Gunther Schrage ist Fan von Eintracht Frankfurt - und leidenschaftlicher Trikot-Sammler. Für all seine Jerseys braucht er bald ein eigenes Zimmer. Genug hat er aber noch lange nicht, ein paar ganz besondere Exemplare fehlen ihm noch.

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Loca-tag 'teaser_more_audio_sr' not found Trikotsammler Schrage: Ein Raum voll mit 1.000 Trikots

Eintracht Trikots
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Manche Menschen sammeln Briefmarken, andere Überraschungseier-Figuren oder Autogramme. Im Schrank von Gunther Schrage hingegen stapeln sich Trikots von Eintracht Frankfurt. Wo er die seltenen Stücke herbekommt und welches Jersey das Schönste ist, erzählt er im Interview.

hessenschau.de: Gunther Schrage, Sie haben knapp 1.000 Eintracht-Trikots zuhause und präsentieren sie auf www.eintrachttrikots.de. Was sagt denn Ihre Frau dazu?

Schrage: (Lacht.) Sie trägt es mit Fassung. 1991 habe ich sie das erste Mal mit ins Stadion genommen. Wir saßen neben Bernd Nickel, die Eintracht gewann 4:3 gegen den 1. FC Kaiserslautern, dreimal traf Andy Möller, einmal Uwe Bein. Das Spiel taucht immer mal wieder in irgendwelchen Listen der besten Bundesligaspiele auf. Aber es hat nichts genützt, Fan ist sie nicht geworden. Aber das ist okay. Sie ist ganz froh, wenn die Trikots bald alle in einem Zimmer sind. Aktuell bewahre ich die Trikots im Kleiderschrank und in Kisten auf dem Dachboden auf, es sind mittlerweile 25 Kisten mit Trikots, Schals, Wimpeln. Demnächst verlässt eine meiner Töchter das Haus, dann wird ihr Zimmer frei und wir machen ein eigenes Trikot-Zimmer draus.

hessenschau.de: Wie kam es denn zur Sammelleidenschaft?

Schrage: Ich habe schon immer gesammelt, schon früher als Kind auf dem Flohmarkt. Später dann Platten, die sammele ich auch immer noch. Vor etwa zehn Jahren kaufte ich mir dann ein Retro-Trikot, das das Trikot aus der Saison 1959 nachbildete. Aber irgendwie dachte ich: Das ist nicht das Richtige. Also kaufte ich mir das originale Heimtrikot aus der Saison 1987, das ich unheimlich schön fand. Kurze Zeit später bekam ich zufällig das orangefarbene Infotec-Trikot aus der Saison 1981, nach dem manche Sammler ihr Leben lang suchen. Und dann war es, als würde eine Lawine losgehen.

hessenschau.de: Was macht die Faszination an Trikots überhaupt aus?

Schrage: Trikots erzählen Geschichte, bringen einen zurück in die Vergangenheit. An viele Spieler erinnert man sich nicht oder kaum noch. Aber die Trikots bleiben im Gedächtnis und bringen Erinnerungen zurück. Und die Eintracht ist einfach mein Verein, sie hat als Traditionsverein eine große Geschichte und auch eine unglaubliche Vielfalt an unterschiedlichsten Trikots! Ich hab auch noch ein paar Trikots anderer Vereine, z. B. das von Niklas Süle im Pokalfinale 2018 getragene Trikot. Aber an ein Eintracht-Trikot kommt kein anderes dran.

hessenschau.de: Wo finden Sie die Trikots? Auf Ebay?

Schrage: Nein, Ebay war mal eine gute Quelle, mittlerweile gibt es da aber viel Schrott. Viele nachgemachte Trikots, die man schwer als Fälschungen erkennt, wenn man sie nicht in den Händen hält. Außerdem boomt das Trikotsammeln, und gemeinsam mit dem Hype um die Eintracht in den letzten Jahren, hat das die Preise hochgetrieben. Und viele wollen damit Geld machen. Da wird dann auf irgendwelche alten Erima-Templates ein Adler und ein Minolta-Schriftzug draufgeklatscht, und das soll dann 200 Euro kosten, obwohl es nur fünf Euro wert ist. Teilweise werden sogar Trikots angeboten, die es in echt nie gegeben hat. Ich halte überall die Augen offen, online, Kleinanzeigen, viel ergibt sich auch durch gute Kontakte in andere Fanszenen. Manche Kollegen fragen auch bei ehemaligen Spielern nach, aber das ist nicht so meine Art.

hessenschau.de: Welches ist Ihr seltenstes Trikot?

Schrage: Das Trikot mit dem "Mein Freund ist Ausländer"-Schriftzug auf der Brust ist sehr selten. Das wurde nur in einem Spiel getragen, am 12.12.1992 gegen den Hamburger SV. Das war extrem schwierig zu bekommen, ich habe den vorherigen Besitzer acht Monate lang bearbeitet und schließlich einige hundert Euro dafür bezahlt. Sehr selten ist auch das gelbe Ausweichtrikot aus der Saison 1976/77 des Herstellers Admiral, das weder Wappen noch Schriftzug hat. Es ist aus einem ganz furchtbaren Stoff, davon sind bestimmt viele im Altkleidercontainer gelandet.

hessenschau.de: Wie viel haben Sie denn bisher schon ausgegeben?

Schrage: (Lacht.). Das darf ich gar nicht sagen. Aber ich sehe es so: Wenn Golf mein Hobby wäre, oder um die Welt reisen, dann wäre das Geld ja danach weg. Meine Trikots sind noch da, und außerdem steigen sie im Wert. Ein seltenes Trikot aus den Siebzigern hat man früher für 350 Euro bekommen. Die kosten heute vierstellig.

hessenschau.de: Haben Sie ein Lieblingstrikot?

Schrage: Das schwarz-rot gestreifte Minolta-Trikot mit dem großen imposanten Eintracht-Wappen aus der Saison 79/80. Das ist für mich das klassische Eintracht-Frankfurt-Trikot, auch weil das die Zeit war, als ich anfing, ins Stadion zu gehen.

hessenschau.de: Ihr ältestes Trikot ist von 1965. Gibt es keine älteren mehr? Die Eintracht gibt es schließlich seit 1899.

Schrage: Kaum. Ich habe mal mit einem Kollegen gesprochen, der schon seit den Sechzigern sammelt. Der hatte den damaligen Zeugwart Toni Hübler um ein Meistertrikot 1959 gebeten. Aber Hübler konnte ihm nicht helfen, denn früher hat man die alten Trikots einfach zerschnitten und die Lappen dann zum Schuhe polieren benutzt. Die Trikots wurden getragen, bis sie auseinanderfielen, und dann wurden sie verwertet. Da hat niemand dran gedacht, dass die mal einen Wert haben könnten.

hessenschau.de: 1.000 Trikots haben Sie schon. Aber welches wollen Sie noch unbedingt haben?

Schrage: Das blaue Tetrapak-Trikot aus der Saison 1994/95 möchte ich unbedingt haben. Die Eintracht trug es nur ein einziges Mal, gegen den MSV Duisburg im Mai 1995. Es ist sehr selten. Verwandte des damaligen Zeugwarts haben noch zwei Exemplare, aber sie wollen mir leider keins verkaufen. Auch das rot-schwarz gestreifte Heimtrikot der Saison 1990/91 möchte ich unbedingt haben. Da ist ein großer weißer Diagonalbalken mit dem Hoechst-Schriftzug vorne drauf. Keine Ahnung, warum ausgerechnet das so schwer zu finden ist, die Eintracht hat es ständig getragen. Ich hätte es schon allein deswegen gern, weil die Eintracht das Trikot trug, als meine Frau das erste Mal mit im Stadion war.

Das Gespräch führte Stephan Reich