Fredi Bobic Ben Manga

Eintracht Frankfurt sieht sich selbst als Ausbildungsverein, hat die Transferstrategie in diesem Sommer aber verändert. Der Kader ist nun erfahrener. Das birgt aber auch Risiken.

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Es gibt sicherlich einfachere Einstiege in den neuen Job als jenen von Fredi Bobic im Sommer 2016 bei Eintracht Frankfurt. Der Verein war gerade so dem Abstieg entronnen, das Umfeld beäugte die Verpflichtung des Schwaben eher skeptisch und Geld war auch keines da. Ganze 2,7 Millionen Euro konnte Bobic vor drei Jahren ausgeben, Königstransfer damals: ein gewisser Taleb Tawatha. Zum Vergleich: Selbst der 1. FC Union Berlin gab 2016 mehr Geld aus. Als biederer Zweitligist, wohlgemerkt.

Drei Jahre später sieht die Welt anders aus. Bobic hat mit der Eintracht große sportliche und vor allem auch finanzielle Erfolge gefeiert, verkaufte Sébastien Haller und Luka Jovic für über 100 Millionen Euro. Zahlen, von denen er bei Amtsantritt meilenweit entfernt war. 2016 musste Bobic auf Leihspieler von großen Vereinen setzen. Nicht jeder dieser Transfers saß – man denke an Shani Tarashaj oder Guillermo Varela –, aber genügend, um eine gute Saison zu spielen. Zudem waren die Konturen der künftigen Transferstrategie zu erkennen: junge, entwicklungsfähige Spieler finden, die bei den Hessen ihr Potential entfalten können.

"Wir können Spieler auf die nächste Stufe bringen"

In der Folge gelang das der Eintracht wie wenigen anderen Clubs. Jovic und Haller wurden mit viel Gewinn verkauft. Andere – Evan N'Dicka, Omar Mascarell oder Goncalo Paciencia – kamen als junge, unbekannte Spieler teils aus zweiten Ligen nach Frankfurt und bewiesen auf Anhieb Bundesliga-Qualität, Chefscout Ben Manga sei Dank. Nicht zu Unrecht sagte Bobic vor Kurzem: "Wir können Spieler auf die nächste Stufe bringen."

Das mag stimmen, die Hessen haben ihre Transferstrategie in diesem Sommer aber erneut angepasst. Wurde in den letzten Jahren vermehrt auf Talente gesetzt, die mit erfahrenen Spielern ergänzt wurden – Kevin Prince Boateng, Jonathan de Guzman, Gelson Fernandes –, läuft es im Transfersommer 2019 andersherum: Die Zahl der Talente ist überschaubar, die der erfahrenen Spieler groß. Während aus dem U23-Regalboden der N’Dickas und Jovics lediglich Dejan Joveljic, Djibril Sow und der nach Polen weiterverliehene Rodrigo Zalazar kamen, gaben die Hessen ihr Geld zumeist für gestandene Spieler aus. Nicht umsonst bot die Eintracht in den ersten drei Bundesligaspielen die älteste Mannschaft auf, mit im Schnitt 27,1 Jahren.

Wunsch nach mehr Stabilität

Der Wandel in der Transferstrategie dürfte einerseits dem Wunsch nach mehr Stabilität entsprungen sein. Bei Sebastian Rode und Kevin Trapp, Bas Dost und Dominik Kohr weiß man, was man bekommt, das sportliche Risiko ist minimiert. Allerdings dürfte auch der überhitzte Markt eine Rolle gespielt haben. Spieler wie eben Jovic oder N’Dicka, die vor ein, zwei Jahren noch für fünf bis sieben Millionen Euro zu haben gewesen wären, kosten mittlerweile das doppelte.

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hesa
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So sind beispielsweise die im Sommer lose mit Frankfurt in Verbindung gebrachten Franzosen Alexis Claude-Maurice und Stanley N‘Soki – von den vielen Transfergerüchten wohl die Ben-Manga-typischsten – für je 13 Millionen Euro zum Investor-gepamperten OGC Nizza gewechselt. Jovic-Millionen hin oder her, für einen Klub wie die Eintracht macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man im Falle des Misserfolgs fünf oder eben 13 Millionen versenkt hat.

Was, wenn der Entwicklungssprung ausbleibt?

Nur: Was, wenn der Entwicklungssprung bei Joveljic und Co. ausbleibt? Nicht jeder Mangasche Talentetransfer saß, Francisco Geraldes beispielsweise kickt mittlerweile in Griechenland, Lucas Torro wurde nicht für den Europacup-Kader nominiert. Für einen Kohr wird kein Real Madrid der Welt 70 Millionen bezahlen, ebensowenig für Durm, Rode oder Trapp. Dementprechend ist der neue Weg der Eintracht auch mit einem Risiko verbunden: Wenn man kaum Talente kauft, kann man sie auch nicht teuer weiterverkaufen.

Ein Nebeneffekt des finanziellen Auschwungs ist es, dass die Hessen anders als 2016 nicht mehr auf Leihgeschäfte angewiesen sind. Umso ironischer, dass ausgerechnet André Silva, der Krachertransfer des Sommers, auf Leihbasis an den Main kam. Er wäre einer, der in ein, zwei Jahren eine Ablöse wie jene von Jovic generieren könnte. Zuvor müsste er aber noch gekauft werden, eine Option gibt es zunächst nicht.