Eintracht-Spieler bejubeln ein Tor gegen Schalke 04.
Die Eintracht kommt derzeit aus dem Jubeln nicht mehr heraus. Bild © Imago

Eintracht Frankfurt findet gegen Schalke 04 die richtigen Tankstellen und überholt sogar den großen FC Bayern. Deutscher Meister wird nur die SGE? Eine Analyse in fünf Punkten.

Videobeitrag
Adi Hütter

Video

zum Video Die Eintracht-Pressekonferenz nach dem Spiel gegen Schalke

Ende des Videobeitrags

Zum Abschluss des 11. Bundesliga-Spieltags hat die Frankfurter Eintracht mit 3:0 (0:0) gegen den FC Schalke 04 gewonnen. Luka Jovic mit einem Doppelpack (61., 73. Spielminute) und Sébastien Haller (80.) schossen den Sieg mit ihren Treffern heraus.

Tankstellen gefunden

"Wir müssen schauen, dass wir in diesen zwei Tagen Tankstellen finden, um aufzutanken", hatte Eintracht-Trainer Adi Hütter vor der Partie und damit kurz nach der anstrengenden Zypern-Reise gesagt. Das 3:2 am Donnerstagabend bei Apollon Limassol war bereits das fünfte Spiel binnen weniger als drei Wochen, zudem hatte Schalke nach dem eigenen Auftritt in der Champions League (2:0 gegen Galatasaray) zwei Tage Pause mehr. Und doch waren es die Hessen, die zur Crunchtime in der zweiten Halbzeit die entscheidenden Kraftreserven ausspielen konnten.

Das belegen Statistiken wie die der Torschüsse (12:5 für Frankfurt), aber auch jene, die die Laufleistung messen. Intensive Läufe: 702:588 für die Hütter-Elf. Sprints: 269:188. Gesamtdistanz: 110,6 Kilometer aufseiten der Eintracht, 107 bei S04. Der Pokalsieger ist den Schalkern förmlich davongelaufen. Wo genau die Tankstellen zwischen Nikosia und Frankfurt zu finden waren, ist allerdings nicht überliefert.

Auf Taktikgeplänkel folgt Effizienz-Spektakel

Dafür hat Hütter noch etwas anderes vorhergesagt. "Insgesamt sind sie uns sehr ähnlich", hatte der Österreicher über die taktische Ausrichtung der Gäste gemutmaßt: "Dreier- beziehungsweise Fünferkette, zweikampfstark und mit zwei Stürmern." Und was passiert, wenn sich zwei nahezu identische Systeme gegenüberstehen und zudem höchst diszipliniert zu Werke gehen? Genau: Beide Mannschaften neutralisieren sich, wie es in der Sprache des Fußballs heißt. Kaum Räume, kaum Torchancen, dafür aber viele kompakte Mannschaftsteile sind die Folgen. Rasenschach eben.

Doch damit war nach ziemlich genau einer Stunde Schluss. Alle drei Tore fielen innerhalb von nur 19 Minuten, und allen voran die "Büffelherde" Jovic, Haller und Ante Rebic mischte die Defensive des angeschlagenen Ruhrpott-Clubs mächtig auf. Das 1:0 war die logische Konsequenz eines stark und schnell ausgespielten Konters, das 2:0 einer tollen Vorarbeit von Filip Kostic und beim 3:0 stand Haller am Ende da, wo ein Torjäger eben stehen muss. So wird aus Rasenschach plötzlich Spektakel.

Luka Jovic
Luka Jovic erzielte zwei Treffer gegen Schalke Bild © Imago

Erst hält Trapp, ...

Allerdings: Wer weiß, was passiert wäre, hätten die Gäste ihre beste Gelegenheit genutzt. "Der Knackpunkt war die Gelegenheit von Breel Embolo, da hält Kevin Trapp stark", sagte Hütter über die Szene, die dem Frankfurter Führungstor unmittelbar vorausgegangen war. Der Schalker Stürmer steuerte nahezu im Alleingang auf das Frankfurter Gehäuse zu, scheiterte aber im Straucheln am Schlussmann der Eintracht.

Dass er strauchelte, dafür war Kapitän David Abraham mit einer Störaktion verantwortlich – und dass es am Ende dieser Aktion keinen Elfmeter gab, wird manch einer vielleicht mit den Adjektiven "haarscharf" und "glücklich" versehen in Erinnerungen behalten. Statt 0:1 hieß es kurz darauf nämlich 1:0. Befreiungsschlag Danny da Costa, Vorarbeit Rebic, Tor Jovic. Das Fundament für den nächsten beeindruckenden Erfolg.

... dann die Serie

Und davon hat die Eintracht mittlerweile eine ganze Menge gesammelt. Der Sieg gegen Schalke ist wettbewerbsübergreifend das neunte Spiel in Folge ohne Niederlage, acht dieser neun Partien in Bundesliga und Europa League hat die Hütter-Elf gewonnen. "Es gibt kein Argument, warum es nicht funktionieren sollte", sagte anschließend Jovic, der nach seinem Doppelpack neun Saisontreffer auf dem Konto hat und aktuell die Torschützenliste der Bundesliga anführt. "Das Kompliment muss ich an meine Kollegen weitergeben, die mir dabei helfen, die Tore zu schießen", leitete der 20-Jährige sämtliche Lobeshymnen weiter.

Frankfurt-Jäger Nummer eins: der FC Bayern

Klar, das Topspiel am Samstagabend hat an diesem 11. Spieltag so ziemlich alles überstrahlt. Dortmund 3, Bayern 2 – ein Fußballfest, wie es die Bundesliga während der Münchner Dauer-Dominanz der vergangenen Jahre nicht mehr erlebt hat. Im Schatten dessen, was sich im Fußballtempel des BVB abgespielt hat, wollen aber vor allem viele Eintracht-Fans eine Entwicklung nicht untergehen lassen: In der Tabelle hat sich Frankfurt am FCB vorbeigeschoben und liegt aktuell als Vierter einen Platz vor dem Rekordmeister.

"Eine Momentaufnahme", ist sich Jovic sicher. Doch nach elf Spielen genauso viele Punkte wie die Mannschaft von Ex-Trainer Niko Kovac zu haben, dazu eine bemerkenswert bessere Torfdifferenz (+13 gegenüber +6) – all das rechtfertigt die Frage, ob es sich wirklich um eine Momentaufnahme handelt. Die Meinung der Fans? Eindeutig, wie am Sonntagabend im Stadion zu hören war: "Deutscher Meister wird nur die SGE", schallte ein sicherlich sehr kühner Gesang durch Arena und Stadtwald. Dank Länderspielpause kann der noch mindestens zwei Wochen nachhallen.