Adi Hütter im Training von Eintracht Frankfurt

Nach dem Abschied von Luka Jovic und den Problemen im Endspurt der vergangenen Saison braucht Eintracht Frankfurt dringend mehr Flexibilität. Trainer Adi Hütter könnte seine Lieblingstaktik einführen.

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Adi Hütter in der Pressekonferenz
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Es ist mittlerweile fast ein Jahr her, dass sich Adi Hütter erstmals in offizieller Mission für Eintracht Frankfurt in der Öffentlichkeit zeigte. Nach einem zweistündigen Training an der Wintersporthalle stellte er sich Anfang Juli 2018 den Fragen der Journalisten und erklärte seine Vorstellung vom perfekten Fußball: frühes Pressing, offensive Spielweise, lieber Spektakel als Langeweile. "Entscheidend ist zudem, dass wir variabler werden", ergänzte Hütter. "Nur ein Plan A ist zu wenig." Ein Satz, der vor dieser Saison aktueller ist denn je.  

Eintracht vor Kulturwandel

Nach dem Abgang von Luka Jovic zu Real Madrid und den Erfahrungen der vergangenen Saison braucht die Eintracht dringend mehr Variabilität. Die zunächst versprochenen Systemwechsel hat es faktisch nämlich nie gegeben. Hütter versuchte sich zu Anfang zwar an einer Viererkette. Als der Erfolg ausblieb, schwenkte er aber zurück zur für die Eintracht gewohnten Taktik mit Libero und zwei Innenverteidigern. Von Spieltag sechs bis 34 spielte die Eintracht immer mit einer Dreierkette plus Danny da Costa und Filip Kostic auf den Außen. Dazu mal drei oder mal zwei Stürmer, mehr Abwechslung gab es nicht.

Lediglich beim Auswärtsspiel in Leverkusen zeigte sich Hütter experimentierfreudiger und stellte um. Fünferkette, massives Mittelfeld, nur ein Angreifer. Das Ergebnis ist bekannt: Die Eintracht ging mit 1:6 baden, der viel propagierte Plan B entpuppte sich als Rohrkrepierer. "Das war fürchterlich", gab Hütter damals zu und nahm die Schuld für die derbe Pleite auf sich. Sein Team war nicht eingespielt und deshalb überfordert mit so vielen Änderungen. In der kommenden Saison, das steht spätestens seit dem Abschied von Jovic fest, wird ein einziges funktionierendes System aber nicht mehr reichen.

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"Wir müssen versuchen, Luka auf eine andere Art zu ersetzen, vielleicht noch unberechenbarer werden", hatte Hütter unmittelbar nach dem Wechsel des Serben zu den Königlichen verkündet und damit die Marschrichtung vorgegeben: Eine neue Idee muss her, die Eintracht steht vor einem Kulturwandel.

Die Transfers müssen sitzen

Die einfachste und wohl logischste Lösung findet sich dabei recht zügig in Hütters Vergangenheit. Bei den Young Boys Bern, die der Österreicher zum Meistertitel führte, praktizierte er fast durchgängig ein 4-4-2-System mit offensiven Flügeln und zwei echten Spitzen. "Adi ist ein Fan der Doppelspitze. Wenn es einigermaßen möglich ist, richtet er sein System darauf aus", bestätigte Sportdirektor Bruno Hübner zu Beginn der vergangenen Saison die Hütterschen Vorlieben. Wichtigste Voraussetzung dafür: Im Kader müssen die richtigen Spieler sein.

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Die Eintracht Taktik Analyse
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Nachdem es bei der 2018er-Version der Eintracht vor allem an schnellen und offensiven Außen sowie spielstarken Mittelfeldspielern mangelte, scheinen die Transferplanungen genau an dieser Stelle anzusetzen. Der spanische U21-Nationalspieler Alfonso Pedraza soll neuer Linksverteidiger werden und damit den Weg für Filip Kostic weiter nach vorne freimachen. In der Mitte gilt Djibril Sow, ein alter Weggefährte von Hütter aus Berner Zeiten, als Wunschkandidat. Der Schweizer soll das verbindende Element zwischen Abwehr und Angriff werden und damit eine der größten Frankfurter Schwächen der abgelaufenen Runde ausmerzen. Offen bliebe ein Pendant zu da Costa auf der rechten Seite.

Neues System würde Kostic und da Costa entlasten

Positiver Nebeneffekt dieser Systemumstellung mit Pärchen auf den Flügeln, im Mittelfeld und im Sturm wäre, dass Dauerläufer wie Kostic und da Costa nur noch einen Teil der Außenbahn beackern müssten und Körner sparen könnten. Der Kräfteverschleiß war neben der Berechenbarkeit sicher der maßgebliche Faktor für den Leistungsabfall im Saisonendspurt.

"Im vergangenen Sommer habe ich öfter betont, dass wir variabel sein wollen, unberechenbar, und begeisternden, attraktiven Fußball spielen wollen", bilanzierte Hütter nach dem 34. Spieltag in München und erinnerte an seine Worte vom Saisonbeginn. Vieles davon habe seine Mannschaft sehr gut umgesetzt. Begeisternd und attraktiv, vor allem im Vergleich zum von Niko Kovac geprägten Ergebnisfußball, war die Eintracht. Variabel und unberechenbar hingegen nicht immer. Da gilt es in der Sommervorbereitung anzusetzen.