Eintracht verliert in Mönchengladbach

Die Frankfurter Eintracht zeigt bei Borussia Mönchengladbach zwei Gesichter und geht als Verlierer vom Platz. Es gibt positive Ansätze, aber vor allem der dezimierte Sturm wird zum Problem. Eine Analyse in fünf Punkten.

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zum Video Die Aussagen von Adi Hütter nach der Eintracht-Niederlage in Gladbach

Eintracht-Trainer Adi Hütter äußert sich nach der Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach.
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Nach sechs Spielen ohne Niederlage musste sich die Frankfurter Eintracht am Sonntagabend bei Borussia Mönchengladbach mit 2:4 (0:2) geschlagen geben. Danny da Costa (59.) und Martin Hinteregger (79.) trafen für die Hessen, die in der zweiten Halbzeit noch auf Zählbares hoffen durften. Der Spitzenreiter aus Gladbach, der nach Toren von Marcus Thuram (28.) und Oscar Wendt (45.) zur Pause schon 2:0 in Front lag, hielt die Frankfurter aber durch Nico Elvedi (75.) und Denis Zakaria (85.) auf Distanz.

1. Kamada kopflos

Woran es im Eintracht-Spiel hapern würde, konnte man bereits eine Stunde vor Spielbeginn bei einem Blick auf den Aufstellungsboden erahnen. Mit Bas Dost (Leistenprobleme) und André Silva (Achillessehne) musste erneut die erste Sturmgarde der Hessen verletzt passen. So rückte wie schon in der Europa League gegen Lüttich Daichi Kamada neben Goncalo Paciencia in die vorderste Front auf. Und der japanische Spielmacher bewies sogleich eindrucksvoll, dass er dort eigentlich nichts zu suchen hat:

Es war die neunte Spielminute im Borussia-Park, als eine mustergültige Flanke von Filip Kostic den völlig freistehenden Kamada am Fünfmeterraum erreichte. Während Sturmkollege Dost diesen Ball vermutlich einfach ins Tor gebrüllt hätte, wäre ein simpler Kopfball die richtige Option für Kamada gewesen. Doch in offensichtlicher Unkenntnis, dass man den Ball jenseits der Grasnarbe auch mit diesem Köperteil berühren darf, torkelte der Techniker einfach an dieser Großchance vorbei. Dost dürfte auf der heimischen Couch gebrüllt haben.  

2. Zu viel Kampf, zu wenig Mut

Es wurde viel gerannt, gegrätscht und mit dem Ball gekämpft: Die Grundtugenden des Fußballs hatten bei der Eintracht vor der Pause Hochkonjunktur und kosteten gegen zielstrebigere Gladbacher in der Endabrechnung Zählbares. Ohne große spielerische Linie verloren die Frankfurter allzu oft in der Vorwärtsbewegung leichtfertig den Ball. Die Fohlen sagten artig Danke.

"Wir haben in der ersten Hälfte nicht gut Fußball gespielt – mit zu wenig Mut", erkannte Trainer Adi Hütter. Bei den Gegentoren von Marcus Thuram und Oscar Wendt erwies sich dann vor allem Danny da Costa als interessierter Wegbegleiter: Beim 0:1 ließ er Thuram in der Mitte durchlaufen. Unmittelbar vor der Pause unterlief er eine Flanke, die im 0:2 mündete.

3. Die Rückkehr der Leidenschaft

Ein 0:2-Pausenrückstand beim Spitzenreiter, die Offensive außer Gefecht, dazu 90 anstrengende Minuten vom vergangenen Donnerstag in den Beinen – die Vorentscheidung? Nicht mit Eintracht Frankfurt! Wieder einmal zeigten die Hessen, dass man sie nie abschreiben darf. Mit ihrer oft gezeigten Leidenschaft fighteten sie sich auch diesmal in Durchgang zwei zurück in die Partie. Der Anschluss von – ausgerechnet - da Costa wurde dabei zur Initialzündung.

Gut und gerne hätte in dieser Phase der Ausgleich fallen können, und er wäre angesichts der Fülle der Frankfurter Chancen auch keineswegs unverdient gewesen. Kamada bewies bei zwei Kopfbällen eine steile Lernkurve, auch wenn beide ihr Ziel knapp verfehlten. Immerhin konnte der Japaner mit zwei Torvorlagen in seinen eigentlichen Kernkompetenzen punkten. Dass es trotzdem nicht zu einem Zähler reichte, lag an den letztlich effizienteren Gladbachern und den fehlenden Frankfurter Offensiv-Alternativen.

4. Immer wieder Hinti

Für seine Blutgrätschen wird Martin Hinteregger von den Fans der Eintracht ebenso gefeiert wie für seine offene und authentische Art. Dass der Österreicher jetzt auch noch zum Torjäger mutiert, wird seinem Kultstatus sicherlich keinen Abbruch tun. Zum zweiten Mal binnen 72 Stunden war der Innenverteidiger im gegnerischen Strafraum mit dem Kopf zur Stelle: Nach dem Siegtreffer gegen Lüttich erzielte er nun den zwischenzeitlichen 2:3-Anschlusstreffer.

Zuvor hatte er noch zu Beginn der zweiten Hälfte mit einer klasse Rettungsaktion das 0:3 aus Frankfurter Sicht verhindert. Hinti hinten und vorne. Bei der aktuellen Stürmernot kann die Eintracht ihren treffsicheren Abwehrrecken mehr denn je gebrauchen.

5. Ab ins Freudenhaus

Statt ausruhen und Wunden lecken ist bei der Eintracht im heißen Herbst jetzt Durchhaltevermögen auf der Reeperbahn gefragt. Schon am Mittwoch steht dort das DFB-Pokalduell bei Zweitligist FC St. Pauli an. "Es wird ein sehr harter Kampf, wieder auswärts, nur zwei Tage Pause", blickte Mittelfeldmann Djibril Sow nicht gerade in heller Vorfreude auf die nächste Aufgabe. Die Ausgangslage ist aber klar: „Kräfte sammeln und eine Runde weiterkommen“, so Sow.

Mit der in Halbzeit zwei in Gladbach gezeigten Leistung sollte Pauli keine allzu große Hürde sein. Andernfalls wird es schwer. Eine Rückkehr von Dost und Silva ist bis dahin ist ebenso fraglich wie ein Durchbruch Kamadas als Kopfballungeheuer. Zur Not muss eben  Hinteregger wieder als Torjäger in die Bresche springen.

Weitere Informationen

Borussia Mönchengladbach - Eintracht Frankfurt 4:2 (2:0)

Gladbach: Sommer - Lainer, Jantschke (46. Beyer), Elvedi, Wendt - Neuhaus,  Zakaria - Benes - Herrmann (82. Hofmann), Embolo (35. Stindl), Thuram
            
Frankfurt: Rönnow - Hasebe, Abraham, Hinteregger - da Costa, Fernandes (83. Joveljic), Rode (46. Kohr), Kostic (79 .Chandler) - Sow - Paciencia, Kamada  

Tore: 1:0 Thuram (28.), 2:0 Wendt (45.+3), 2:1 da Costa (59.), 3:1 Elvedi (75.),  3:2 Hinteregger (79.), 4:2 Zakaria (85.)
Gelbe Karten: Neuhaus - Abraham

Schiedsrichter: Schlager (Hügelsheim)
Zuschauer: 52.000   

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