Luka Jovic schlägt die Hände vor dem Gesicht zusammen, im Hintergrund feiern die Wolfsburger Spieler.
Das Tor von Luka Jovic hat der Eintracht gegen Wolfsburg nicht gereicht. Bild © Imago

Ausgerechnet gegen den VfL Wolfsburg verliert die Frankfurter Eintracht erstmals seit über zwei Monaten ein Pflichtspiel. Und genau das hat seine Gründe. Eine Zusammenfassung in fünf Punkten.

Videobeitrag
joscha

Video

zum Video hr-Reporter: "Wer hätte das gedacht?"

Ende des Videobeitrags

Eintracht Frankfurt muss die erste Pflichtspiel-Niederlage seit Ende September verdauen. Die Partie gegen den aufstrebenden VfL Wolfsburg am Sonntagabend endete 1:2 (0:1). Nach den Wolfsburger Toren durch Admir Mehmedi (31. Spielminute) und Daniel Ginczek (68.) kam der Anschlusstreffer von Luka Jovic (87.) zu spät.

Turbulente Anfangsphase

Eine Sache vorweg: Das Duell war von viel Einsatz auf beiden Seiten geprägt, von zahlreichen Zweikämpfen (50:50 Prozent) und Scharmützeln – aber nicht von ganz großen Unsportlichkeiten. "Ein Spiel mit viel Kampf dahinter", wie Eintracht-Trainer Adi Hütter zusammenfasste. Spielfluss und Action gab es nicht über die vollen 90 Minuten, dafür aber in drei durchaus turbulenten Akten.  Nummer eins: die Anfangsphase.

Filip Kostic – mit 88 Ballbesitzphasen, sieben Flanken und laut Hütters Bewertung "überragend" bester Frankfurter – hatte nach nur drei Minuten die erste Torchance. Jonathan de Guzmán scheiterte kurz darauf am Pfosten (14.), Jovic nach einer Ante-Rebic-Flanke per Kopfball (26.). Zwischendurch hätte es nach nicht einmal zehn Minuten um ein Haar Elfmeter für die Eintracht gegeben. Weil Wolfsburgs Verteidiger William den entscheidenden Wirkungstreffer gegen Rebic aber vor dem Sechzehner landete, korrigierte Videoassistent Daniel Siebert die ursprüngliche Entscheidung von Schiedsrichter Sascha Stegemann von Straf- auf Freistoß. So viel zum ersten Akt.

Videobeitrag
Adi Hütter in der PK

Video

zum Video Hütter: "Haben schlampig gespielt"

Ende des Videobeitrags

Turbulenter Mittelteil

Den zweiten – rückblickend entscheidenden – prägten dann die Gäste aus Niedersachsen. Nach rund einer halben Stunde bekam der VfL plötzlich Lust auf Fußballspielen und verzeichnete durch Wout Weghorsts Lattentreffer die bis dato beste Chance der gesamten Partie (27.). Nur vier Minuten später nahm Mehmedi dann genauer Maß, als er ein Zuspiel in den Rücken des zu weit entfernten Frankfurter Kapitäns Marco Russ zum 1:0 verwertete. "Nach Ballverlusten waren wir nicht organisiert", sagte Defensiv-Dauerbrenner Makoto Hasebe. Eine Analyse, die auch auf die Entstehung des zweiten VfL-Tores zutrifft.

Weitere Informationen

Mehr im heimspiel!

Ex-Eintracht-Spieler Thomas Berthold ist am Montag ab 23.15 Uhr im heimspiel! des hr-fernsehens zu Gast.

Ende der weiteren Informationen

Das 2:0 durch Ginczek war der abschließende Höhepunkt der stärksten Wolfsburger Phase, in der das Team von Bruno Labbadia den Eindruck machte, die Eintracht durch effizientes Pressing und Gegenpressing mit ihren eigenen Mitteln schlagen zu wollen. Zudem war auch Ginczek nach der Flanke von Elvis Rexhbecaj völlig unbewacht, entstand auch dieses Tor in wesentlichen Teilen über die rechte Frankfurter Abwehrseite. Die Doppelbelastung aus Liga und Europapokal macht sich auf einem Flügel, auf dem Danny da Costa nach dem Ausfall von Timothy Chandler seit mehreren Monaten Dienst schiebt, eben doch irgendwann bemerkbar.

Turbulente Schlussminuten

Die Phase bis zum Abpfiff gehörte dann wieder den Hausherren. Logisch, wollten sich die Hessen doch mit aller Macht gegen dieses ungewohnte und unwohlige Gefühl des Verlierens wehren. Geklappt hat das aus gleich mehreren Gründen nicht: der Schuss von Rebic nach kurzer Tanzeinlage blieb ohne Folgen (73.), die Chance von Mijat Gacinovic stoppte die Wolfsburger Defensive mit vereinten Kräften auf der Linie (81.), der Anschlusstreffer durch Jovic fiel letztlich zu spät und ein vermeintliches Handspiel durch Robin Knoche, für das die meisten der 48.000 Zuschauer liebend gerne einen Elfmeter gesehen hätten, wurde – weil keine unnatürliche Haltung des Arms sichtbar war – zurecht nicht geahndet.

Die Sache mit mit der Chancenverwertung

Kurz darauf ging sie dann los, musste sie losgehen: die Suche nach den Gründen für die erste Eintracht-Niederlage seit Ende September. Ein entscheidender Faktor: Der VfL fand genau die richtigen Mittel, um die in Frankfurt seit Wochen gefeierte "Büffelherde" im wahrsten Sinne des Wortes zu zähmen. Zwar war Hütter im Vergleich zum Europa-League-Spiel gegen Olympique Marseille (4:0) drei Tage vorher zu seiner torgefährlichsten Offensivreihe um Jovic, Rebic und Sébastien Haller zurückrotiert – eine Erfolgsgarantie bietet aber auch das Trio nicht. "Unsere drei Stürmer haben sich schwer getan", sagte Hasebe. In der Tat.

Jovic gab noch die meisten Frankfurter Torschüsse ab (fünf), Rebic kam auf drei und Haller lediglich auf einen. Zudem bestätigte sich der Eindruck, den manch einer bereits nach der Marseille-Gala hatte: Dann und wann geht die Eintracht zu sorglos mit ihren Möglichkeiten um. Ob nun de Guzmáns Pfostentreffer aus der Anfangsphase, eine weitere gute Kopfball-Gelegenheit durch Jovic kurz nach dem Seitenwechsel (49.) oder der von Kostic am langen Pfosten vorbeigezogene Freistoß in der Nachspielzeit: Das Hütter-Team hatte ausreichend Gelegenheiten. Der Wolfsburger Sieg ist sicherlich nicht unverdient, unvermeidbar war er aus Frankfurter Sicht aber auch nicht.

Videobeitrag
Adi Hütter in der PK

Video

zum Video Hütter: "Zu wenig über die Seiten gespielt"

Ende des Videobeitrags

Schade um die schöne Serie

Nun ist es also passiert: Zum ersten Mal seit Ende September – zum ersten Mal seit elf Partien ohne Niederlage – hat die Eintracht wieder ein Pflichtspiel verloren. Am fünften Spieltag hatten die Hessen nach einem 1:3 in Mönchengladbach zuletzt den Rasen als Verlierer verlassen. Es folgten glanzvolle Wochen mit tadellosen Auftritten in der Europa League und Highlights in der Bundesliga, wie dem 7:1 gegen Fortuna Düsseldorf oder dem 3:0 gegen Schalke 04. Ausgerechnet – für viele aber auch logischerweise – gegen Wolfsburg findet diese beeindruckende Serie, während der die Hessen außerdem ganze zehn Siege feierten, ein Ende.

Wölfe-Coach Labbadia bleibt als Trainer in Frankfurt ungeschlagen, außerdem hat der VfL nun von den vergangenen zwölf Duellen mit der Eintracht zehn für sich entschieden. Dass die Hessen in der Tabelle den Sprung auf Rang zwei verpassten und stattdessen Fünfter sind, stört sie dabei eher weniger. "Wir wussten, dass so ein Spiel irgendwann kommen wird" sagte Jetro Willems, dem Gacinovic beipflichtete: "Im Fußball ist das normal, manchmal musst du verlieren." Einig waren sich die Adlerträger aber auch in einer anderen Angelegenheit: Bis zur nächsten Partie in Berlin am kommenden Samstag ist genug Zeit, um dieses unwohlige Gefühl des Verlierens zu verarbeiten.