Sebastian Rode hat die Zweikämpfe gegen den FC Bayern München  gesucht.

Eintracht Frankfurt verliert erwartungsgemäß in München, es ist die fünfte Liga-Pleite in Folge. Immerhin die Moral stimmt, ansonsten aber nicht viel. Die Analyse in fünf Punkten.

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Eintracht PK nach Bayern
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Zweites Spiel nach der Corona-Pause, zweite Niederlage für Eintracht Frankfurt. Beim 2:5 bei Bayern München erzielten Leon Goretzka (16. Minute), Thomas Müller (41.), Robert Lewandowski (46.) und Alphonso Davies (61.) die Tore für die Hausherren. Für die Eintracht traf zweimal Martin Hinteregger (52./55.) ins gegnerische Tor und einmal ins eigene (74.).

1. Hütter rotiert – ohne Wirkung

Für ausgiebige Rotation ist Eintracht-Trainer Adi Hütter nicht unbedingt bekannt, nach der enttäuschenden Vorstellung zum Re-Start der Liga gegen Borussia Mönchengladbach sah sich der Österreicher allerdings gezwungen, seine Mannschaft ordentlich umzubauen. Im Sturm begann André Silva, Mijat Gacinovic und Gelson Fernandes starteten im Mittelfeld und der lange geschmähte Danny da Costa durfte sich nach zuletzt fünf Spielen auf der Bank mal wieder von Beginn an versuchen. David Abraham stand mit Rückenproblemen nicht im Kader, Djibril Sow, Daichi Kamada und Bas Dost blieben auf der Bank.

Allein: Noch bevor man erahnen konnte, was Hütter mit den Maßnahmen bezwecken wollte, waren sie spätestens mit dem 1:0 durch Leon Goretzka in der 16. Minute verpufft. Und auch in der Folge schien es nicht unbedingt kriegsentscheidend, ob nun ein Silva in der Spitze wirkungslos bleibt oder eben, wie in der Vorwoche, ein Dost; sich ein Fernandes im Mittelfeld aufreibt oder eben ein Ilsanker; ein Gacinovic sich als Ideengeber versucht oder ein Kamada. Wobei, so fair muss man sein, ein Spiel bei den übermächtigen Bayern freilich auch eher wenig für Werbung in eigener Sache taugt.

2. Schon wieder eine verpennte Anfangsphase

Besonders ärgerlich: die erneute Tiefschlafphase, die sich die Eintracht wenige Sekunden nach dem Wiederanpfiff gönnte. Schon im Spiel gegen Gladbach hatte Marcus Thuram nur 36 Sekunden ab Anpfiff gebraucht, um die Uhr auf 1:0 zu stellen. In München war es nun Robert Lewandowski, der nach Wiederanpfiff lediglich 45 Sekunden brauchte, um das 3:0 zu besorgen.

Fraglich, ob so viel Schlafmützigkeit einfach Zufall ist, oder die Hessen ein veritables Problem mit der Konzentration und nötigen Wettkampfspannung haben. Vielleicht sollte Filip Kostic demnächst mal seine Espresso-Maschine mitbringen, damit die Hessen wacher ins Spiel bzw. die zweite Halbzeit starten.

3. Hintereggers Lichtblick – mit Beigeschmack

Dass es trotzdem noch einmal spannend wurde, lag an Martin Hintereggers Doppelschlag, der innerhalb von drei Minuten (52., 55.) zweimal nach Ecke traf – und es plötzlich nur noch 2:3 stand. Für ein paar Minuten schnupperten die Hessen tatsächlich am Ausgleich, dann aber beschenkten sie die Münchner mit einer Einladung zum 2:4. Und nahmen sich damit wieder selbst aus dem Spiel.

Nach der Partie sagte Hütter, er freue sich über die beiden Tore von Hinteregger. Schön und gut, aber sie haben eben auch ein Geschmäckle. Denn dass ein Innenverteidiger mit acht Treffern bester Torschütze der Eintracht ist, spricht Bände über das Leistungsniveau der Stürmer. Goncalo Paciencia, der bislang siebenmal traf, ist aktuell verletzt, Silva und Dost, je fünfmal erfolgreich, sind insgesamt weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Zur Erinnerung: Mit Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller hatten die Hessen in der vergangenen Saison das aufregendste Sturm-Trio der Liga. Dass es nun ein Innenverteidiger richten muss, spricht nicht unbedingt für eine gelungene Kaderplanung.

4. Die zweite Halbzeit als Mini-Mutmacher

Wenn irgendetwas Mut macht nach dem 2:5, dann zwei Dinge: Erstens spielen die Bayern aktuell in einer eigenen Liga, holten aus den letzten 13 Spielen 12 Siege und ein Unentschieden und schossen nach 27 Spieltagen bereits 82 Tore, was zu diesem Zeitpunkt überhaupt noch nie einer Mannschaft gelang. Mit einem Sieg der Eintracht beim aktuellen und wohl auch kommenden Meister war also wirklich nicht zu rechnen.

Zweitens: In der zweiten Halbzeit gab es immer mal wieder Phasen, in denen die Hessen beherzt mitspielten, den ein oder anderen Konter fuhren und, siehe oben, zeitweise sogar noch einmal herankamen. Es war also nicht alles schlecht, die Moral stimmte. Ob das als Mutmacher taugt, wird sich allerdings erst in den nächsten Spielen zeigen.

5. Der nächste Negativlauf

Und nun? Der Knopf werde schon wieder aufgehen, gab sich Hütter nach der Partie betont gelassen, und man kann ihm nur wünschen, dass sich das möglichst schnell bewahrheitet, schließlich war die Niederlage in München bereits die fünfte Liga-Pleite in Serie. Nach der Phase im vergangenen Winter, als die Hessen aus sieben Spielen nur einen Punkt holten, ist das nun schon der zweite Negativ-Lauf der Eintracht in dieser Saison.

Was die Frage aufwirft, wie viele solcher Negativ-Läufe ein Verein aushalten kann.Durch den Punktgewinn von Fortuna Düsseldorf ist der Relegationsrang nur noch vier Puntke entfernt. Ärgerlich außerdem, dass auch Werder Bremen, aktuell noch sieben Punkte entfernt auf dem vorletzten Platz, plötzlich zu punkten begonnen hat. Sollten die Bremer nun zurück in die Spur finden und sogar das Nachholspiel gegen die Eintracht für sich entscheiden, brennt der Frankfurter Baum lichterloh. Gegen München und Gladbach kann man verlieren, gegen Freiburg, Wolfsburg und Mainz, die nächsten Gegner der Eintracht, muss zwingend gepunktet werden. Sonst weht demnächst der Geist von 2011 durch den Frankfurter Stadtwald.