegen Wolfsburg

Aus guten Gründen verlieren elf Spieler von Eintracht Frankfurt gegen zehn vom VfL Wolfsburg. Für Gesprächsstoff sorgen Torwart Felix Wiedwald, zahlreiche Eckbälle und Flanken sowie die Ultras. Eine Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Pressekonferenz nach dem Spiel Eintracht - Wolfsburg

Die Trainer bei der Pressekonferenz
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Im verflixten siebten Heimspiel muss Eintracht Frankfurt die erste Heimniederlage dieser Bundesliga-Saison hinnehmen. Gegen den VfL Wolfsburg verlor die Mannschaft von Trainer Adi Hütter am Samstag mit 0:2 (0:1). Wout Weghorst (19. Spielminute) und Joao Victor (65.) erzielten die Tore für die Gäste, bei denen Marcel Tisserand kurz vor der Halbzeitpause mit Gelb-Rot vom Platz flog (45.+1).

1. Schnelle Rückendeckung für Felix Wiedwald

"Wir gewinnen und wir verlieren gemeinsam", sagte Eintracht-Trainer Adi Hütter kurz nach dem Abpfiff – und nahm damit seinen Torhüter Felix Wiedwald in Schutz. Die etatmäßige Nummer drei war kurzfristig zwischen die Pfosten und damit in den Fokus gerückt, weil der eigentliche Kevin-Trapp-Vertreter Frederik Rönnow wegen eines Infekts passen musste. In seinem ersten Pflichtspiel seit dem 8. August unterlief Wiedwald allerdings ein grober Schnitzer.

Nach einem Rückpass wollte der Keeper den Ball direkt zu Martin Hinteregger zurückspielen, traf das Leder aber nicht richtig und lieferte so – ungewollt – die perfekte Vorlage für Joao Victors 2:0. Und auch wenn Wiedwald wenige Momente zuvor bereits einen Fehlpass auf Maximilian Arnold fabriziert hätte: Die Leistung des 29-Jährigen war – nach rund dreieinhalb Monaten ohne Spielpraxis – völlig solide. Ohne seine Taten beispielsweise bei der Schusschance durch William (10.) oder Weghorsts Kopfbällen (53., 58.) hätte die Frankfurter Niederlage streng genommen noch höher ausfallen können.

2. Auch in Überzahl kommt die Eintracht kaum ins Spiel

Zu behaupten, die Eintracht hätte dieses Spiel allein wegen Wiedwalds Fehler verloren, wäre ohnehin nicht richtig. Für die erste Heimniederlage der Bundesliga-Saison 2019/20 gibt es allen voran einen Grund: Frankfurt ist nie richtig in die Partie hineingekommen. Weder in der ersten Hälfte, als die Hausherren durchaus die eine oder andere Chance zur Führung und auch zum Ausgleich hatten, noch in der zweiten Halbzeit, als sie nach dem Platzverweis gegen Wolfsburgs Tisserand ein Mann mehr waren.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hütter: "Leistung passt zum Ergebnis"

Adi Hütter
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Weil die Eintracht aber auch in Überzahl nicht zweikampfstark oder aggressiv genug war und zudem ihre beste Phase bis zur 65. Minute ohne Torerfolg blieb, war der hessische Zugriff aufs Spielgeschehen von untergeordneter Bedeutung. "Uns hat das Feuer gefehlt", bemängelte Mittelfeldspieler Djibril Sow, während VfL-Akteur Arnold korrekterweise feststellte: "Der Platzverweis hat uns stärker gemacht."

3. Überzeugend sind nur die Statistiken

Stark, das passt aus Frankfurter Sicht lediglich auf einige Statistiken. Allein das Eckenverhältnis – 8:0 nach gut 30 und 12:1 nach 90 Minuten – klingt nach vielem, aber nicht nach einer 0:2-Niederlage. Allerdings: Genutzt hat die Eintracht den vermeintlichen Vorteil der ruhenden Bälle nicht, was auch für die sage und schreibe 29 Flanken aus dem Spiel heraus gilt.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Dost: "Heute war so ein Tag"

Bas Dost
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Die meisten davon verdienten sich das Prädikat unmotiviert, weshalb die durchaus kopfballstarken Angreifer wie Gonçalo Paciência über weite Strecken unter dem Radar flogen. Und über weitere Statistiken wie Torschüsse (17:9) oder Ballbesitz (61% für Frankfurt) haben wir da noch gar nicht gesprochen.

4. Richtungsweisung für Fortgeschrittene

Von einem richtungsweisenden Charakter der Partie war vor dem Anpfiff die Rede, gingen die Eintracht und der VfL doch als punktgleiche Tabellennachbarn aus dem Mittelfeld der Bundesliga in den zwölften Spieltag. Und nun? Ist der Adler für längere Zeit im Mittelmaß gelandet? Ist eine Mannschaft wie Wolfsburg für den Rest der Saison besser als Frankfurt? Die Art und Weise, wie den Gästen trotz Unterzahl taktisch und körperlich nicht beizukommen war, ist sicherlich bemerkenswert. Fakt ist aber auch: Die Hessen haben es in dieser Saison bereits mit ganz anderen Liga-Größen aufnehmen können.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Hasebe zum Wolfsburg-Spiel

Eintracht-Profi Makoto Hasebe im Spiel gegen Wolfsburg
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Zur Erinnerung: Die Heimsiege gegen Meister München (5:1 am 2. November) und selbst gegen Leverkusen (3:0 am 18. Oktober) sind noch nicht allzu lange her. Nach der länderspielpausenprägenden Diskussion über die Bodycheck-Qualitäten von Kapitän David Abraham muss jetzt aber der Blick nach vorne gehen. Auf nationaler Ebene ist mit Mainz, Hertha, Schalke, Köln und Paderborn die eine oder andere machbare Aufgabe dabei, in der Europa League geht es nach wie vor um die K.o.-Phase. An Heiligabend ist die Richtung traditionell klarer zu erkennen als Ende November.

5. Ultras warnen vor einem "Hype"

Vor dem Spiel hatten sich die Ultras Frankfurt die Aufmerksamkeit der Fans durch nicht zu übersehende und rund ums Stadion verteilte Plakate gesichert. Kernbotschaft der ungewöhnlich langen Textmitteilung ist ein Aufruf, "wachsam zu sein, um unsere Fan-Kultur nicht einem großen Hype zu opfern". Merchandise, Choreos, "Verlockungen des großen Geldes und der großen Aufmerksamkeit": Die Treuesten der treuen Fans sehen in der durch Pokalsieg 2018 und Europa-Tournee 18/19 entstandenen Euphorie auch eine Gefahr für die Tradition ihres Vereins sowie für ihre eigene Kultur. "Wir müssen bewahren, was uns als Eintracht im Kern ausmacht. Dann kommen auch wir alle wieder mehr dazu, diese großartige Entwicklung unserer Eintracht genießen zu können." Selbst bei einem 0:2 gegen Wolfsburg.